Unternehmertum im Großherzogtum

Luxemburg: 18 Prozent mehr Firmengründungen – doch das Geld wird zum Nadelöhr

2025 entstanden 6.815 neue Betriebe – ein Plus von 18 Prozent, obwohl die Zahl der Genehmigungsanträge stagnierte und die GEM-Studie eine leicht sinkende Gründerquote von 9,4 Prozent verzeichnet.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Antragsdossier für eine luxemburgische Niederlassungsgenehmigung und das Portal MyGuichet.lu auf einem Laptop, daneben eine kleine luxemburgische Flagge auf einem Schreibtisch.
Ein Antragsdossier für eine Niederlassungsgenehmigung und das Portal MyGuichet.lu auf dem Schreibtisch eines Gründers. Illustrative Darstellung, mit KI erzeugt. Illustration: KI-generiert — Status

Luxemburgs Gründungsgeschehen hat am 2. Juli 2026 ein gemischtes, im Kern aber robustes Signal ausgesendet. Innerhalb weniger Stunden legten die Regierung und das nationale Statistikamt zwei Datensätze vor, die sich gegenseitig einordnen. Die Zahl der neu gegründeten Betriebe stieg im vergangenen Jahr um 18 Prozent – und das, obwohl die Menge der Genehmigungsanträge kaum in Bewegung geriet und eine viel beachtete Umfrage einen leichten Rückgang beim Anteil der gründungsaktiven Einwohner feststellte.

Zusammengenommen zeichnen die beiden Erhebungen ein Bild, das in ganz Europa vertraut ist: Die Lust am Unternehmertum bleibt stabil, es entstehen weiter neue Firmen – doch der erschwerte Zugang zu Kapital schält sich als bestimmende Hürde für junge Betriebe heraus.

Anträge stabil, Gründungen im Aufwind

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz zu den Niederlassungsgenehmigungen (autorisations d'établissement) berichtete Lex Delles, Minister für Wirtschaft, KMU, Energie und Tourismus, das Ministerium habe 2025 insgesamt 12.562 Anträge erhalten – praktisch unverändert gegenüber den 12.578 des Jahres 2024. Die auffälligere Bewegung zeigte sich beim Ergebnis: 6.815 Betriebe wurden im Jahresverlauf neu gegründet, nach 5.741 zuvor. Das entspricht einem Zuwachs von 18 Prozent, den die Behörden unter anderem auf bestimmte Handels- und Handwerkstätigkeiten der sogenannten „Liste C" zurückführen.

Andere Kennzahlen fielen ruhiger aus. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Antrags lag bei 6,62 Tagen – nahe den 6,18 Tagen von 2024 und deutlich unter den 8,6 Tagen des Jahres 2021. Die Zahl der wegen Insolvenz für ungültig erklärten Genehmigungen stieg um 3 Prozent auf 842, nach 819. Die Bescheinigungen für ausländische Dienstleister mit vorübergehender Handwerkstätigkeit sanken auf 4.258, von 4.335 – der niedrigste Stand seit 2016.

„Der Anstieg der Neugründungen um 18 Prozent ist ein ermutigendes Zeichen, gerade in einem nach wie vor herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld", sagte Delles laut Chronicle.lu.

Was die GEM-Umfrage misst

Die zweite Veröffentlichung war der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Luxemburg 2025/2026, erstellt vom Statistikamt STATEC gemeinsam mit der Handelskammer und dem Wirtschaftsministerium und gestützt auf eine standardisierte Befragung von Einwohnern zwischen 18 und 64 Jahren. Der Leitindikator, die gesamte frühphasige Gründungsaktivität (Total early-stage Entrepreneurial Activity, TEA) – also der Anteil der Erwachsenen, die ein weniger als rund dreieinhalb Jahre altes Unternehmen aufbauen oder führen –, lag bei 9,4 Prozent, nach 9,9 Prozent ein Jahr zuvor.

Damit bewegt sich Luxemburg in etwa im europäischen Durchschnitt und zählt weiterhin zu den dynamischeren Gründungsökosystemen der Region. Zugleich verdeutlichte die Erhebung, wie ungleich diese Aktivität verteilt ist:

  • Die Kluft zwischen den Geschlechtern schrumpft, bleibt aber bestehen: 7,2 Prozent der Frauen waren frühphasig gründungsaktiv, gegenüber 11,5 Prozent der Männer.
  • Eingewanderte Einwohner gründeten häufiger als im Land Geborene – 10,5 gegenüber 7,5 Prozent.
  • Not ist selten der Auslöser: 36 Prozent der luxemburgischen Gründer nannten fehlende Beschäftigungsalternativen als Motiv, weit unter dem EU-Schnitt von 58 Prozent.

Die Angst vor dem Scheitern wirkte jedoch weiter abschreckend: Unter jenen Einwohnern, die gute Gelegenheiten erkannten, gaben 42 Prozent an, die Furcht vor einem Misserfolg habe sie von einer Gründung abgehalten.

