Energiewende
Solarstrom löst die Windkraft als Luxemburgs wichtigste heimische Energiequelle ab
Erstmals lieferten Photovoltaikanlagen 2025 mehr Strom als die Windräder des Großherzogtums. Doch rund sieben von zehn verbrauchten Kilowattstunden stammen weiter aus dem Ausland.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Auf den Dächern des Großherzogtums hat sich 2025 eine kleine Zäsur vollzogen: Zum ersten Mal war Solarenergie die größte einzelne Quelle des in Luxemburg selbst erzeugten Stroms. Das teilte die nationale Regulierungsbehörde Institut Luxembourgeois de Régulation (ILR) mit. Photovoltaikanlagen speisten im Jahresverlauf 627 Gigawattstunden (GWh) ein — ein Sprung um 74,3 Prozent gegenüber 2024 — und zogen damit erstmals an der Windkraft vorbei.
In absoluten Zahlen bleibt der Vorsprung bescheiden, symbolisch aber wiegt er schwer. Luxemburg produziert nur einen Bruchteil des Stroms, den es verbraucht, und dieser heimische Anteil wurde jahrzehntelang von Windrädern, Abfallverwertung und Gas bestimmt. Nun geben die Solardächer den Ton an — das bislang deutlichste Zeichen dafür, dass sich der Energiemix des Landes hin zu dezentraler, im Inland erzeugter Erneuerbarer verschiebt.
Der heimische Strommix ordnet sich neu
Die gesamte in Luxemburg erzeugte Strommenge stieg 2025 um 20,8 Prozent auf 1.826 GWh, wie das ILR berichtet. Nach Quellen aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild:
- Solar (Photovoltaik): 627 GWh, plus 74,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Windkraft: 467 GWh
- Holzabfälle und Biomasse: 398 GWh
- Gas-Kraft-Wärme-Kopplung: 63 GWh
Wasserkraft und weitere Quellen machen den kleinen verbleibenden Rest aus. Rund 94 Prozent des im Land erzeugten Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen, wie ILR-Direktor Luc Tapella erklärte. Den Zuwachs insgesamt führt die Behörde auf die wachsende Erzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse zurück.
Zum ersten Mal hat die Produktion der Solarpaneele jene der Windräder übertroffen.
Diese Einschätzung Tapellas bekräftigte auch Marc Kohll, beim ILR zuständig für Statistik und Marktbeobachtung. „Die Produktion ist dank Photovoltaik, Windkraft und Biomasse gestiegen“, sagte Kohll auf Französisch. „Das verstärkt sich.“ Den Solarschub beschrieb er als „einen gewollten Trend, dessen Ausmaß wir allmählich zu messen beginnen“.
Der Ausbau hinter diesen Zahlen verlief rasant. Die installierte Photovoltaikleistung kletterte um 35,8 Prozent auf 746 Megawatt, die Zahl der Solaranlagen wuchs um 10.694 Einheiten — ein Plus von 47,3 Prozent — auf 33.304 zum Jahresende. Parallel dazu breiteten sich Batteriespeicher aus: Luxemburg zählte 9.843 Speichersysteme mit einer Gesamtkapazität von etwa 101 Megawattstunden, die weit überwiegende Mehrheit davon kleine Anlagen in Privathaushalten.
Ein Netz, das am Import hängt
Bei allem Schwung kommt der Meilenstein mit einem gewichtigen Vorbehalt: Luxemburg bleibt einer der importabhängigsten Strommärkte Europas. Einkäufe aus dem Ausland deckten 2025 noch rund 72 Prozent des Verbrauchs, wie das ILR mitteilte — ein spürbarer Rückgang gegenüber 80 Prozent im Jahr 2020, aber zugleich eine Erinnerung daran, dass die heimische Erzeugung nur eine Minderheit der Nachfrage bedient.
Die Behörde deutet den Wandel als allmähliche Neugewichtung, nicht als Bruch. Der Anteil erneuerbarer Quellen am im Inland erzeugten Strom stieg von 16 Prozent (2020) auf 26 Prozent (2025). Aussagekräftiger für ein dezentraler werdendes System war der Sprung beim Strom, der vor Ort erzeugt und verbraucht oder lokal geteilt statt über das Netz bezogen wird: Diese Mengen mehr als verdoppelten sich, legten um 122 Prozent auf 444 GWh zu und entsprechen inzwischen etwa 7 Prozent des Endverbrauchs.
