Wirtschaftsprüfung und Beratung
STATEC weist bei Luxemburgs Big Four 800 Beschäftigte weniger aus
Die Beschäftigtenzahl sank binnen zwei Jahren um rund 8 Prozent. Doch Umsatzwachstum und Neueinstellungen sprechen gegen die einfache Erzählung eines massiven Stellenabbaus.
Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Auf den ersten Blick ist die Entwicklung eindeutig: Innerhalb von zwei Jahren ist die in der STATEC-Arbeitgebererhebung ausgewiesene Beschäftigtenzahl der vier großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften von 10.520 auf 9.720 gesunken. Hinter dem Minus von 800 Personen steht jedoch kein ebenso eindeutiger Vorgang. Die verfügbaren Unternehmensdaten belegen weder 800 Entlassungen in Luxemburg noch einen allgemeinen Einbruch der Nachfrage.
Die von der Fondation IDEA auf Grundlage der STATEC-Ausgabe 2026 berechnete Abnahme entspricht rund 7,6 Prozent und wird üblicherweise auf 8 Prozent gerundet. Zugleich meldeten die Unternehmen für 2025 höhere Umsätze, nahmen weiterhin Berufseinsteiger auf und verteilten Tätigkeiten zunehmend auf andere Standorte, externe Partner und automatisierte Prozesse.
Das Gesamtminus trägt vor allem einen Namen
Am 1. Januar 2024 erfasste die STATEC-Erhebung bei PwC 3.860 Beschäftigte, bei Deloitte 2.610, bei EY 2.130 und bei KPMG 1.920. Die vergleichbare Summe belief sich damit auf 10.520. Am 1. Januar 2025 waren es laut STATEC noch 10.260: PwC kam auf 3.610, Deloitte auf 2.580, EY auf 2.110 und KPMG auf 1.960.
Der Rückgang im ersten Jahr betrug somit 260 Beschäftigte oder 2,5 Prozent. Seine Verteilung war ausgesprochen ungleich:
- PwC: Die Erhebung verzeichnete zunächst ein Minus von 250. Für Januar 2026 berichtete Le Quotidien auf Grundlage der jüngsten STATEC-Liste noch 3.330 Beschäftigte. Der Zweijahresrückgang von 530 entspricht etwa zwei Dritteln des Gesamtminus.
- Deloitte: Zwischen Januar 2024 und Januar 2025 sank die Zahl um 30. Im November 2025 gab das Unternehmen seine Belegschaft mit rund 2.600 Fachkräften an.
- EY: STATEC registrierte im ersten Jahr ein Minus von 20. EY selbst meldete im September 2025 mehr als 2.300 Beschäftigte.
- KPMG: In der Erhebung stieg die Zahl zunächst um 40. Zum 30. September 2025 wies KPMG 1.762 Beschäftigte aus, allerdings ohne Praktika, Studierendenverträge, Subunternehmer, bestimmte entsandte Kräfte und Personen im Langzeiturlaub.
Die drei Gesellschaften neben PwC kamen über die gesamten zwei Jahre zusammen auf einen Rückgang von 270. Schon diese Verteilung relativiert die Vorstellung eines gleichförmigen Einschnitts in der gesamten Branche.
Hinzu kommen methodische Grenzen. Die jährliche STATEC-Befragung ist nicht verpflichtend, ihre Zahlen werden auf die nächsten zehn gerundet, und der erfasste Gruppenumfang kann von der Unternehmensberichterstattung abweichen. Auch Stichtage und Abgrenzungen der Firmen sind nicht einheitlich. So nannte PwC zum 30. Juni 2025 insgesamt 3.665 Personen; darin enthalten waren 226 Beschäftigte in Porto. Die Zahl bildet daher keine reine Luxemburger Belegschaft ab.
Michel-Edouard Ruben, Senior Economist der Fondation IDEA, warnt entsprechend vor vorschnellen Schlüssen: „Es wäre selbstverständlich überzogen, allein aus diesen Entwicklungen endgültige Schlüsse über den allgemeinen Zustand des Luxemburger Wirtschaftsmodells zu ziehen.“
Wachsende Erlöse trotz schwierigerem Markt
Die Umsatzentwicklung spricht nicht für einen Rückzug aus dem Geschäft. PwC steigerte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 um 5 Prozent auf €765,5 Mio. Deloitte erreichte ebenfalls ein Plus von 5 Prozent auf €535 Mio.; Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Leistungen wuchsen nach Unternehmensangaben zweistellig. EY erhöhte den Umsatz um 10 Prozent auf €457 Mio. Die Beratung legte trotz verschobener Projekte um 6 Prozent zu.
