Immobilienmarkt
Luxemburgs Angebotspreise sinken Richtung 8.000 Euro – doch die amtlichen Zahlen zeigen einen Boden
Die in Anzeigen verlangten Quadratmeterpreise fielen im zweiten Quartal auf 8.111 Euro, fünf Prozent weniger als vor einem Jahr. Der amtliche Transaktionsindex deutet dagegen auf ein Plateau hin.
Von Sophie Klein · · 5 Min. Lesezeit

Zwischen dem, was Verkäufer in Luxemburg fordern, und dem, was tatsächlich über den Notartisch geht, klafft derzeit eine bemerkenswerte Lücke. Nach frischen Zahlen des Immobilienportals Immotop rutschte der durchschnittlich inserierte Quadratmeterpreis wieder in Richtung 8.000 Euro – die Fortsetzung eines Rückgangs, der 2022 mit der Zinswende der Europäischen Zentralbank begann. Der amtliche, aus echten Kaufverträgen berechnete Index erzählt jedoch eine ruhigere Geschichte: Die mehrjährige Korrektur am Wohnungsmarkt des Großherzogtums scheint weitgehend abgeschlossen.
Laut dem jüngsten Immotop-Barometer lag der geforderte Durchschnittspreis im zweiten Quartal 2026 bei 8.111 Euro je Quadratmeter – fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 0,8 Prozent weniger als im Vorquartal, wie L'essentiel und Le Quotidien berichten. Das liegt unter den 8.177 Euro aus dem ersten Quartal und deutlich unter den 8.700 Euro von Mitte 2023. Der Rückgang zieht sich durch fast das ganze Land: In der zentralen Region rund um die Hauptstadt fielen die geforderten Preise binnen eines Jahres um 5,6 Prozent auf rund 10.500 Euro je Quadratmeter, während der Norden – mit etwa 6.000 Euro die günstigste Region – als einzige um 0,9 Prozent zulegte.
Zwei Messlatten, ein Markt
Die Schlagzahl trägt allerdings einen wichtigen Vorbehalt. Die Immotop-Erhebung stützt sich, wie Le Quotidien anmerkt, „auf die in den Inseraten der Plattform angezeigten Preise und nicht auf die bei Transaktionen tatsächlich gezahlten Preise". Angebotspreise reagieren träge, schießen mitunter über das Ziel hinaus – und sind nicht der Maßstab, an dem sich der Staat orientiert.
Die verbindliche Größe ist der gemeinsame Index von STATEC und dem Observatoire de l'Habitat, der aus notariellen Kaufakten gebildet und seit 2013 vierteljährlich veröffentlicht wird. Nach dieser Rechnung fällt das Bild deutlich gelassener aus. In seiner Analyse zum ersten Quartal 2026 meldete das Wohnungsbauministerium einen hedonischen Preisindex, der um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg. Bestandshäuser verteuerten sich um 3,0 Prozent, Bestandswohnungen um 0,9 Prozent, Neubauwohnungen ebenfalls um 0,9 Prozent. Der vorherige Bericht zum vierten Quartal 2025 hatte den Index mit plus 0,1 Prozent im Jahresvergleich praktisch unverändert ausgewiesen.
„Die Preise scheinen ein Plateau erreicht zu haben, mit begrenzten und mitunter uneinheitlichen Schwankungen", sagte Julien Licheron, Ökonom am LISER und Mitglied des Observatoire de l'Habitat.
Mit anderen Worten: Die Inserate kühlen weiter ab, während die tatsächlich unterschriebenen Abschlüsse sich stabilisiert haben. Die Differenz spiegelt wider, wie schnell geforderte Preise auf schwächere Nachfrage reagieren – und wie viel langsamer und qualitätsbereinigt der Transaktionsdatensatz nachzieht.
Eine Korrektur, die mit der EZB begann
Luxemburgs Boom gipfelte Mitte 2022. Als die Europäische Zentralbank die Finanzierungskosten kräftig anhob, um die Inflation zu bändigen, brach die Erschwinglichkeit von Hypotheken ein, und die Käufer zogen sich zurück. Das Bestandssegment fiel am frühesten und am stärksten – nach Zahlen des Observatoire um rund 21,5 Prozent zwischen dem zweiten Quartal 2022 und Ende 2023. Chronicle.lu bezifferte den breiteren Rückgang unter Berufung auf dieselbe Quelle auf 16,3 Prozent zwischen dem dritten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2024.
Noch drastischer fiel die Entwicklung bei den Verkaufszahlen aus: Sie halbierten sich 2023 nahezu, ehe sie sich 2024 und 2025 wieder in Richtung des Vorkrisenniveaus erholten. Analysten des LISER deuten die Anpassung um etwa 15 Prozent im Jahr 2023 als jene Korrektur, die der Markt nach der Zinswende brauchte; seither seien die Preise über rund 18 Monate weitgehend stabil geblieben.