Über die Grenzen des Machbaren ließ das ILR gleichwohl keinen Zweifel. Tapella warnte, es sei „schwer vorstellbar, dass Luxemburg energieautark wird“, und verwies auf die geringe Fläche eines Landes mit wenig Raum für Erzeugung im großen Maßstab. Ähnlich argumentierte Kohll mit Blick auf Gas, das zu 98,5 Prozent eingeführt wird: Die Abhängigkeit zu senken bedeute, weniger zu verbrauchen, „weil wir es nicht selbst herstellen können“.
Gemessen an den Zielen für 2030
Der Solar-Rekord fällt in eine Phase, in der Luxemburg auf verbindliche Klimaziele zusteuert. Der aktualisierte Nationale Energie- und Klimaplan (PNEC) sieht bis 2030 einen Anteil von 37 Prozent Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch vor — eine Kennzahl, die Wärme und Verkehr ebenso umfasst wie Strom, und ein steiler Anstieg gegenüber 14,4 Prozent im Jahr 2023. Regierungsvertreter räumen ein, dass das Land angesichts seines begrenzten heimischen Potenzials die Lücke wohl teils über sogenannte statistische Transfers schließen muss — also über den Zukauf erneuerbarer Energie aus anderen Ländern.
Vor diesem Hintergrund ist der Aufstieg der Sonne ermutigend und zugleich eine Lehrstunde in Größenordnungen. Die Photovoltaik wächst schnell genug, um die heimische Rangfolge umzustürzen, doch die Mengen bleiben klein neben einem nationalen Bedarf von mehr als 6.500 GWh im Jahr. Auch die Preise verschoben sich 2025: Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis stieg auf 266,5 Euro je Megawattstunde, nach 202,7 Euro ein Jahr zuvor — einen Anstieg, den das ILR mit höheren Netzentgelten und geringeren staatlichen Beihilfen begründet.
Die Richtung aber ist unverkennbar. Ein Netz, das vor einem Jahrzehnt fast vollständig aus dem Ausland gespeist wurde, erzeugt stetig mehr eigenen Strom — und zwar aus Paneelen auf Dächern statt aus einer Handvoll großer Kraftwerke. Ob das rasch genug ist, um 2030 zu erreichen, steht auf einem anderen Blatt. 2025 aber war das Jahr, in dem die Sonne an die Spitze von Luxemburgs eigener Stromerzeugung rückte.
Häufig gefragt
- Welche Stromquelle ist in Luxemburg nun die größte heimische?
- 2025 war die Photovoltaik mit 627 GWh erstmals die größte einzelne im Inland erzeugte Stromquelle. Sie überholte die Windkraft (467 GWh) sowie Holzabfälle und Biomasse (398 GWh).
- Deckt Luxemburg damit seinen Strombedarf selbst?
- Nein. Trotz des Rekords deckten Importe aus dem Ausland 2025 noch rund 72 Prozent des Verbrauchs. 2020 waren es 80 Prozent. Die heimische Erzeugung bedient weiterhin nur eine Minderheit der Nachfrage.
- Warum stieg der Strompreis für Haushalte?
- Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis stieg 2025 auf 266,5 Euro je Megawattstunde, nach 202,7 Euro im Vorjahr (+31,4 Prozent). Das ILR führt dies auf höhere Netzentgelte und geringere staatliche Beihilfen zurück.
- Welches Ziel verfolgt Luxemburg bis 2030?
- Der aktualisierte Nationale Energie- und Klimaplan sieht bis 2030 einen Anteil von 37 Prozent Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch vor. 2023 lag der Wert bei 14,4 Prozent; die Lücke soll teils über statistische Transfers geschlossen werden.
Quellen(6)
- 1Solar Becomes Luxembourg's Largest Electricity Source in 2025, ILR ReportsChronicle.lu · chronicle.lu
- 2L'énergie solaire, première source d'électricité produite au LuxembourgPaperjam · paperjam.lu
- 3ILR: le Luxembourg produit plus d'électricité mais les prix grimpent en 2025L'essentiel · lessentiel.lu
- 4Énergie : les prix grimpent, les habitudes changentLe Quotidien · lequotidien.lu
- 5Luxembourg's integrated national energy and climate plan for the period 2021-2030 (PNEC)The Luxembourg Government (gouvernement.lu) · gouvernement.lu
- 6Luxembourg: National Energy and Climate Plan (NECP)Klima-Agence · klima-agence.lu
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