Führungswechsel bei der Staatsbank

Grünes Licht aus Frankfurt: Benoît Elvinger übernimmt die Spuerkeess

Die EZB hat den 51-Jährigen als neuen Generaldirektor der systemrelevanten Staatsbank bestätigt. Der Wechsel beendet die Hängepartie, die die Caritas-Affäre ausgelöst hatte.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Historischer Hauptsitz der Spuerkeess an der place de Metz in Luxemburg-Stadt mit grauer Natursteinfassade, Eck-Uhrturm und dem roten "S"-Emblem der Bank.
Der historische Hauptsitz der Spuerkeess (Banque et Caisse d'Épargne de l'État) an der place de Metz in Luxemburg-Stadt. Illustration – KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Luxemburgs größte Staatsbank hat wieder einen designierten Chef. Nach fast einjähriger Ungewissheit an der Spitze der Spuerkeess hat die Europäische Zentralbank grünes Licht für Benoît Elvinger gegeben – und damit den Weg für einen Führungswechsel frei gemacht, der weit über den markanten Bau an der place de Metz hinausreicht.

Am Freitag, dem 10. Juli, ernannte der Regierungsrat auf Vorschlag von Finanzminister Gilles Roth (CSV) den 51-Jährigen zum Generaldirektor und Vorsitzenden des Direktoriums der Banque et Caisse d'Épargne de l'État (BCEE), wie die Spuerkeess offiziell heißt. Wirksam wird die Bestellung zum 1. Oktober 2026. Premierminister Luc Frieden verkündete die Entscheidung beim Briefing nach dem Regierungsrat. Zur stellvertretenden Generaldirektorin wurde vom selben Zeitpunkt an Doris Engel bestimmt, bislang Finanzchefin des Hauses.

Ein Eignungstest vor den Frankfurter Aufsehern

Ohne das Plazet der Bankenaufsicht in Frankfurt wäre die Personalie nicht zustande gekommen. Weil die Spuerkeess als bedeutendes Institut eingestuft ist, untersteht sie seit 2014 im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus der direkten Kontrolle der EZB – und die Besetzung ihrer Spitzenposten bedarf der Zustimmung der Aufseher. Elvinger stellte sich nach Informationen von Reporter.lu, das seine Kandidatur bereits im April enthüllt hatte, am 11. Mai einer sogenannten Fit-and-proper-Prüfung vor den Experten der Notenbank.

Ihr Urteil fällte die Aufsicht innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Dreimonatsfrist – in weniger als zwei Monaten und damit schneller, als die Bank es erwartet hatte. Die EZB übermittelte die Entscheidung an Roth, der die förmliche Nominierung anschließend auf die Tagesordnung der Regierung setzte. Ein Sprecher der Notenbank beschrieb den Ablauf in allgemeiner Form.

"Nach jeder Fit-and-proper-Prüfung ergeht eine förmliche Entscheidung der EZB innerhalb der im nationalen Recht vorgesehenen Frist", sagte ein Sprecher der EZB und wies darauf hin, dass Genehmigungen für luxemburgische Banken binnen drei Monaten nach Eingang eines vollständigen Antrags mitgeteilt werden.

Dass sich die Suche hinziehen würde, hatte Verwaltungsratspräsident Camille Fohl schon Monate zuvor angedeutet – "nicht zuletzt wegen der langwierigen Bestellungsverfahren für eine systemrelevante Bank".

Vom Handelssaal an die place de Metz

Elvinger ist Luxemburger und hat nahezu seine gesamte Laufbahn im Bankgeschäft verbracht. Seit 2015 gehört er dem Vorstand der Banque de Luxembourg an, wo er den Handelssaal (salle des marchés) und das Finanzierungsgeschäft verantwortet; zudem sitzt er im Verwaltungsrat der Luxemburger Börse. Bei der Banque de Luxembourg heuerte er 1998 an und blieb dem Haus – abgesehen von einem sechsmonatigen Intermezzo bei DuPont de Nemours in den Jahren 2004 und 2005 – seither treu. Sein Werdegang umfasst einen Master der Université Paris-Panthéon-Assas (Paris II) sowie einen MBA der Darden School of Business der University of Virginia.

Er folgt auf Françoise Thoma, die die Spuerkeess rund ein Jahrzehnt lang führte und künftig dem Verwaltungsrat beratend zur Seite steht. Seine Prioritäten will Elvinger nach Angaben der Bank im September auf einer Pressekonferenz darlegen, bevor er im Oktober offiziell das Ruder übernimmt.