Die Erholung verlief nicht geradlinig. Im zweiten Quartal 2025 sprangen die Preise um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, weil Käufer dem Auslaufen befristeter Steuervergünstigungen zuvorkommen wollten; im Folgequartal gaben sie nach Ablauf der Frist wieder 3,5 Prozent ab – Ausschläge, die die Statistiker sorgfältig aus dem Grundtrend herausgerechnet haben.
Bestand gegen Neubau
Die amtlichen Daten unterscheiden zudem zwischen den beiden Hälften des Marktes – und sie bewegen sich nicht im Gleichschritt:
- Bestandsimmobilien (der Wiederverkaufsmarkt) verharrten weitgehend auf der Stelle: Bestandswohnungen legten im vierten Quartal 2025 nur um 0,2 Prozent im Jahresvergleich zu, im ersten Quartal 2026 um 0,9 Prozent.
- Neubauwohnungen, die über VEFA-Verträge vom Plan weg verkauft werden, zeigten sich fester und stiegen Ende 2025 um 2,0 Prozent binnen Jahresfrist – teils ein Nachhall des steuergetriebenen Schubs zu Jahresbeginn.
- Bestandshäuser schwenkten von einem Jahresminus von 1,0 Prozent Ende 2025 auf ein Plus von 3,0 Prozent im ersten Quartal 2026 um.
Wo einst die Makler die Bedingungen diktierten, hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. „Die Verhandlungen sind wieder gesünder geworden, mit einem Gleichgewicht der Kräfte zwischen Verkäufern und Käufern", sagte Pierre Clément, Geschäftsführer der Agentur Nexvia.
Was das für Käufer, Verkäufer und Mieter heißt
Bei allem Gerede von Korrektur bleibt Luxemburg einer der teuersten Wohnungsmärkte Europas. Selbst nach dem Rückgang liegt der durchschnittlich geforderte Preis über 8.000 Euro je Quadratmeter, in Luxemburg-Stadt übersteigt er 11.000 Euro und erreicht im teuersten Viertel Belair 12.578 Euro. Für viele Haushalte wurde der bescheidene Preisrückgang durch höhere Finanzierungskosten wieder aufgezehrt.
Der Druck hat viele potenzielle Käufer ins Mieten gedrängt und einen ohnehin angespannten Mietmarkt weiter verengt. Die angekündigten Mieten stiegen im ersten Quartal 2026 um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Observatoire meldete – weit mehr als die Verbraucherpreisinflation von 1,6 Prozent.
Ob sich die Abschwächung der Angebotspreise auf die Transaktionen durchschlägt, wird das laufende Jahr prägen. Manche in der Branche erwarten, dass der Boden hält. „Für 2026 rechnen wir mit einem dynamischeren Jahr, mit einer allmählich steigenden Nachfrage und einem leichten Preiswachstum", sagte Kim Felten, Managing Partner der Agentur Hektar. Zumindest nach den amtlichen Zahlen wirkt Luxemburgs langer Preisrückgang weniger wie ein fortgesetzter Absturz als wie ein Markt, der nach seinem Boden tastet.
Häufig gefragt
- Fallen die Immobilienpreise in Luxemburg wirklich unter 8.000 Euro je Quadratmeter?
- Das betrifft vorerst nur die Angebotspreise. Laut Immotop lag der geforderte Durchschnittspreis im zweiten Quartal 2026 bei 8.111 Euro je Quadratmeter, minus fünf Prozent binnen Jahresfrist. Diese Zahlen stammen aus Inseraten, nicht aus tatsächlichen Kaufabschlüssen.
- Was sagt der amtliche Index?
- Der aus notariellen Kaufakten gebildete Index von STATEC und Observatoire de l'Habitat stieg im ersten Quartal 2026 um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 1,7 Prozent im Jahresvergleich. Ökonom Julien Licheron spricht von einem erreichten Plateau.
- Warum sind die Preise überhaupt gefallen?
- Der Boom gipfelte Mitte 2022. Die kräftigen Zinserhöhungen der EZB machten Kredite teurer und bremsten die Nachfrage. Das Bestandssegment fiel bis Ende 2023 um rund 21,5 Prozent, die Verkaufszahlen halbierten sich 2023 nahezu.
- Ist Luxemburg noch teuer?
- Ja. Selbst nach dem Rückgang liegt der geforderte Durchschnittspreis über 8.000 Euro je Quadratmeter, in Luxemburg-Stadt über 11.000 Euro und im Viertel Belair bei 12.578 Euro. Zudem stiegen die angekündigten Mieten um 4,4 Prozent.
Quellen(10)
- 1Prix au m² au Luxembourg: le marché immobilier recule de 5% sur un anL'essentiel · lessentiel.lu
- 2Immobilier : les prix reculent encore, sauf dans le NordLe Quotidien · lequotidien.lu
- 3Immobilier au Luxembourg : des prix en baisse mais toujours à des niveaux recordLe Quotidien · lequotidien.lu
- 4Le marché immobilier résidentiel au 1er trimestre 2026: retour à la normale de l'activitéMinistère du Logement et de l'Aménagement du territoire · mlogat.gouvernement.lu
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- 10Le Logement en Chiffres n°19, en collaboration avec le STATECMinistère du Logement / logement.public.lu · logement.public.lu
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