Umstrukturierung in Betzdorf

SES einigt sich nach Stellenabbauplänen auf Sozialplan

Nach zweiwöchigen Verhandlungen umfasst der Sozialplan bei SES 68 Beschäftigte in Luxemburg statt der zunächst angekündigten 80. Vorgesehen sind Versetzungen, Weiterbildung und Vorruhestand.

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SES-Hauptsitz und Satelliten-Bodenstation mit Parabolantennen in Betzdorf, Luxemburg
Illustrative KI-Abbildung des SES-Hauptsitzes und einer Satelliten-Bodenstation in Betzdorf, Luxemburg. Illustration: KI-generiert — Status

Aus einer Ankündigung mit 80 gefährdeten Stellen ist bei SES ein Sozialplan für 68 Beschäftigte geworden. Die Vereinbarung wurde am 11. Dezember 2024 nach zweiwöchigen Gesprächen zwischen Unternehmensleitung, Personaldelegationen sowie den Gewerkschaften OGBL und LCGB unterzeichnet. Sie beendet die Verhandlungen über den von SES am 15. November 2024 bestätigten Plan zum Stellenabbau nicht ohne Einschnitt, setzt dem zunächst höheren Umfang aber eine verbindlich ausgehandelte Grenze.

Für Luxemburg ist die Größenordnung erheblich. SES beschäftigte nach Angaben von RTL Today und des European Restructuring Monitor der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen rund 600 Menschen im Land. Der Monitor führte die Ankündigung vom 15. November 2024 als Verlagerungs- beziehungsweise Offshoring-Fall am Standort Betzdorf; Indien wurde als Ziel der betreffenden Aktivitäten genannt.

Die Reduzierung auf 68 bedeutet daher keine Entwarnung, wohl aber einen greifbaren Verhandlungserfolg gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag. Die Luxembourg Times berichtete am Tag nach der Unterzeichnung über das Ergebnis. RTL Today beschrieb später 68 betroffene Beschäftigte in den Bereichen Engineering, Informationstechnologie und Verwaltung.

Von der Ankündigung zur Einigung

SES hatte am 15. November 2024 bestätigt, einen Plan für Entlassungen einzuleiten, der 80 Stellen in Luxemburg gefährdete. OGBL und LCGB machten geltend, die Aufgaben sollten nach Indien ausgelagert werden, und forderten stattdessen einen Plan zur Beschäftigungssicherung. Diese Darstellung wurde von RTL Today berichtet und findet sich auch in der Erfassung von Eurofound wieder.

Der Konzern hatte die bevorstehenden Veränderungen bereits zuvor angedeutet. In einem Interview im Oktober sagte Generaldirektor Adel Al-Saleh, SES befinde sich im Austausch mit Personalvertretungen und Gewerkschaften; eine Zahl nannte er damals nicht. Angesichts technologischer Veränderungen und beweglicherer Wettbewerber müssten sich berufliche Kompetenzen weiterentwickeln.

„Einige Stellen müssen möglicherweise verlagert werden.“ — Adel Al-Saleh, Generaldirektor von SES, im Oktober 2024 gegenüber RTL Today

Al-Saleh verwies zugleich auf die Bindung des Unternehmens an den Standort: „Wir sind ein luxemburgisches Unternehmen, haben hier unseren Hauptsitz und eine hochqualifizierte Belegschaft.“ In einem Interview mit RTL Infos im Februar 2025 erklärte er, die Kosten seien in mehreren Bereichen zu hoch; Einsparungen seien nötig, um Investitionen zu finanzieren. Betzdorf bleibe für die Gruppe wichtig.

Welche Sicherungen der Sozialplan vorsieht

Die Unterzeichnung des Sozialplans bedeutet nicht, dass alle 68 Betroffenen auf demselben Weg aus dem Unternehmen ausscheiden. OGBL und LCGB zufolge steht die Vereinbarung unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die öffentlichen Behörden. Sie enthält Anpassungen für den Vorruhestand, ein Weiterbildungsbudget für eine mögliche externe Wiedereingliederung sowie interne Versetzungen auf bestehende und künftige freie Stellen in SES-Gesellschaften.

