Leichtathletik · Diamond League

Trotz körperlicher Probleme: Van der Weken läuft in Doha erneut aufs Podest

In 11,05 Sekunden wird Luxemburgs Rekordsprinterin in Doha Dritte über 100 Meter – ihr zweiter Podestplatz in der Weltspitze binnen zwölf Tagen, mit Blick auf die EM in Birmingham.

Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Eine Sprinterin in den rot-weißen Nationalfarben Luxemburgs läuft die 100 Meter auf einer blau ausgeleuchteten Bahn.
Illustrative, KI-generierte Darstellung einer luxemburgischen Sprinterin (stellvertretend für Patrizia van der Weken) auf der 100-Meter-Bahn – kein Abbild einer realen Person. Illustration: KI-generiert — Status

Patrizia van der Weken gehört längst nicht mehr zu jenen Athletinnen, die bei großen Meetings nur Statistenrollen spielen. Am Freitagabend lief die 26-Jährige beim Wanda-Diamond-League-Meeting im Suheim-bin-Hamad-Stadion von Doha über 100 Meter in 11,05 Sekunden auf den dritten Platz – es war bereits ihr zweites Podest in der absoluten Weltspitze innerhalb von nur zwölf Tagen.

Geschlagen geben musste sich die Luxemburgerin allein der Jamaikanerin Kemba Nelson, die das Rennen mit überlegenen 10,88 Sekunden kontrollierte, sowie der italienischen Landesrekordhalterin Zaynab Dosso, die in 11,01 Sekunden Zweite wurde. Gerade einmal vier Hundertstelsekunden trennten van der Weken vom Silberrang. Allerdings wehte der Rückenwind mit 2,5 Metern pro Sekunde – über der für Rekorde zulässigen Grenze von 2,0 m/s. Die Zeit von Doha ist damit windunterstützt und gilt trotz identischer 11,05, die sie zuvor schon im Juni gelaufen war, nicht als reguläre Bestmarke.

Für ein Land, das im internationalen Sprint sonst kaum auftaucht, sind zwei Top-Drei-Platzierungen auf diesem Niveau binnen zwölf Tagen ein echter Meilenstein. Bereits am 7. Juni war van der Weken beim Diamond-League-Meeting in Stockholm in 11,05 Sekunden Dritte geworden – jenes Resultat allerdings regulär, bei nur 0,8 m/s Rückenwind.

Ein Podest gegen den Widerstand des eigenen Körpers

Bemerkenswert macht das Ergebnis vor allem der Hintergrund. Ihr Trainer Arnaud Starck berichtete, van der Weken habe in einer dicht getakteten Wettkampfserie mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen gehabt; Teile ihres Trainingsprogramms seien deshalb angepasst worden.

In den vergangenen Wochen hatte Patrizia zudem mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen, was die Abfolge der Wettkämpfe nicht eben erleichtert hat.

Starck wählte abwägende Worte. Den Lauf von Doha nannte er „zufriedenstellend, auch wenn ihr Rennen noch nicht optimal war“, und verwies auf „erhebliches Steigerungspotenzial“. Zugleich räumte er eine gewisse Unzufriedenheit im Lager ein.

„In diesem Zusammenhang sind die beiden zuletzt erreichten dritten Plätze in der Diamond League Resultate von sehr hohem Niveau, mit denen wir zufrieden sein können“, sagte er. „Gleichzeitig herrscht eine gewisse Frustration, weil Patrizia selbst spürt, dass sie noch beträchtliche Reserven hat und schneller laufen kann.“

Das Entscheidende, so der Trainer, sei die Widerstandsfähigkeit: „Trotz Umständen, die nicht ideal waren, bleibt sie weiterhin hochgradig konkurrenzfähig gegen die besten Sprinterinnen der Welt“, sagte er und sprach von „einem ermutigenden Zeichen für den weiteren Saisonverlauf“.

