Konzessionsverfahren

Lultzhausen: Ein Tourismusmodell unter Wasserschutzvorbehalt

Der Staat sucht einen Betreiber für Hotel und Lodges am Obersauer-Stausee. Die architektonische Vision ist detailliert, zentrale Auflagen und Kosten bleiben offen.

Von Sophie Klein · · 4 Min. Lesezeit

Unbebauter Hang bei Lultzhausen mit Blick auf den Obersauer-Stausee
Illustrative KI-Darstellung des unbebauten Standorts für das geplante Hotel- und Lodgeprojekt oberhalb des Obersauer-Stausees bei Lultzhausen. Illustration: KI-generiert — Status

Zwischen politischem Modellanspruch und genehmigungsfähigem Bauprojekt liegt in Lultzhausen noch eine beträchtliche Strecke. Luxemburg sucht dort einen privaten Partner für eine touristische Unterkunft auf staatlichem Grund – unmittelbar an seinem größten Stausee und damit in einer Landschaft, die zugleich Freizeitgebiet, geschützter Naturraum und zentrale Trinkwasserressource ist.

Das offene Konzessionsverfahren trägt die Referenz 2601678. Nach einer Änderungsbekanntmachung endet die zunächst für den 10. August vorgesehene Bewerbungsfrist nun am 7. September 2026 um 10:00 Uhr. Mit Stand vom 27. Juli 2026 ist kein Konzessionär ausgewählt. Auch ein endgültiges Projekt, eine Baugenehmigung oder ein Bauzeitplan liegen nicht öffentlich vor. Ausgeschrieben wird somit das Recht, die Anlage zu errichten und zu betreiben – nicht die Genehmigung ihrer konkreten Ausführung.

Ein Entwurf wird zum wirtschaftlichen Auswahlverfahren

Grundlage der Debatte ist eine Machbarkeitsstudie von 2023. Untersucht wurde ein abschüssiges Grundstück östlich der N27 mit einer Fläche von 1 ha 10 a 30 ca. Das ausdrücklich unverbindliche Konzept sah ein Hotel mit zwölf Zimmern und 32 Gästen sowie 24 Lodges für weitere 88 Gäste vor. Die Höchstkapazität hätte damit 120 Personen betragen.

Für die Gebäude waren insgesamt 3.562 Quadratmeter Bruttogeschossfläche angesetzt. Hinzu kamen 50 halb unterirdische Stellplätze, ein 50 Quadratmeter großer Fahrradraum und eine vorgeschlagene Fuß- und Radwegbrücke über die N27. Diese Angaben beschreiben eine geprüfte Entwicklungsmöglichkeit, keine festgelegte Bauvorgabe.

Das Vergabeverfahren setzt eine erhebliche wirtschaftliche und fachliche Leistungsfähigkeit voraus. Bewerber müssen in den letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahren einen durchschnittlichen Jahresumsatz von mindestens 3 Millionen Euro, eine durchschnittliche Belegschaft von mindestens zwölf Vollzeitäquivalenten und ein innerhalb von 15 Jahren abgeschlossenes vergleichbares Projekt nachweisen.

Das vorgesehene Modell ist eine öffentlich-private Partnerschaft. Der Staat besitzt das Gelände und will es erschließen; der Konzessionär soll die Unterkunft bauen und betreiben. Im Koalitionsvertrag 2023–2028 nennt die Regierung zwei Parzellen in Lultzhausen und bezeichnet das Vorhaben als Referenzprojekt für eine solche Partnerschaft. Die Bekanntmachung beziffert jedoch weder den staatlichen Investitionsbeitrag noch die Laufzeit der Konzession. Umfang und Verteilung des Bau-, Betriebs- und Finanzierungsrisikos lassen sich deshalb bislang nicht belastbar beurteilen.

„Gefragt sind nachhaltige, lokal verankerte Ideen mit Bezug zu Natur, Sport, Wohlbefinden und Seminaren.“ — Eric Thill, delegierter Minister für Tourismus

Nachhaltigkeit bislang vor allem als Planungsangebot

Die ökologischen Rahmenbedingungen sind außergewöhnlich streng. Das Grundstück liegt in einer sanitären Wasserschutzzone und grenzt an ein Natura-2000-Gebiet. Der Obersauer-Stausee ist Luxemburgs größtes Reservoir; nach Angaben des Umweltportals stammt ungefähr die Hälfte der nationalen Trinkwasserproduktion aus seinem Oberflächenwasser. Für das spätere Projekt werden daher nicht nur architektonische Qualität, sondern nachweisbare Vorkehrungen gegen Abwasser, belasteten Oberflächenabfluss, Unfälle und einen übermäßigen Wasserverbrauch entscheidend sein.

Die Studie von 2023 schlug heimisches Holz und Gestein, Gründächer, erneuerbare Energien, Regenwassernutzung, wasserdurchlässige Außenflächen und wassersparende Armaturen vor. Grauwasser sollte aufbereitet und für Zwecke ohne Trinkwasserqualität wiederverwendet werden. Hinzu kamen eine Gebäudezertifizierung, etwa nach DGNB, und ein Nachhaltigkeitslabel für den Betrieb. Verbindlich werden diese Ansätze erst, wenn sie in Konzession, Genehmigungen und Kontrollpflichten eingehen.

