Arbeitsmarkt
Drittstaatsangehörige und Staat tragen Luxemburgs Beschäftigungswachstum
STATEC meldet für das erste Quartal 2026 ein Beschäftigungsplus von 1,5 Prozent binnen Jahresfrist. Getragen wird es vor allem von Nicht-EU-Bürgern und dem öffentlichen Dienst.
Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Luxemburgs Erwerbsbevölkerung wächst weiter – doch das Wachstum stützt sich zunehmend auf zwei Säulen, die viel über die Ökonomie des Großherzogtums verraten: auf Einwohner von außerhalb der Europäischen Union und auf den Staat selbst. Nach Zahlen des nationalen Statistikamts STATEC ist die abhängige Beschäftigung im ersten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gestiegen, gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent. Drittstaatsangehörige und öffentliche Dienstleistungen tragen dabei einen überproportionalen Anteil des Zuwachses.
Gemessen am eigenen Maßstab Luxemburgs fällt das Tempo bescheiden aus; STATEC bezeichnete das Quartalswachstum als weiterhin moderat. Bei insgesamt rund 490.900 sozialversicherten Arbeitsplätzen zählt jedoch die Zusammensetzung dieses Zuwachses ebenso viel wie sein Umfang. Sie verweist auf eine Volkswirtschaft, die ihre neuen Beschäftigten nach wie vor von jenseits der Landesgrenzen bezieht – und stärker als in früheren Konjunkturphasen von jenseits der EU.
Woher der Zuwachs kommt
Laut der Quartalsnotiz von STATEC speiste sich die stärkste Dynamik zu Jahresbeginn 2026 aus einer überschaubaren Zahl klar benennbarer Quellen:
- Einwohner mit einer Staatsangehörigkeit aus einem Drittstaat verzeichneten ein Beschäftigungsplus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 1,0 Prozent im Quartal – die am schnellsten wachsende Wohnsitzkategorie.
- Öffentliche Verwaltung und sonstige öffentliche Dienste legten um 1,0 Prozent im Quartal und 4,3 Prozent im Jahresvergleich zu; damit war der Sektor in beiden Betrachtungen der dynamischste.
- Grenzgänger – das Rückgrat der Erwerbsbevölkerung – wuchsen um rund 0,6 Prozent im Quartal, wobei französische Grenzpendler um 1,1 Prozent zulegten, deutsche jedoch um 0,2 Prozent nachgaben.
- Die gebietsansässige Beschäftigung insgesamt erhöhte sich lediglich um 0,1 Prozent im Quartal – ein Beleg dafür, wie schmal der inländische Beitrag geworden ist.
Verhalten blieb dagegen das Baugewerbe: Es legte im Quartal nur marginal um 0,1 Prozent zu, lag aber weiterhin 0,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Handel, Verkehr und Gastgewerbe stagnierten weitgehend. Als eigentlichen Motor der Neueinstellungen benannte STATEC den Staat und die Sozialdienste.
„Vor allem die Dienste der Zentralverwaltung und die Tätigkeiten der sozialen Arbeit ohne Unterbringung für ältere und behinderte Menschen haben das günstigste Wachstum verzeichnet“, erklärte STATEC.
Eine Belegschaft, die immer stärker von außerhalb der EU kommt
Die Quartalsaufnahme trifft mit einer tiefergehenden Strukturanalyse der Arbeitsverwaltung ADEM zusammen, die nachzeichnet, wie sich die ansässige Erwerbsbevölkerung über sieben Jahre verändert hat. Ihr Befund: Nicht-EU-Bürger sind vom Rand ins Zentrum des Arbeitsmarkts gerückt.
Der Anteil der Drittstaatsangehörigen unter den Einwohnern im erwerbsfähigen Alter stieg zwischen 2018 und 2025 von 9,4 auf 13,1 Prozent, wie ADEM ermittelte. Ende September 2025 standen rund 31.600 Drittstaatsangehörige in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis – etwa 12,2 Prozent der erwerbstätigen Einwohner, gegenüber rund 7,2 Prozent im Jahr 2018 und etwa 13.000 Personen mehr als sieben Jahre zuvor. Sie sind zudem jünger als der Rest der Belegschaft: Knapp 60 Prozent sind zwischen 30 und 44 Jahre alt, verglichen mit rund 42 Prozent sowohl bei EU-Bürgern als auch bei Luxemburgern.
Auf niedrig entlohnte Branchen sind diese Beschäftigten keineswegs beschränkt. Die Aufschlüsselung der ADEM zeigt rund 20 Prozent in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten sowie 15 Prozent im Finanz- und Versicherungswesen – Luxemburgs wertschöpfungsstärksten Wirtschaftszweigen – neben weiterhin bedeutenden 12,4 Prozent im Gastgewerbe. Die größten Herkunftsgruppen sind Inder, Chinesen, Brasilianer, Ukrainer und Kapverdier.