Zwei dritte Plätze in zwölf Tagen

Der Podestplatz von Doha krönt eine dichte und wechselhafte Europatournee in der Diamond League, in der van der Weken sich gegen stark besetzte internationale Felder behauptet hat. Ihre 100-Meter-Bilanz der Diamond League 2026 liest sich so:

  • Rabat (31. Mai): 11,08 Sekunden, Platz 4
  • Stockholm (7. Juni): 11,05 Sekunden, Platz 3 – ihre beste reguläre Saisonzeit
  • Oslo (10. Juni): 11,10 Sekunden, Platz 6
  • Doha (19. Juni): 11,05 Sekunden, Platz 3

Wer in Serie gegen Olympia- und WM-Finalistinnen aufs Podest läuft, gehört zu dieser Klasse, statt sie nur zu streifen. Ihre persönliche Bestzeit und der Landesrekord von 11,00 Sekunden, aufgestellt im Juni 2024 in Rom, deuten darauf hin, dass bei voller Gesundheit noch mehr drin ist – Starcks Hinweis auf „beträchtliche Reserven“ weist in dieselbe Richtung.

Der Weg nach Birmingham

Die Diamond League ist für van der Weken eher Prüfstand als Ziel. Ihr großes Sommervorhaben sind die Leichtathletik-Europameisterschaften, die vom 10. bis 16. August im Alexander Stadium von Birmingham ausgetragen werden – erstmals richtet eine britische Stadt diese Titelkämpfe aus. Dort darf sie sich konkrete Medaillenhoffnungen ausrechnen: Bei der EM 2024 in Rom wurde sie über 100 Meter in 11,04 Sekunden Vierte und verpasste das Podest nur knapp.

In den vergangenen zwei Jahren hat van der Weken die Grenzen der luxemburgischen Leichtathletik neu gezogen. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris erreichte sie als erste Luxemburgerin ein olympisches 100-Meter-Halbfinale und durfte bei der Schlussfeier die Fahne ihres Landes tragen. In der Halle ist ihre Bilanz noch glänzender: 2025 holte sie über 60 Meter sowohl bei den Hallenweltmeisterschaften in Nanjing als auch bei den Halleneuropameisterschaften in Apeldoorn Bronze, ehe sie im Februar 2026 ihren nationalen 60-Meter-Rekord auf 7,01 Sekunden drückte. Auch bei der Weltmeisterschaft 2025 in Tokio war sie am Start.

Diese Erfolgsserie macht sie zur glaubwürdigsten Vertreterin des Großherzogtums in der Weltspitze des Sprints – und verwandelt einen windunterstützten dritten Platz am Golf in mehr als nur ein einzelnes Resultat. Sechs Wochen vor Birmingham lautet die Frage, die Starck implizit aufwirft, nicht, ob van der Weken mit den Besten mithalten kann, sondern wie viel schneller sie laufen wird, sobald die körperlichen Wehwehchen verschwunden sind.

Häufig gefragt

Welche Zeit lief Patrizia van der Weken in Doha?
Sie lief über 100 Meter 11,05 Sekunden und wurde damit Dritte. Wegen eines Rückenwinds von 2,5 m/s gilt die Zeit allerdings als windunterstützt und nicht als reguläre Bestmarke.
Warum gilt das Ergebnis als besonders?
Es ist ihr zweiter Podestplatz in der Diamond League binnen zwölf Tagen, nach Rang 3 in Stockholm. Zudem berichtet ihr Trainer, dass sie zuletzt mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte.
Wer gewann das 100-Meter-Rennen in Doha?
Die Jamaikanerin Kemba Nelson siegte in 11,08... korrigiert: 10,88 Sekunden vor der Italienerin Zaynab Dosso (11,01) und van der Weken (11,05).
Was ist van der Wekens nächstes großes Ziel?
Die Leichtathletik-Europameisterschaften vom 10. bis 16. August 2026 im Alexander Stadium von Birmingham, wo sie sich Medaillenhoffnungen ausrechnen darf.
Quellen(8)
  1. 1Van der Weken Claims Another Diamond League Podium Amid Physical ChallengesChronicle.lu · chronicle.lu
  2. 22026 Diamond League Doha: Live Updates and ResultsFloTrack · flotrack.org
  3. 3Highlights of 2026 World Athletics Diamond League in Doha, QatarXinhua · english.news.cn
  4. 4Patrizia Van der Weken — athlete profile and 2026 resultsWanda Diamond League · diamondleague.com
  5. 5Stockholm Diamond League 2026: Melissa Jefferson-Wooden storms to victoryOlympics.com · olympics.com
  6. 6Patrizia Van der WekenWikipedia · en.wikipedia.org
  7. 72026 European Athletics ChampionshipsWikipedia · en.wikipedia.org
  8. 8Birmingham 2026 — Overview (10-16 August)European Athletics · european-athletics.com

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