Luc Wagner, Architekt bei WW+ Architektur + Management, formulierte den Maßstab entsprechend eindeutig: „Das Natura-2000-Gebiet und die Wasserschutzzone des Sees verlangen einen vorbehaltlosen Einsatz für ein nachhaltiges Projekt ohne Kompromisse.“ Eine projektspezifische abschließende Umweltprüfung wurde in den geprüften öffentlichen Bekanntmachungen bislang allerdings ebenso wenig festgestellt wie eine Verkehrsstudie.

Für die Badesaison 2026 wurden alle sechs Badestellen des Stausees, darunter Lultzhausen, auf Grundlage der Messdaten von 2022 bis 2025 als ausgezeichnet eingestuft. Diese Bewertung schließt zeitweilige Gefahren nicht aus: Cyanobakterielle Toxine können weiterhin Sperrungen auslösen. Gute Badewasserwerte ersetzen deshalb keine dauerhaft abgesicherte Wasser- und Abwasserplanung für Bau und Betrieb.

Verkehrslenkung und Brandgefahr als Belastungsprobe

Die Region verfügt bereits über ein Bündel von Besucherlenkungs- und Sicherheitsmaßnahmen. Dazu zählen Shuttles, bewirtschaftete Parkplätze, mögliche zeitweilige Schließungen von Ortschaften, Hinweise zum Wasserschutz, Rettungspunkte, ein Feuerlöschboot und Ausrüstung für Waldbrände. Die geplante Fuß- und Radwegbrücke sowie der Fahrradraum könnten den Zugang ohne Auto erleichtern. Die 50 vorgesehenen Stellplätze zeigen zugleich, dass der Konzeptentwurf mit einem beträchtlichen Autoverkehr rechnete.

Auch der Brandschutz ist keine abstrakte Planungsfrage. Im Juli 2026 warnten die Behörden vor einer erhöhten Vegetations- und Waldbrandgefahr. Visit Éislek meldete wegen der Trockenheit ein Verbot von Grillgeräten an den öffentlichen Stränden in Esch-sur-Sûre. Die im Konzept von 2023 dennoch dargestellte Lagerfeuerstelle kann daher nicht als gesicherter Bestandteil gelten. Jede endgültige Planung benötigt einen verbindlichen Brand- und Evakuierungsplan.

Claude Turmes, zum Zeitpunkt der Aussage Luxemburger Minister für Raumentwicklung, beschrieb den bestehenden Anspruch so: „Die Öewersauer-Stauséikommissioun setzt sich mit aller Kraft dafür ein, den Stausee für alle Besucher attraktiv und sicher zu machen.“ Für ein zusätzliches Beherbergungsangebot muss dieser Anspruch in überprüfbare Vorgaben übersetzt werden.

Vor einer abschließenden Bewertung sind insbesondere verbindliche Antworten erforderlich zu:

  • Abwasser, Grauwasser, belastetem Oberflächenabfluss und Trinkwasserschutz;
  • Auswirkungen auf Natura 2000, möglichen Baumfällungen und dem Ausgleich von Lebensraumverlusten;
  • Verkehrsmengen, Parkraumbegrenzung und Verpflichtungen für den öffentlichen Verkehr;
  • Brandverhütung, Zufahrten für Rettungskräfte und Evakuierung;
  • Wert des staatlichen Grundstücks und seiner Erschließung, privater Investition und betrieblicher Risikoverteilung.

In den geprüften öffentlichen Bekanntmachungen fanden sich bislang weder eine projektspezifische abschließende Umweltprüfung, Verkehrsstudie und Brandschutzplanung noch eine Baugenehmigung, ein Bauzeitplan oder ein beziffertes öffentliches Budget. Lultzhausen kann zu einem Referenzfall für naturverträglichen Übernachtungstourismus werden. Das Konzessionsverfahren eröffnet dafür zunächst nur den Wettbewerb. Ob der Modellanspruch trägt, entscheidet sich an den späteren, rechtlich durchsetzbaren Schutzauflagen.

Häufig gefragt

Ist das Hotelprojekt in Lultzhausen bereits genehmigt?
Nein. Mit Stand vom 27. Juli 2026 läuft ein offenes Konzessionsverfahren. Ein Konzessionär ist nicht ausgewählt; eine Baugenehmigung und ein endgültiges Projekt wurden nicht veröffentlicht.
Wie groß wäre die geplante Unterkunft?
Die unverbindliche Machbarkeitsstudie von 2023 untersuchte ein Hotel mit zwölf Zimmern für 32 Gäste und 24 Lodges für 88 Gäste. Die maximale Kapazität läge bei 120 Personen.
Wer soll das Projekt finanzieren und betreiben?
Vorgesehen ist eine öffentlich-private Partnerschaft: Der Staat besitzt und erschließt das Gelände, während ein Konzessionär die Unterkunft bauen und betreiben soll. Die staatliche Investitionssumme und die Konzessionsdauer sind nicht angegeben.
Warum gelten für den Standort besondere Umweltanforderungen?
Das Grundstück liegt in einer sanitären Wasserschutzzone, grenzt an ein Natura-2000-Gebiet und befindet sich am Obersauer-Stausee, aus dessen Oberflächenwasser ungefähr die Hälfte der nationalen Trinkwasserproduktion stammt.
Quellen(16)
  1. 1Détail de la consultation: Création d’une nouvelle structure d’hébergement touristique à LultzhausenPortail des marchés publics du Grand-Duché de Luxembourg · pmp.b2g.etat.lu
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