Damit knüpft der Sozialplan an die Optionen an, die das Management bereits während der Konsultationen genannt hatte. Die Maßnahme soll den Abbau nicht lediglich administrieren, sondern alternative berufliche Perspektiven eröffnen. Entscheidend wird sein, in welchem Umfang freie Stellen innerhalb der Gruppe tatsächlich verfügbar sind und ob Weiterbildung die Chancen auf eine externe Beschäftigung verbessert.

Das luxemburgische Recht setzt für Massenentlassungen genau an diesem Punkt an. Nach Darstellung der Chambre des salariés muss ein Arbeitgeber, der kollektive Entlassungen plant, vor deren Ausspruch mit den Arbeitnehmervertretungen über einen Sozialplan verhandeln. Gegenstand sind Möglichkeiten, Entlassungen zu vermeiden oder zu begrenzen, sowie Maßnahmen wie interne Umsetzung, Aus- und Weiterbildung, Umschulung, externe Wiedereingliederung und Vorruhestand.

  • Der ursprüngliche Plan: 80 gefährdete Stellen in Luxemburg, angekündigt am 15. November 2024.
  • Das Verhandlungsergebnis: 68 vom Sozialplan erfasste Beschäftigte seit der Unterzeichnung am 11. Dezember.
  • Die genannten Bereiche: Engineering, IT und Verwaltung.
  • Die vorgesehenen Instrumente: interne Versetzung, Weiterbildung für externe Beschäftigung und Anpassungen beim Vorruhestand, vorbehaltlich behördlicher Genehmigung.

Kostendruck trotz solider Finanzmittel

Der Stellenabbau fiel in eine finanziell gemischte Lage, nicht in eine einfache Liquiditätskrise. In den offiziellen Ergebnissen für die ersten neun Monate 2024 wies SES einen Umsatz von 1,475 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 775 Millionen Euro aus. Der bereinigte freie Cashflow betrug 262 Millionen Euro; liquide Mittel und Zahlungsmitteläquivalente lagen bei 3,2 Milliarden Euro, der Nettoverschuldungsgrad bei 1,1.

Die Luxembourg Times berichtete unabhängig davon über einen ausgewiesenen Nettogewinn von 77 Millionen Euro nach 862 Millionen Euro im Vorjahr. Der Vergleich wurde allerdings durch die Erlöse aus der früheren Umwidmung des US-C-Bands im Vorjahr beeinflusst.

Für das Gesamtjahr 2024 meldete SES einen Umsatz von 2,001 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 1,028 Milliarden Euro; der Umsatz lag 0,9 Prozent niedriger. Auch RTL Today berichtete diese Werte. „Unsere Finanzleistung 2024 belegt klar, dass unsere weiterentwickelte Strategie Wirkung zeigt“, erklärte Al-Saleh bei Vorlage der Jahreszahlen. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt die konkrete Bewährungsprobe jedoch, ob die vereinbarten Versetzungen, Weiterbildungen und Alternativen in belastbare neue Arbeitsplätze münden.

Häufig gefragt

Wie viele Stellen sind bei SES in Luxemburg betroffen?
Der am 11. Dezember 2024 unterzeichnete Sozialplan erfasst 68 Beschäftigte. Ursprünglich hatte SES 80 gefährdete Stellen angekündigt.
Welche Bereiche sind vom SES-Sozialplan betroffen?
Nach Angaben von OGBL und LCGB betrifft der Plan Funktionen in Engineering, Informationstechnologie und Verwaltung.
Welche Maßnahmen enthält der Sozialplan?
Vorgesehen sind Anpassungen beim Vorruhestand, ein Weiterbildungsbudget für mögliche externe Beschäftigung und interne Versetzungen auf bestehende oder künftige freie Stellen in SES-Gesellschaften.
Quellen(10)
  1. 1Jobs at risk: Eighty people could be faced with losing their jobs at SESRTL Today · today.rtl.lu
  2. 2SESEurofound, European Restructuring Monitor · dev.eurofound.europa.eu
  3. 3Union talks salvage jobs at SES but 68 staff still to be cutLuxembourg Times · luxtimes.lu
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