Quartalsbilanz und LUX2029
ArcelorMittal mit höherem Quartalsgewinn und steigender Nettoverschuldung
Das zweite Quartal bringt 683 Millionen US-Dollar Gewinn. Negativer freier Cashflow, höhere Schulden und der Abbau von rund 300 Stellen begrenzen jedoch die Zuversicht.
Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Die operative Erholung ist sichtbar, in der Kasse aber noch nicht angekommen. ArcelorMittal schloss das zweite Quartal 2026 mit einem dem Mutterunternehmen zurechenbaren Nettogewinn von 683 Millionen US-Dollar ab. Das waren mehr als die 575 Millionen US-Dollar des ersten Quartals, doch zugleich blieben freier Cashflow und Verschuldungsentwicklung schwach. Für Luxemburg kommt es nun darauf an, ob sich die bessere Ertragslage in den zugesagten Investitionen niederschlägt.
Bei der Einordnung ist die Währung entscheidend: ArcelorMittal berichtet in US-Dollar. Das Ergebnis entspricht somit rund 0,7 Milliarden US-Dollar und nicht 0,7 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal 2025 hatte der Konzern einen ausgewiesenen Nettogewinn von 1,793 Milliarden US-Dollar erzielt. Bereinigt um Sondereffekte und Wertminderungen waren es 1,005 Milliarden US-Dollar – auch gegenüber dieser aussagekräftigeren Vergleichsgröße fiel der aktuelle Gewinn niedriger aus.
Die Marge erholt sich, die Liquidität bleibt knapp
Der Umsatz belief sich laut Quartalsmitteilung auf 16,761 Milliarden US-Dollar, das Betriebsergebnis auf 1,055 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 2,064 Milliarden US-Dollar, nach 1,679 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal und 1,860 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Damit übertraf ArcelorMittal den Analystenkonsens von 2,037 Milliarden US-Dollar knapp. Der Nettogewinn verfehlte dagegen die Konsensschätzung von 802 Millionen US-Dollar.
- Die Stahlauslieferungen erreichten 13,4 Millionen Tonnen.
- Der operative Cashflow betrug 961 Millionen US-Dollar, nachdem 457 Millionen US-Dollar in das Betriebskapital geflossen waren.
- Investitionen von 1,102 Milliarden US-Dollar führten zu einem negativen freien Cashflow von 152 Millionen US-Dollar.
- Die Nettoverschuldung stieg zum 30. Juni auf 9,500 Milliarden US-Dollar, nach 9,311 Milliarden US-Dollar am 31. März und 7,931 Milliarden US-Dollar Ende 2025.
- Den Bruttoschulden von 14,421 Milliarden US-Dollar standen liquide Mittel von 4,898 Milliarden US-Dollar gegenüber.
Damit bleibt die Bilanz der wesentliche Vorbehalt gegenüber der operativen Verbesserung. ArcelorMittal bestätigte dennoch seine Investitionsprognose für das Gesamtjahr von 4,5 bis 5,0 Milliarden US-Dollar. Davon sollen 1,7 bis 1,9 Milliarden US-Dollar auf strategische Vorhaben entfallen.
Europas Ergebnis profitiert vorerst ohne Mengenschub
In Europa erhöhte sich das EBITDA auf 697 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal waren es 501 Millionen US-Dollar, ein Jahr zuvor 627 Millionen US-Dollar. Die Auslieferungen gingen im Jahresvergleich allerdings um 2,3 Prozent auf 7,138 Millionen Tonnen zurück. Die Ergebnisverbesserung beruhte damit nicht auf einer breiten Belebung der Absatzmenge.
„Die Einführung des neuen Zollkontingents zusammen mit dem CBAM schafft ein ausgewogeneres Wettbewerbsumfeld.“ — Aditya Mittal, Vorstandsvorsitzender von ArcelorMittal
Mittal verweist auf die seit dem 1. Juli 2026 geltenden EU-Stahlregeln. Sie lassen zollfreie Einfuhren von 18,3 Millionen Tonnen zu; oberhalb der Kontingente wird ein Zoll von 50 Prozent erhoben. Hinzu kommt der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, dessen endgültige Phase am 1. Januar 2026 begonnen hat. Ob dieser handelspolitische Rahmen dauerhaft höhere Auslastung und bessere Margen ermöglicht, muss sich erst noch zeigen.
LUX2029 verbindet Investitionen mit Personalabbau
Für die rund 3.500 Beschäftigten von ArcelorMittal in Luxemburg ist weniger das Konzernergebnis als die Umsetzung der Vereinbarung LUX2029 entscheidend. Sie sieht für den Zeitraum 2026 bis 2029 Investitionen des Unternehmens von 290,5 bis 334,5 Millionen Euro an den Luxemburger Standorten vor. Darin enthalten sind 44 Millionen Euro für Instandhaltung.
