Transatlantische Sicherheit

Kanadas Verteidigungsminister in Luxemburg: Es geht ums Geld der Aufrüstung

David McGuintys historischer Besuch krönt eine rasch wachsende Partnerschaft – und zeigt, welchen Platz das Großherzogtum in der neuen Finanzarchitektur des Bündnisses einnimmt.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Leeres Podium für eine bilaterale Pressekonferenz mit zwei Mikrofonen und zwei neutralen Flaggen in einem holzvertäfelten Regierungssaal
Symbolbild: Ein leeres Podium für eine bilaterale Pressekonferenz – zwei Mikrofone und zwei neutrale Flaggen in einem holzvertäfelten Regierungssaal. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Es war ein Termin von hohem symbolischem Wert: Mit militärischen Ehren empfing Luxemburg am Freitag den kanadischen Verteidigungsminister David McGuinty auf Schloss Bourglinster. Hinter der protokollarischen Wärme stand jedoch eine nüchterne Frage, die derzeit das gesamte westliche Bündnis umtreibt – wie sich die teuerste Aufrüstung seit dem Kalten Krieg bezahlen lässt.

McGuintys Visite war die erste eines Mitglieds der kanadischen Bundesregierung im Großherzogtum seit 81 Jahren diplomatischer Beziehungen. Nach dem Empfang in Bourglinster traf der Minister Abgeordnete der Chamber und gab gegen 14.45 Uhr im Bâtiment Saint-Augustin in der Hauptstadt eine gemeinsame Pressekonferenz mit seiner luxemburgischen Amtskollegin Yuriko Backes.

Backes nannte den Besuch einen „historischen Moment" und bezeichnete Kanada als „verlässlichen NATO-Verbündeten, erst recht in diesen geopolitisch sehr instabilen Zeiten". Beide Minister bekannten sich als überzeugte Anhänger des Multilateralismus und bekräftigten ihre Unterstützung für die Ukraine. McGuinty erwiderte das Kompliment in ungewöhnlich persönlichen Worten.

Wir werden diversifizieren, wir werden ausbauen, wir werden uns breiter aufstellen.

Eine Premiere nach 81 Jahren

Der Besuch folgte auf die Eröffnung der luxemburgischen Botschaft in Ottawa im Jahr 2025 und auf eine dichte Folge hochrangiger Kontakte. Im Februar vereinbarten der kanadische Premierminister Mark Carney und sein luxemburgischer Amtskollege Luc Frieden ein Paket aus wirtschaftlichen, sicherheits- und talentpolitischen Partnerschaften, darunter ein Dialog zur Finanzplatzpolitik; im April telefonierten beide erneut.

Für McGuinty bot die Reise zudem Gelegenheit, einen jüngsten diplomatischen Erfolg zu unterstreichen. Kanada ist das erste – und bislang einzige – Nicht-EU-Land, das zu Security Action for Europe (SAFE) zugelassen wurde, dem 150 Milliarden Euro schweren Kreditinstrument der Union für Rüstungsbeschaffung. Ottawa sprach von einem „sehr großen Durchbruch". Auch am EU-Rüstungsprogramm PERLE beteiligt sich das Land. „Luxemburg genießt einen herausragenden Ruf", sagte McGuinty, „getragen von einer Führung, die meint, was sie sagt, und sagt, was sie meint."

Bezeichnend war, woran die Pressekonferenz nicht lange verweilte: am Prestigeprojekt der alliierten Verteidigungsfinanzierung, der geplanten Defence, Security and Resilience Bank. Diese Initiative wird auf kanadischer Seite vor allem von Finanzminister François-Philippe Champagne und durch die Februar-Erklärung der beiden Regierungschefs vorangetrieben – nicht aus dem Verteidigungsressort.

