Arbeitsmarkt

Eurostat und ADEM weisen unterschiedliche Arbeitslosenquoten für Luxemburg aus

Die 6,9 Prozent von Eurostat und die 6,4 Prozent von ADEM/STATEC erfassen unterschiedliche Gruppen. Beide Reihen zeigen jedoch eine wachsende Zahl von Menschen auf Arbeitssuche.

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Illustrativer Wartebereich eines Luxemburger Arbeitsamts mit leeren Stühlen und Stellenaushängen
Illustrative KI-Abbildung eines Wartebereichs eines Luxemburger Arbeitsamts mit leeren Stühlen und Stellenaushängen. Illustration: KI-generiert — Status

Die Zahl 6,9 Prozent ist in Luxemburg zum Chiffre für die angespannte Lage am Arbeitsmarkt geworden. Als aktuelle Monatsquote der nationalen Arbeitsverwaltung taugt sie jedoch nicht. Sie stammt aus der harmonisierten Erhebung von Eurostat: Für Januar, Februar und März 2026 lag die saisonbereinigte, auf der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation beruhende Arbeitslosenquote bei 6,9 Prozent. Für März entsprach dies schätzungsweise 24.000 Arbeitslosen. Auch die OECD wies in ihrer harmonisierten Monatsreihe für März unabhängig denselben Wert aus.

Die jüngste am 13. August verfügbare Monatsmitteilung der ADEM betrifft dagegen den Juni 2026. Zum 30. Juni waren dort 19.619 in Luxemburg ansässige Arbeitsuchende registriert, die für eine Beschäftigung verfügbar waren. Das waren 1.733 Personen oder 9,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die mit der Mitteilung veröffentlichte, von STATEC saisonbereinigt berechnete Quote belief sich auf 6,4 Prozent. Es handelt sich nicht um einen Widerspruch zwischen zwei Datensätzen, sondern um Kennziffern mit unterschiedlichem Zuschnitt.

Was hinter 6,9 und 6,4 Prozent steht

Eurostat stützt seine Quote auf die EU-Arbeitskräfteerhebung und die ILO-Definition. Erfasst werden Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die keine Arbeit haben, für Arbeit verfügbar sind und eine Beschäftigung suchen. Das Verfahren dient vor allem der Vergleichbarkeit zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die 6,9 Prozent für Luxemburg sind somit eine umfragebasierte, harmonisierte Schätzung.

Die ADEM wiederum berichtet über Personen, die sich bei der Behörde registriert haben. Die Zahl für Juni bezieht sich ausdrücklich auf ansässige Arbeitsuchende, die als verfügbar für den Arbeitsmarkt gelten. Die dazu ausgewiesene Quote wird von STATEC saisonbereinigt berechnet. Administrative Registrierung und international standardisierte Befragung bilden folglich nicht dieselbe Gruppe ab. Weder lässt sich die Differenz zwischen 6,9 und 6,4 Prozent für sich genommen als Verbesserung deuten, noch darf eine der beiden Reihen an die Stelle der anderen treten.

Die Richtung der jüngeren ADEM-Daten ist dennoch eindeutig. Im Juni registrierte die Behörde 2.478 neue ansässige Arbeitsuchende; gegenüber Juni 2025 entsprach dies einem Anstieg von 3,0 Prozent. Der Bestand der verfügbaren, ansässigen Arbeitsuchenden lag zugleich um 9,7 Prozent über dem Vorjahreswert.

Arbeitsminister Marc Spautz setzte dem mit Blick auf die Beschäftigung die Aussage entgegen, „Die Beschäftigung im Inland ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen.“ Steigende Beschäftigung und eine höhere Zahl Arbeitsuchender schließen sich nicht aus. Die vorliegenden Reihen erlauben jedoch keine Aussage darüber, welche individuellen Ursachen hinter einer erfolglosen Stellensuche oder einer unbesetzten Stelle stehen.

Mehr gemeldete Stellen, aber unterschiedliche Berufsbilder

Auch auf der Nachfrageseite zeigt der Juni ein gemischtes Bild. Arbeitgeber meldeten der ADEM im Monatsverlauf 3.167 offene Stellen, 7,2 Prozent mehr als im Juni 2025. Am Monatsende belief sich der Bestand noch verfügbarer Stellen auf 7.081; das waren 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ein größerer Stellenbestand bedeutet damit nicht automatisch, dass die wachsende Zahl registrierter Arbeitsuchender rasch in Beschäftigung übergeht.