Parallel sollen schrittweise rund 300 Vollzeitäquivalente wegfallen. Die vorgesehenen Maßnahmen sollen unmittelbare betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Jean Luc de Matteis von der Gewerkschaft OGBL beschrieb den Kompromiss gegenüber RTL so: „Das war für uns alle wichtig, und ich denke, diese Vereinbarung zeugt davon, dass zwischen diesen beiden Erfordernissen ein Gleichgewicht gefunden wurde.“ Gemeint ist die schwierige Verbindung von industrieller Investition und Beschäftigungsanpassung.
Eigenständig neben LUX2029 steht die Investition von 67 Millionen Euro in einen Elektrolichtbogenofen in Belval. Der Staat unterstützt das Vorhaben mit rund 15 Millionen Euro. Der Ofen ist Teil des schrottbasierten SteelUp-Programms und damit ein konkretes Element der industriellen Modernisierung am Standort.
Klimaziel verliert deutlich an Reichweite
Der Luxemburger Ofenbau kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass ArcelorMittal seine konzernweite Klimazusage abgeschwächt hat. Bis 2030 strebt das Unternehmen nun eine Verringerung der CO₂-Intensität um bis zu 10 Prozent gegenüber 2018 an. Dieses Ziel ersetzt die frühere globale Vorgabe von 25 Prozent.
Das Quartal liefert somit ein gemischtes Bild: höhere operative Erträge und ein günstigerer handelspolitischer Rahmen in Europa auf der einen Seite, negativer freier Cashflow und steigende Nettoschulden auf der anderen. In Luxemburg stehen beträchtliche Investitionszusagen neben einem kleineren Personalbestand in Aussicht. Die Tragfähigkeit der Erholung wird sich daran messen lassen, ob ArcelorMittal aus besseren Margen ausreichend Liquidität für Investitionen und überprüfbare Emissionsminderungen erwirtschaftet.
Häufig gefragt
- Wie hoch war ArcelorMittals Gewinn im zweiten Quartal 2026?
- Der dem Mutterunternehmen zurechenbare Nettogewinn betrug 683 Millionen US-Dollar, nach 575 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026.
- Wie entwickelte sich die Verschuldung?
- Die Nettoverschuldung stieg zum 30. Juni 2026 auf 9,500 Milliarden US-Dollar, nach 9,311 Milliarden US-Dollar am 31. März und 7,931 Milliarden US-Dollar Ende 2025.
- Was bedeutet LUX2029 für Luxemburg?
- ArcelorMittal soll von 2026 bis 2029 zwischen 290,5 und 334,5 Millionen Euro investieren. Gleichzeitig sollen schrittweise rund 300 Vollzeitäquivalente entfallen, ohne unmittelbare betriebsbedingte Kündigungen.
- Welches Klimaziel verfolgt ArcelorMittal jetzt?
- Der Konzern strebt bis 2030 eine Verringerung der CO₂-Intensität um bis zu 10 Prozent gegenüber 2018 an. Damit ersetzt er sein früheres globales Ziel von 25 Prozent.
Quellen(20)
- 12Q26 Earnings releaseArcelorMittal · cdn.arcelormittal.com
- 2ArcelorMittal publishes its 2026 half-year reportArcelorMittal · corporate.arcelormittal.com
- 3ArcelorMittal cae un 52% en beneficios y espera una reactivación del mercado mundial del aceroCinco Días · cincodias.elpais.com
- 4ArcelorMittal announces the publication of its second quarter 2026 sell-side analyst consensus figuresMarketScreener · au.marketscreener.com
- 5Factsheet: EU steel measureEuropean Commission · policy.trade.ec.europa.eu
- 6EU imposes 50% tariffs on steel imports above a reduced quotaAssociated Press · apnews.com
- 7Carbon Border Adjustment Mechanism: Definitive regimeEuropean Commission · taxation-customs.ec.europa.eu
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- 10Signature of the LUX2029 tripartite agreement for the steel industryGovernment of Luxembourg · gouvernement.lu
- 11ArcelorMittal va supprimer progressivement 300 emploisRTL Infos · infos.rtl.lu
- 12ArcelorMittal streicht 300 Stellen, investiert 290 MillionenTageblatt · tageblatt.lu
- 13Future of ArcelorMittal in Luxembourg secured despite job cuts, say unionsLuxembourg Times · luxtimes.lu
- 14Industrial sitesArcelorMittal Luxembourg · luxembourg.arcelormittal.com
- 15DecarbonisationArcelorMittal Luxembourg · luxembourg.arcelormittal.com
- 16SteelUp: phase two underwayArcelorMittal Luxembourg · luxembourg.arcelormittal.com
- 1767 million euros in a new electric arc furnace at its Belval siteArcelorMittal Luxembourg · luxembourg.arcelormittal.com
- 18ArcelorMittal bestätigt Investition von 67 Millionen Euro am Standort Esch-BelvalTageblatt · tageblatt.lu
- 192025 Sustainability ReportArcelorMittal · corporate.arcelormittal.com
- 20‘A target without milestones’: ArcelorMittal accused of retreating from climate goalsedie · edie.net
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