Eine Bank für die Aufrüstung

Die Defence, Security and Resilience Bank (DSR Bank) wurde erstmals 2025 von Rob Murray ins Spiel gebracht, einem früheren NATO-Innovationschef, der heute die Entwicklungsgruppe der Bank leitet. Der Grundgedanke: eine vertragsbasierte, von ihren Mitgliedstaaten getragene Institution, die privates Kapital mobilisiert und langfristige, zinsgünstige Finanzierung entlang der Verteidigungs-Lieferketten bietet – von den Regierungen bis hinunter zu jenen kleinen und mittleren Unternehmen, die sich gegen Rüstungsaufträge nur schwer Kredit beschaffen können.

Die Dynamik hat rasch zugenommen. Ein hochrangiges Treffen in London im September 2025 versammelte Vertreter aus 37 Nationen, darunter alle G7-Staaten, dazu die Europäische Kommission und die NATO. Die Verhandlungen über die Charta wurden in diesem Frühjahr in Montréal abgeschlossen; die beteiligten Länder einigten sich darauf, dass Kanada nach der Ratifizierung der Charta als Gastgeberland fungiert – mit dem Hauptsitz in Montréal, nicht in Luxemburg.

Diese Unterscheidung wiegt schwer. Das Großherzogtum wäre ein naheliegender Kandidat für jede neue Finanzinstitution, doch der Sitz der DSR Bank wandert über den Atlantik. „Wir sind sehr zufrieden mit den Fortschritten bei den jüngsten Verhandlungen in Montréal zur Gründung der Defence, Security and Resilience Bank", sagte Champagne. Kanadas Großbanken – RBC, TD, CIBC, Scotiabank und BMO – haben ihre Unterstützung signalisiert, ebenso große europäische Häuser wie JPMorgan, die Deutsche Bank, die Commerzbank und ING.

Wo Luxemburg ins Spiel kommt

Wenn die Bank selbst nach Kanada geht, liegt Luxemburgs Gewicht in der neuen Architektur anderswo: als einer der wichtigsten Finanzplätze Europas und als Sitz der Europäischen Investitionsbank (EIB), des Finanzierungsarms der EU, auf dem Kirchberg-Plateau.

Die EIB ist entschlossen in die Verteidigung vorgestoßen. In Zahlen:

  • 2025 vervierfachte die Gruppe ihre Sicherheits- und Verteidigungsfinanzierung auf mehr als 4 Milliarden Euro.
  • Im Plan 2026–2028 bleibt das jährliche Gesamtvolumen mit 100 Milliarden Euro auf Rekordniveau.
  • Die verteidigungsbezogene Finanzierung steigt 2026 auf rund 4,5 Milliarden Euro – etwa 5 Prozent der EU-Aktivität.

Zugleich hat die Bank ihre Vergaberegeln geöffnet, um auch rein militärische Vorhaben und eigene Fonds zu unterstützen – ein deutlicher Bruch mit der früheren Zurückhaltung.

Auch Luxemburg erhöht seinen eigenen Beitrag. Die Verteidigungsausgaben werden 2026 auf etwa 0,89 Prozent des BIP – rund 814 Millionen Euro – veranschlagt und dürften erstmals die Milliardengrenze überschreiten. Im Mai legte Backes einen Fahrplan vor, der die Ausgaben bis 2029 jährlich um rund 0,1 Prozentpunkte des BIP anhebt – im Einklang mit dem auf dem NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 gegebenen Versprechen, bis 2035 fünf Prozent zu erreichen (im Fall Luxemburgs gemessen am Bruttonationaleinkommen), aufgeteilt in 3,5 Prozent für die Kernverteidigung und 1,5 Prozent für die breitere Sicherheit.

Ein Auftakt, kein Wendepunkt

Der Freitag allein wird die alliierte Finanzwelt nicht umbauen. Die DSR Bank muss noch ratifiziert werden; die Vergaberegeln von SAFE werden noch ausgearbeitet; und Luxemburgs Verteidigungsaufbau beschleunigt sich zwar, startet aber von niedrigem Niveau. Doch der Besuch ist ein konkretes Zeichen dafür, wie schnell die Karte neu gezeichnet wird – Ottawa verdrahtet sich mit europäischen Instrumenten, Brüssel und die EIB öffnen die Schleusen, und kapitalstarke Kleinstaaten wie Luxemburg bringen sich in der Mechanik eines aufrüstenden Westens in Stellung.