Besonders aufschlussreich ist die berufliche Verteilung. Die stärksten Zuwächse bei den Arbeitsuchenden verzeichnete die ADEM in folgenden Bereichen:

  • Sekretariat und Assistenz;
  • Informationstechnologie;
  • Rechnungswesen und Management;
  • Bankwesen.

Bei den offenen Stellen lagen die größten Zunahmen gegenüber dem Vorjahr dagegen in Planung und Studien im Bauwesen, in der industriellen Reinigung, in der Sozial- und sozialpädagogischen Arbeit sowie in der paramedizinischen Pflege. Die Statistik belegt damit keine einzelne Ursache für die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Sie zeigt aber, dass mehr gemeldete Vakanzen den wachsenden Kreis registrierter Arbeitsuchender bislang nicht in allen Berufsfeldern auffangen.

Der Anstieg reicht über einzelne Gruppen hinaus

Die Zunahme beschränkt sich nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt. Nach Angaben der ADEM stieg die Zahl der Arbeitsuchenden im Jahresvergleich in sämtlichen Altersgruppen. Am deutlichsten fiel der Anstieg bei den 30- bis 44-Jährigen aus: plus 12,8 Prozent. Besonders ausgeprägt war die Entwicklung außerdem bei den am höchsten Qualifizierten, deren Zahl um 19,1 Prozent zunahm.

Damit wird ein verbreitetes, zu enges Bild von Arbeitslosigkeit infrage gestellt. Die jüngsten Verwaltungsdaten betreffen nicht nur Personen am Beginn ihrer Erwerbsbiografie oder Menschen mit geringerer formaler Qualifikation. Sie erfassen einen breiteren Anstieg der registrierten Arbeitssuche, während offene Stellen zugleich in anderen Tätigkeitsfeldern zulegen.

Für die ADEM liegt die Aufgabe deshalb nicht allein darin, Stellen sichtbar zu machen. Direktorin Isabelle Schlesser betonte: „Eine individuelle und passgenaue Begleitung wird den Arbeitsuchenden, die sie benötigen, weiterhin stets angeboten.“ Die Vermittlung muss dabei Qualifikationen, gesuchte Tätigkeiten und verfügbare Stellen zusammenführen.

„Das Ziel besteht nicht darin, eine weitere Website für Stellenangebote zu schaffen.“

Mit dieser Aussage von Isabelle Schlesser wird der Maßstab klar: Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Anzeigen, sondern ob aus ihnen Vermittlungen werden. Bis dahin sollten die 6,9 Prozent aus der Eurostat- und OECD-Reihe und die 6,4 Prozent aus der ADEM/STATEC-Mitteilung als verschiedene Indikatoren gelesen werden. Sie messen unterschiedliche Populationen, weisen aber beide auf einen Arbeitsmarkt hin, in dem die Zahl der Menschen auf Arbeitssuche zunimmt.

Häufig gefragt

Warum unterscheiden sich die Quoten von 6,9 und 6,4 Prozent?
Eurostat und OECD verwenden eine harmonisierte, ILO-basierte Arbeitskräfteerhebung. ADEM erfasst registrierte ansässige Arbeitsuchende; die begleitende Quote wird von STATEC saisonbereinigt berechnet.
Welche Zahl ist die jüngste ADEM-Angabe?
Die am 13. August verfügbare ADEM-Monatsmitteilung betraf Juni 2026: 19.619 verfügbare ansässige Arbeitsuchende und eine saisonbereinigte Quote von 6,4 Prozent.
In welchen Gruppen stieg die Zahl der Arbeitsuchenden besonders?
Der stärkste Anstieg nach Alter betraf die 30- bis 44-Jährigen mit 12,8 Prozent. Bei den am höchsten Qualifizierten betrug er 19,1 Prozent.
Quellen(6)
  1. 1Évolution du chômage en juin 2026Agence pour le développement de l’emploi / Gouvernement luxembourgeois · adem.gouvernement.lu
  2. 2Luxembourg: Le chômage grimpe à 6,4%, alors que les postes vacants se multiplientRTL Infos · infos.rtl.lu
  3. 3Euro area unemployment at 6.2%Eurostat · ec.europa.eu
  4. 4Unemployment Rates, March 2026OECD · oecd.org
  5. 5Face à la montée des défis liés à l'emploi, l'ADEM renforce ses actions, intensifie sa collaboration avec les employeurs et accélère la digitalisation de ses servicesAgence pour le développement de l’emploi / Gouvernement luxembourgeois · adem.gouvernement.lu
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