Berufliche Weiterbildung
Zehn Jahre Kompetenzzentren: Luxemburgs Handwerk bleibt auf Grenzgänger angewiesen
Die Centres de Compétences haben nach eigenen Angaben in einem Jahrzehnt mehr als 90.000 Beschäftigte geschult. Den strukturellen Mangel an Fachkräften hat das Modell allein nicht behoben.
Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Wer in Luxemburg eine Wärmepumpe installiert, ein Dach deckt oder eine Aufzugsanlage wartet, hat seine Fertigkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Einrichtung aufgefrischt, die in diesem Monat erst zehn Jahre alt geworden ist. Die Centres de Compétences für das bautechnische Gewerbe (Génie Technique du Bâtiment) und das Ausbaugewerbe (Parachèvement) markierten ihr Jubiläum im Juni mit einem Abend unter dem Titel Les Maîtres du Geste, zu dem mehr als 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Handwerk kamen. Die Bilanz, die dort vorgelegt wurde, ist in absoluten Zahlen beachtlich: nach eigenen Angaben mehr als 90.000 geschulte Beschäftigte in über 17.000 Schulungseinheiten seit 2016.
Hinter den gerundeten Werten steht eine genauere Abrechnung des Jahrzehnts: 84.807 Teilnehmende in 16.622 Schulungen, erbracht von rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für einen Stamm von etwa 2.600 Handwerksbetrieben. Welche Zahl man auch heranzieht — die Kurve ist steil. Noch Mitte 2023 berichteten die Zentren von 44.000 Geschulten über sieben Jahre. Doch nach einem Jahrzehnt stellt sich eine härtere Frage als die nach dem reinen Durchsatz: Hat das Modell begonnen, den Fachkräftemangel im Handwerk zu schließen — oder hat es ihn lediglich erträglicher gemacht?
Eine Umlage macht Weiterbildung zum Anrecht
Die Centres de Compétences gehen auf ein interprofessionelles Abkommen zurück, das im Juli 2015 von der Fédération des Artisans und den Gewerkschaften OGBL und LCGB unterzeichnet wurde. Zwei Zentren — eines für die Gebäudetechnik, eines für den Ausbau — arbeiten gemeinsam und decken rund 30 Kompetenzfelder ab, von Elektrik, Heizung, Sanitär und Aufzügen bis zu Dachdeckerei, Fliesenlegerei und Malerarbeiten.
Der eigentliche Unterschied liegt in der Finanzierung. Beitragspflichtige Handwerksbetriebe zahlen eine obligatorische Jahresabgabe von 0,5 Prozent ihrer Lohnsumme, die über den Branchenfonds Fongeco gebündelt wird — geregelt durch eine großherzogliche Verordnung, die seit November 2015 in Kraft ist. Im Gegenzug ist die Weiterbildung für die Beschäftigten der beitragenden Firmen kostenlos. Damit wird aus einer freiwilligen Ausgabe ein kollektives Anrecht — ein Konstruktionsprinzip, das gerade die kleinen Werkstätten erreichen soll, die selten ein eigenes Budget für Schulungen einplanen.
Die Chambre des Métiers, die öffentlich-rechtliche Kammer des Handwerks, steht neben den Zentren, nicht über ihnen: Sie bietet ergänzende, stärker theoretisch ausgerichtete Weiterbildung an, während die Zentren auf die praktische Anwendung setzen. Die Verbindung wird enger werden — ein geplanter Neubau soll Räume beherbergen, die mit dem Service de Contrôle et de Réception du Bâtiment der Kammer geteilt werden.
Eine Werkstatt für die Energiewende
Das physische Herzstück ist das Centre de Formation Krakelshaff in Bettemburg, Anfang 2021 auf einem 2,45 Hektar großen Gelände eröffnet, das die Ministerien für Wirtschaft und für den Mittelstand bereitstellten. Auf rund 5.000 Quadratmetern — zwei nahezu identische Gebäude, verbunden durch eine stählerne Fußgängerbrücke, dazu zwei große Werkhallen — üben Lehrlinge und Berufstätige an real installierter Technik statt im Klassenraum.
Zunehmend ist diese Technik die der Dekarbonisierung. Die Zentren haben Schulungen rund um Wärmepumpen, Brennwertkessel, Lüftungsanlagen, Photovoltaik, Gebäudethermografie, Energiemanagementsysteme für Wohngebäude und Elektromobilität aufgebaut; Wasserstoff gilt als kommendes Thema. Subventionen aus dem Klima- und Energiefonds haben geholfen, die entsprechende Ausstattung zu finanzieren. Zum Jubiläum kündigten die Zentren weitere Schritte an:
- eine ausgestattete Werkstatt von 500 Quadratmetern im Sommer 2026;
- der gemeinsame Neubau mit der Chambre des Métiers;
- ein geplanter Standort im Norden des Landes, um Betrieben dort die Anfahrt zu verkürzen.
Die Ausbildung bleibt der Schlüssel zu Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Nachhaltigkeit.