„Zwischen unseren beiden Ländern liegt noch so viel Wachstumspotenzial", sagte McGuinty vor Journalisten. Nach den Erfahrungen der vergangenen sechs Monate bemisst sich dieses Wachstum zunehmend in Verteidigungs-Euro.

Häufig gefragt

Warum war der Besuch von David McGuinty historisch?
Es war der erste Besuch eines Mitglieds der kanadischen Bundesregierung in Luxemburg in 81 Jahren diplomatischer Beziehungen. Er folgte auf die Eröffnung der luxemburgischen Botschaft in Ottawa 2025.
Was ist die Defence, Security and Resilience Bank?
Eine 2025 vorgeschlagene, vertragsbasierte und von ihren Mitgliedstaaten getragene Institution, die privates Kapital mobilisieren und langfristige, zinsgünstige Finanzierung für Verteidigungs-Lieferketten, KMU und Regierungen bieten soll. Nach Abschluss der Verhandlungen in Montréal soll Kanada nach der Ratifizierung Gastgeberland werden, mit Sitz in Montréal.
Welche Rolle spielt Luxemburg in der neuen Finanzarchitektur?
Der Sitz der DSR Bank geht nach Kanada. Luxemburgs Gewicht liegt als einer der wichtigsten Finanzplätze Europas und als Sitz der Europäischen Investitionsbank (EIB), die ihre Verteidigungsfinanzierung deutlich ausweitet.
Wie viel gibt Luxemburg für Verteidigung aus?
Für 2026 werden rund 814 Millionen Euro veranschlagt, etwa 0,89 Prozent des BIP; erstmals dürfte die Milliardengrenze in Reichweite kommen. Ein Fahrplan sieht jährlich +0,1 Prozentpunkte des BIP bis 2029 vor, im Einklang mit dem NATO-Ziel von 5 Prozent bis 2035.

Quellen

  1. Canadian Defence Minister Expresses 'Deep Gratitude' For Relationship With Luxembourg · Chronicle.lu
  2. Minister McGuinty Heads to Luxembourg · Mirage News
  3. Minister McGuinty to travel to Luxembourg · Government of Canada (National Defence)
  4. Canada welcomes progress towards the establishment of the Defence, Security and Resilience Bank and hosting its headquarters · Government of Canada (Finance)
  5. Canada to establish Defence, Security and Resilience Bank · Defence Industry Europe
  6. Canada chosen as host country of multinational defence bank · The Globe and Mail
  7. Canada selected to headquarter new multinational defence bank, sources say · CBC News
  8. Defence, Security and Resilience Bank · Wikipedia
  9. How a new global defense bank can solve US and allied funding problems · Atlantic Council
  10. SAFE: Council clears path for financial assistance to eight member states and concluding the Canada agreement · Council of the EU (Consilium)
  11. Canada has officially joined the EU's loans-for-weapons program · CBC News
  12. EU Finance Ministers back EIB Group strategy for a stronger, more secure Europe · European Investment Bank
  13. EIB Group powers up flagship investment instruments to boost Europe's tech leadership and defence capabilities · European Investment Bank
  14. Yuriko Backes presents Luxembourg's defence spending roadmap to 2029 · Government of Luxembourg
  15. Prime Minister Carney secures new economic, security, and talent partnerships with Luxembourg · Prime Minister of Canada
  16. Prime Minister Carney speaks with Prime Minister of Luxembourg Luc Frieden · Prime Minister of Canada

Themen Defence Financing, Dsr Bank, Nato, Canada Luxembourg, Rearmament, Eib, Safe Programme, Yuriko Backes

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