Ein Schwergewicht auf dem Immobilienmarkt

Was für die Bank auf dem Spiel steht, macht ihre Marktstellung deutlich. Die Spuerkeess ist Luxemburgs größter Privatkundenfinanzierer: Nach eigenen Investorenangaben hält sie rund 57 Prozent des heimischen Hypothekenmarktes und annähernd die Hälfte des Privatkundengeschäfts insgesamt. Eine solche Dominanz macht ihre Kreditentscheidungen zu einem Gradmesser für die Haushalte des Landes.

Elvinger übernimmt ein Haus, das die Nachwehen des Zinszyklus verarbeitet. Der kräftige Anstieg der Finanzierungskosten ab 2022 kühlte den luxemburgischen Wohnungsmarkt ab und bremste die Vergabe neuer Immobilienkredite; die anschließende Lockerung durch die EZB hat die Nachfrage nur allmählich wiederbelebt. Als bestimmender Anbieter von Wohnbaudarlehen prägt die Spuerkeess die Konditionen, zu denen Einwohner Kredite aufnehmen und sparen – und verschafft ihrem neuen Chef damit übergroßen Einfluss auf einen Markt, der sich gerade fängt.

Ein Schlussstrich unter die Caritas-Affäre

Zugleich erbt Elvinger eine Bank, die sich noch von den Folgen des Caritas-Skandals erholt. Bei diesem waren der Hilfsorganisation über betrügerische Überweisungen rund 61 Millionen Euro entzogen worden, ein großer Teil davon über Konten der Spuerkeess geschleust; mehr als 52 Millionen Euro flossen laut Tageblatt über die Bank nach Spanien. Die Finanzaufsicht CSSF verhängte 2025 wegen Versäumnissen bei der Geldwäschebekämpfung und der Transaktionsüberwachung im Zusammenhang mit dem Fall ein Bußgeld von 4,96 Millionen Euro (4.968.780 Euro) gegen das Institut; bereits 2018 hatte sie in der Sache eine Anordnung erlassen. Die Strafe setzte Thoma unter Druck, die im vergangenen November auf einer von Fohl geleiteten Pressekonferenz ihren Rücktritt ankündigte.

Die Bank betont, rasch reagiert zu haben. Bereits nach den ersten Feststellungen und ohne die endgültigen Schlussfolgerungen der CSSF abzuwarten habe man, so das Institut in einem Communiqué, "die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um die Transaktionsüberwachung weiter zu verstärken".

Das Vertrauen in diese Sicherungen zurückzugewinnen und die Staatsbank zugleich durch ein sich normalisierendes Zinsumfeld und eine fragile Erholung am Immobilienmarkt zu steuern – daran wird sich Elvingers Anfang messen lassen.

Häufig gefragt

Wer wird neuer Chef der Spuerkeess?
Benoît Elvinger, 51, bislang Vorstandsmitglied der Banque de Luxembourg. Er wird zum 1. Oktober 2026 Generaldirektor und Vorsitzender des Direktoriums der Banque et Caisse d'Épargne de l'État (BCEE).
Warum musste die EZB der Ernennung zustimmen?
Weil die Spuerkeess als bedeutendes, systemrelevantes Institut seit 2014 der direkten Aufsicht der EZB unterliegt. Die Besetzung von Spitzenposten erfordert deren Fit-and-proper-Zustimmung, die hier in weniger als zwei Monaten erteilt wurde.
Auf wen folgt Elvinger?
Auf Françoise Thoma, die die Bank rund ein Jahrzehnt lang leitete. Sie kündigte im November 2025 ihren Rücktritt an und wechselt in eine beratende Rolle beim Verwaltungsrat.
Welche Rolle spielt die Caritas-Affäre?
Über Konten der Spuerkeess wurde ein großer Teil der rund 61 Millionen Euro geschleust, die der Caritas entzogen wurden. Die CSSF verhängte 2025 ein Bußgeld von 4,96 Millionen Euro wegen Mängeln bei der Geldwäschebekämpfung.
Quellen(10)
  1. 1Spuerkeess: La BCE valide la nomination de Benoît ElvingerReporter.lu · reporter.lu
  2. 2Benoît Elvinger tipped to take the helm at SpuerkeessPaperjam English · en.paperjam.lu
  3. 3Spuerkeess: Benoît Elvinger nommé directeur général de la BCEEL'essentiel · lessentiel.lu
  4. 4Benoît Elvinger est le nouveau directeur de la SpuerkeessLe Quotidien · lequotidien.lu
  5. 5Benoît Elvinger prend la tête de la SpuerkeessPaperjam · paperjam.lu
  6. 6Benoît Elvinger wird neuer Generaldirektor der SpuerkeessTageblatt · tageblatt.lu
  7. 7Caritas: CSSF imposes €5m fine on SpuerkeessPaperjam English · en.paperjam.lu
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