Abhängigkeit mit Reibungsverlusten
Von reibungsloser Integration kann keine Rede sein. Die ADEM beschrieb Nicht-EU-Bürger als „ein noch unzureichend genutztes Kompetenzreservoir“ und warnte angesichts anhaltender Arbeitskräfteknappheit vor einer Vergeudung von Qualifikationen. Viele Arbeitsuchende aus Drittstaaten besitzen Hochschulabschlüsse, die außerhalb der EU erworben wurden und sich hierzulande nur schwer anerkennen lassen.
Die Behörde verwies auch auf die Hürden, die manche dieser Beschäftigten von Stellen fernhalten, für die sie qualifiziert wären: Sprachanforderungen, administrative Auflagen und der beschränkte Zugang zu reglementierten Berufen. Ihr Fazit lautet, Drittstaatsangehörige sähen sich „weniger günstigen Bedingungen des Zugangs zur Beschäftigung als andere Nationalitätengruppen“ gegenüber. Die Belastung zeigt sich in der Arbeitslosenstatistik: Die Zahl registrierter Arbeitsuchender aus Drittstaaten stieg zwischen 2018 und 2025 um 52 Prozent, und diese Gruppe stellt inzwischen fast jeden vierten bei der ADEM Gemeldeten.
Zusammengenommen verschärfen beide Datensätze eine in Luxemburg bereits geführte Debatte: Weil die ansässige Bevölkerung kaum zum Beschäftigungswachstum beiträgt und das inländische Arbeitskräftepotenzial strukturell klein ist, hängt die Expansion des Großherzogtums an Arbeitskräften von anderswo. STATECs Arbeitsmarktpanorama vom Mai brachte es unmissverständlich auf den Punkt: Von rund 494.000 Beschäftigten Ende 2025 sind etwa 47 Prozent Grenzgänger, und nur etwa jeder Vierte besitzt die luxemburgische Staatsangehörigkeit.
Für ein Land mit einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten der EU und einer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, die über sieben Jahre um rund 12,5 Prozent zulegte – eine der höchsten Wachstumsraten der Union –, lesen sich die Zahlen vom Jahresbeginn 2026 weniger als Überraschung denn als Bestätigung. Wo Luxemburg sich einst fast vollständig auf Pendler aus Frankreich, Belgien und Deutschland stützte, wird seine Belegschaft heute zunehmend von Einwohnern aufgefüllt, die für ihren Weg dorthin weit größere Distanzen zurückgelegt haben.
Häufig gefragt
- Wie stark ist die Beschäftigung in Luxemburg zuletzt gewachsen?
- Nach Angaben von STATEC stieg die abhängige Beschäftigung im ersten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt gab es rund 490.900 sozialversicherte Arbeitsplätze.
- Wer treibt das Beschäftigungswachstum an?
- Vor allem Einwohner mit einer Staatsangehörigkeit aus einem Drittstaat (+5,5 Prozent im Jahresvergleich) sowie die öffentliche Verwaltung und sonstige öffentliche Dienste (+4,3 Prozent im Jahr). Die gebietsansässige Beschäftigung insgesamt wuchs dagegen nur um 0,1 Prozent im Quartal.
- Welche Rolle spielen Drittstaatsangehörige auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt?
- Ihr Anteil an den Einwohnern im erwerbsfähigen Alter stieg laut ADEM zwischen 2018 und 2025 von 9,4 auf 13,1 Prozent. Ende September 2025 waren rund 31.600 in Beschäftigung, etwa 12,2 Prozent der erwerbstätigen Einwohner. Die ADEM sieht in ihnen ein bislang unzureichend genutztes Kompetenzreservoir.
- Wie abhängig ist Luxemburg von Arbeitskräften aus dem Ausland?
- Sehr stark: Laut STATEC sind von rund 494.000 Beschäftigten Ende 2025 etwa 47 Prozent Grenzgänger, und nur etwa jeder Vierte besitzt die luxemburgische Staatsangehörigkeit.
Quellen(7)
- 1Regards 02/26 — Panorama of the Luxembourg labour market on May 1stSTATEC (Statistics Portal, Luxembourg) · statistiques.public.lu
- 2Statec: l'emploi au Luxembourg bondit grâce au secteur public et aux résidents non-UEL'essentiel · lessentiel.lu
- 3Luxembourg Salaried Employment Up 0.3% in Q1 2026, 1.5% Year-on-YearChronicle.lu · chronicle.lu
- 4L'emploi au Luxembourg progresse, mais timidementPaperjam · paperjam.lu
- 5Le nombre de salariés en très légère augmentationLe Quotidien · lequotidien.lu
- 6Les talents hors UE, nouveaux moteurs de l'emploi luxembourgeoisLe Quotidien · lequotidien.lu
- 7Ressortissants non-européens: l'Adem les voit comme un atout majeur pour le LuxembourgL'essentiel · lessentiel.lu
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