Unterhalb dieser Gesamtzahlen zeigt sich dennoch eine zurückhaltendere Investitionsbereitschaft. Laurent Moscetti, Consulting Leader von EY Luxembourg, beschreibt das Umfeld so: „Dies sind sehr schwierige Zeiten. Die ESG-Transformationsagenda hat an Tempo verloren, Investitionen in große Projekte wurden reduziert oder verschoben.“
„Wir haben 2024 gesagt, dass 2025 ein anspruchsvolleres Jahr werden würde, und diese Einschätzung gilt auch für 2026.“ — François Mousel, Managing Partner, PwC Luxembourg
Gleichzeitig lief die Rekrutierung weiter. EY nahm im Herbst 2025 insgesamt 320 neue Mitarbeiter auf, ebenso viele wie 2024. Bei KPMG waren es 150; über das gesamte Geschäftsjahr 2025 meldete das Unternehmen 387 Einstellungen. Diese Zugänge sind mit der pauschalen Behauptung eines Einstellungsstopps oder von 800 Luxemburger Entlassungen nicht vereinbar.
Standort und Inhalt der Arbeit verschieben sich
Deutlicher als ein flächendeckender Nachfrageausfall lässt sich ein Umbau des Leistungsmodells erkennen. Von den 226 Beschäftigten, die PwC in seiner konsolidierten Belegschaft dem Raum Porto zurechnete, unterstützten 182 den Bereich Assurance. Damit wird ein Teil der für Luxemburger Mandate erbrachten Arbeit außerhalb des Landes organisiert.
Auch KPMG erklärte, wiederholbare Tätigkeiten würden an Delivery Center und Outsourcing-Partner weitergeleitet. In Luxemburg verbleiben damit stärker jene Aufgaben, die Beurteilungsvermögen, Mandantenkontakt oder Innovation erfordern.
Künstliche Intelligenz wird bei allen vier Gesellschaften eingesetzt. Die ausgewerteten Quellen enthalten jedoch keine belastbare kausale Schätzung dazu, wie viele Stellen in Luxemburg infolge von KI weggefallen sein könnten. Nachweisbar sind bislang vor allem die parallele Fortsetzung der Rekrutierung, die Verlagerung von Arbeit und die Neugestaltung von Abläufen.
Ein schwächeres Umfeld erhöht die Tragweite
Die Entwicklung vollzieht sich in einem angespannteren Arbeitsmarkt. Die ADEM zählte im Juni 2026 insgesamt 19.619 verfügbare arbeitsuchende Einwohner, 9,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei den hoch qualifizierten Arbeitsuchenden betrug der Anstieg 19,1 Prozent; Rechnungswesen, Management und Banken gehörten zu den betroffenen Berufsfeldern.
Die Europäische Kommission erwartet für 2026 ein Beschäftigungswachstum von 1,3 Prozent, damit weniger als im historischen Luxemburger Durchschnitt, sowie eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent. Der Rückgang bei den Big Four ist deshalb ein relevantes Warnzeichen, aber kein Beleg für einen Zusammenbruch ihres Geschäfts. Das größere strukturelle Risiko liegt darin, dass weiteres Umsatzwachstum künftig weniger Einstiegsstellen im Land hervorbringt, weil standardisierbare Arbeit zunehmend anderswo oder mit neuen technischen Verfahren erledigt wird.
Häufig gefragt
- Haben die Big Four in Luxemburg 800 Mitarbeiter entlassen?
- Das lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Die Zahl bezeichnet die Differenz zwischen zwei STATEC-Erhebungen; Unternehmensangaben verwenden andere Stichtage und Abgrenzungen und zeigen zugleich fortgesetzte Einstellungen.
- Welches Unternehmen trug am stärksten zum Rückgang bei?
- PwC. Die STATEC-Zahl sank von 3.860 im Januar 2024 auf 3.330 im Januar 2026, also um 530. Das entspricht etwa zwei Dritteln des gesamten Rückgangs der Big Four.
- Ist künstliche Intelligenz die Ursache des Stellenrückgangs?
- Die Unternehmen setzen KI ein, doch die ausgewerteten Quellen liefern keine belastbare kausale Schätzung für KI-bedingte Stellenverluste in Luxemburg.
- Wie entwickelte sich das Geschäft der Unternehmen?
- Die veröffentlichten Umsätze blieben positiv: PwC und Deloitte meldeten jeweils 5 Prozent Wachstum, EY 10 Prozent. Deloitte erzielte in Audit und Assurance zweistelliges Wachstum; EY steigerte die Beratung um 6 Prozent.
Quellen(16)
- 1-8% dans les Big Four: Simple trou d’air ou signal d’alarme?Foundation IDEA · fondation-idea.lu
- 2Les principaux employeurs au Luxembourg au 1er janvier 2024STATEC · statistiques.public.lu
- 3Les principaux employeurs au Luxembourg au 1er janvier 2025STATEC · statistiques.public.lu
- 4Les principaux employeurs au Luxembourg, classés par branche, situation au 1er janvier 2025STATEC · statistiques.public.lu
- 5Qui sont les principaux employeurs au Luxembourg en 2026?Le Quotidien · lequotidien.lu
- 6PwC Luxembourg Annual Review 2025PwC Luxembourg · pwc.lu
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