So fasste es Claude Schreiber zusammen, Präsident des Zentrums für Gebäudetechnik. Marc Herkes, der dem Ausbauzentrum vorsteht, würdigte die Teams, die die Lehrgänge entwickelt haben: Nichts von dem, was hier existiere — die Programme, die Modelle, die Lernwege —, würde ohne diese Teams existieren.
Lücke geschlossen oder nur kaschiert?
Das politische Argument für die Zentren ist das Argument für Weiterbildung überhaupt. Der Kompetenzaufbau sei „eine unverzichtbare Säule, um Beschäftigungsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt zu sichern", sagte Arbeitsminister Marc Spautz vor den Gästen und rückte die kontinuierliche Bildung damit ins Zentrum von Luxemburgs Antwort auf einen rasch wechselnden Arbeitsmarkt.
Der strukturelle Hintergrund ist ungewöhnlich deutlich. Luxemburg zählte Ende 2025 fast 494.000 Beschäftigte, von denen rund 47 Prozent Grenzgänger waren — etwa 229.000 Menschen, die täglich aus Frankreich, Belgien und Deutschland pendeln. Keine andere Volkswirtschaft der EU stützt sich derart stark auf Arbeitskräfte, die sie nicht selbst beherbergt; und gerade Bau, Energie und Handwerk, die die Zentren bedienen, gehören zu den Bereichen mit dem akutesten Mangel an qualifizierten Händen.
An diesem Maßstab fällt das Jahrzehnturteil zwiespältig aus. Die Zentren haben das Qualifikationsniveau der bereits im Land tätigen Belegschaft nachweislich gehoben, und das umlagefinanzierte Modell hat kleinen Betrieben Schulungen zugänglich gemacht, die sie sonst nie eingekauft hätten. Was zehn Jahre nicht bewirkt haben, ist eine Lockerung der Abhängigkeit von importierten und grenzüberschreitenden Kompetenzen: Das Handwerk rekrutiert weiterhin über die Grenzen, weil das inländische Angebot die Auftragsbücher allein nicht füllen kann — und die Energiewende schafft neue Spezialisierungen schneller, als ein einzelnes Bildungssystem sie nachbilden kann.
Damit stehen die Zentren in einer für luxemburgische Institutionen vertrauten Lage: unverzichtbar und für sich genommen nicht ausreichend. Sie haben dauerhafte Kapazität geschaffen, die vorhandene Belegschaft kompetent zu halten und neue grüne Anforderungen aufzunehmen. Den Mangel ganz zu beseitigen, verlangte etwas, das die Zentren nicht aus eigener Kraft liefern können: mehr Menschen, die überhaupt einen Handwerksberuf ergreifen. Vorerst ist das Modell weniger als Heilmittel zu lesen denn als das, was die Lücke davon abhält, weiter zu wachsen.
Häufig gefragt
- Wer betreibt die Centres de Compétences und seit wann?
- Die Zentren gehen auf ein interprofessionelles Abkommen vom Juli 2015 zwischen der Fédération des Artisans und den Gewerkschaften OGBL und LCGB zurück. Sie nahmen 2016 den Betrieb auf (ab 2017 vollständig) und werden von den Berufsverbänden unter dem Dach der Fédération des Artisans geführt — nicht direkt von der Chambre des Métiers.
- Was kostet die Weiterbildung die Handwerksbetriebe?
- Beitragspflichtige Betriebe zahlen eine jährliche Pflichtabgabe von 0,5 Prozent ihrer Lohnsumme, die über den Branchenfonds Fongeco gebündelt wird. Für die Beschäftigten dieser Firmen ist die Weiterbildung dann kostenlos.
- Welche neuen Schulungsthemen kommen hinzu?
- Die Zentren bauen ihr Angebot rund um die Energiewende aus: Wärmepumpen, Brennwertkessel, Lüftung, Wasserstoff, Photovoltaik, Gebäudethermografie, Energiemanagementsysteme (HEMS) und Elektromobilität.
Quellen(9)
- 1Les Centres de Compétences de l'artisanat célèbrent une décennie à l'ouvrageCentres de Compétences GTB/PAR (cdc-gtb.lu) · cdc-gtb.lu
- 2À propos — Centres de Compétences Génie Technique & ParachèvementCentres de Compétences GTB/PAR (cdc-gtb.lu) · cdc-gtb.lu
- 3Annonce Centres de compétences (décennie : 84 807 participants, 16 622 formations)Infogreen.lu · infogreen.lu
- 4Bettembourg : l'artisanat se forme à la transition énergétiqueLe Quotidien · lequotidien.lu
- 5Quels sont les dispositifs de financement de la formation professionnelle continue pour les PME au Luxembourg ?Pixie.lu · pixie.lu
- 6Le nouveau « Centre de Formation Krakelshaff » des Centres de Compétences GTB/PARLëtzebuerger Gemengen (gemengen.lu) · gemengen.lu
- 7Cross-Border Workers Constitute 47% of Luxembourg's WorkforceChronicle.lu · chronicle.lu
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