Die Finanzierung wird zur Hauptbremse

Die deutlichste Verschiebung im diesjährigen GEM-Bericht betrifft den Ort, an dem der Druck heute lastet. Der Zugang zu Finanzierung ist zum größten Hemmnis für die Entwicklung eines jungen Betriebs geworden und wurde von 52 Prozent der Gründer genannt – noch vor den Kosten für Geschäftsräume, die 57 Prozent als schwierig einstuften, und der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte (48 Prozent). Die meisten Gründer stützen sich weiterhin auf eigene Mittel: 57 Prozent griffen auf Ersparnisse zurück, 37 Prozent nutzten Kreditkarten und 29 Prozent wandten sich an Familie oder Freunde. Nur 18 Prozent erhielten eine Bankfinanzierung, und lediglich 9 Prozent gewannen private Investoren oder Wagniskapital.

Die Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz kühlte derweil ab. Rund 32 Prozent der frühphasigen Gründer hielten KI für sehr wichtig für ihr Geschäftsmodell, nach 34 Prozent im Vorjahr. Nur noch 24 Prozent erwarteten davon einen stark positiven Effekt auf das Wachstum, gegenüber 47 Prozent zuvor. Fast die Hälfte – 45 Prozent – meldete Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz an.

Eine Reform soll Tempo bringen

Delles stellte die Zahlen zusammen mit einem Gesetzentwurf vor, der das Niederlassungsrecht überarbeitet und inzwischen in der Abgeordnetenkammer liegt. Ziel ist es, Gründungen schneller und einfacher zu machen. Die Regierung erklärt, die Reform würde

  • Fristen und Formalitäten für risikoarme Tätigkeiten senken, ohne unverzichtbare Kontrollen aufzugeben;
  • den Mechanismus der „zweiten Chance" so anpassen, dass gescheiterte Unternehmer neu beginnen können;
  • es einem Betrieb erlauben, einen Bevollmächtigten (mandataire) zu benennen, um eine dauerhafte physische Präsenz sicherzustellen, wenn der Geschäftsführer nicht persönlich anwesend sein kann.
Unsere Aufgabe ist es, Unternehmern einen Rahmen zu bieten, der unkompliziert, verlässlich und fair ist, und zugleich die notwendigen Kontrollen aufrechtzuerhalten, um Vertrauen zu sichern und alle Beteiligten zu schützen.

Für Einwohner, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, für Grenzgänger mit Gründungsplänen und für angehende Firmengründer gleichermaßen fällt die Gesamtbotschaft vorsichtig positiv aus. Die Firmengründung beschleunigt sich, und der Staat versucht, die bürokratische Hürde zu senken. Doch weil Kapital schwerer zu beschaffen ist, dürfte die Lücke zwischen einer Idee und ihrer Finanzierung Luxemburgs Gründungsgeschichte im kommenden Jahr prägen.

Häufig gefragt

Wie stark sind die Firmengründungen in Luxemburg 2025 gestiegen?
Die Zahl der neu gegründeten Betriebe stieg 2025 auf 6.815, gegenüber 5.741 im Jahr 2024 – ein Zuwachs von 18 Prozent. Die Behörden führen dies unter anderem auf bestimmte Handels- und Handwerkstätigkeiten der Liste C zurück.
Was besagt die GEM-Studie 2025/2026 für Luxemburg?
Die vom STATEC mit der Handelskammer und dem Wirtschaftsministerium erstellte Studie beziffert die frühphasige Gründungsaktivität (TEA) auf 9,4 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, nach 9,9 Prozent im Vorjahr. Damit liegt Luxemburg in etwa im europäischen Durchschnitt.
Was ist die größte Hürde für junge Unternehmen in Luxemburg?
Der Zugang zu Finanzierung ist erstmals die meistgenannte Bremse und wurde von 52 Prozent der Gründer angeführt, gefolgt von den Kosten für Geschäftsräume (57 Prozent) und dem Mangel an Fachkräften (48 Prozent).
Was sieht die Reform des Niederlassungsrechts vor?
Der Gesetzentwurf soll Fristen und Formalitäten für risikoarme Tätigkeiten senken, den Mechanismus der zweiten Chance für gescheiterte Unternehmer anpassen und die Benennung eines Bevollmächtigten erlauben, wenn der Geschäftsführer nicht persönlich anwesend sein kann.
Quellen(7)
  1. 1GEM Report: 9.4% of Luxembourg Residents Involved in Early-Stage EntrepreneurshipChronicle.lu · chronicle.lu
  2. 2Entrepreneurship in Luxembourg Grows as Business Permit Applications RiseChronicle.lu · chronicle.lu
  3. 3L'entrepreneuriat progresse au Luxembourg, tandis que l'IA suscite à la fois optimisme et inquiétudeSTATEC / Statistics Portal Luxembourg · statistiques.public.lu
  4. 4Créer une entreprise reste possible, la financer beaucoup moinsPaperjam · paperjam.lu
  5. 5Un projet de loi pour permettre aux entreprises de démarrer plus vitePaperjam · paperjam.lu
  6. 6Entrepreneurship in Luxembourg — GEM economy profileGlobal Entrepreneurship Monitor · gemconsortium.org
  7. 7Lex Delles — Actualités (Ministry of the Economy)Le gouvernement luxembourgeois · gouvernement.lu

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