Finanzplatz Luxemburg

Wachwechsel bei Arendts Fondssparte: BlackFin übernimmt nach CSSF-Freigabe die Mehrheit an AIS

Nach grünem Licht der CSSF kontrolliert der Pariser Finanzinvestor die Fondsdienstleistungssparte der Arendt-Gruppe. Medienberichte beziffern die Transaktion auf knapp 500 Millionen US-Dollar.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Das Arendt House, der Hauptsitz der Arendt-Gruppe an der Avenue J.F. Kennedy auf dem Kirchberg in Luxemburg-Stadt, in der Abenddämmerung.
Das Arendt House auf dem Kirchberg in Luxemburg-Stadt, Sitz der Arendt-Gruppe, in der Abenddämmerung (illustratives KI-Bild). Illustration: KI-generiert — Status

Der Eigentümerwechsel bei Arendt Investor Services (AIS) ist besiegelt: Nach der Genehmigung durch die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF hat der französische Finanzinvestor BlackFin Capital Partners die Mehrheit an der Fondsdienstleistungssparte der Arendt-Gruppe übernommen, wie die Unternehmen am Donnerstag, dem 2. Juli, mitteilten. Zum Transaktionsumfang gehört auch AManco, der Drittparteien-AIFM der Gruppe.

Angekündigt worden war die Übernahme bereits am 26. November 2025. Über den Kaufpreis wurde offiziell Stillschweigen vereinbart; Investment Officer und Paperjam berichteten jedoch unabhängig voneinander, dass die Transaktion das Unternehmen mit knapp 500 Millionen US-Dollar bewertet.

Für den Finanzplatz Luxemburg hat der Abschluss Signalcharakter: Privates Beteiligungskapital erreicht nun auch jene Dienstleistungsgesellschaften, die die größte Anwaltskanzlei des Landes, Arendt & Medernach, über anderthalb Jahrzehnte aufgebaut hat – ein weiterer Schub für die Konsolidierungswelle, die die luxemburgische Fondsdienstleistungsbranche erfasst hat.

Verkauft ist die Sparte – nicht die Kanzlei

Die Kanzlei selbst wechselt nicht den Besitzer: Anwaltskanzleien können nicht an externe Investoren verkauft werden. Gegenstand der Übernahme ist Arendt Investor Services, das 2009 innerhalb der Arendt-Gruppe gegründete, regulierte Dienstleistungsgeschäft – 2024 feierte es sein fünfzehnjähriges Bestehen –, zusammen mit dem Drittparteien-AIFM AManco.

AIS beschäftigt rund 320 Fachkräfte in Luxemburg und versteht sich als One-Stop-Shop für alternative Vermögensverwalter, Asset-Servicer und Family Offices. Das Leistungsspektrum umfasst:

  • Fondsadministration und Corporate Services;
  • Governance sowie operative Geldwäscheprävention und Compliance;
  • Tax Compliance;
  • Drittparteien-AIFM- und Verwahrstellendienste.

Das Unternehmen ist ein von der CSSF beaufsichtigter Professionnel du secteur financier (PFS) und nach ISO 22301 zertifiziert. Laut Paperjam erwirtschaftet es einen Jahresumsatz von rund 70 Millionen Euro nach mehreren Jahren zweistelligen Wachstums. Im sechsköpfigen Verwaltungsrat besetzt BlackFin dem Bericht zufolge künftig vier Sitze, Arendt behält zwei.

Auf Kontinuität legten beide Seiten sichtbar Wert. Die Partner von Arendt & Medernach behalten eine von beiden Seiten als „bedeutend“ bezeichnete Minderheitsbeteiligung, und mit Claude Niedner und Jean-Marc Ueberecken bleiben zwei der bekanntesten Partner der Kanzlei im Verwaltungsrat von AIS vertreten – an der Seite der BlackFin-Repräsentanten. Das Führungsteam um Vorstandschef Christian Heinen bleibt im Amt; AIS will mit denselben Teams und demselben Servicemodell weiterarbeiten, in enger Zusammenarbeit mit der Kanzlei.

„Die Partner von Arendt halten weiterhin eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen und sind in die strategischen Entscheidungen eingebunden“, hatte Niedner, Verwaltungsratsvorsitzender von AIS und Co-Chair von Arendt, bereits bei der Ankündigung im November erklärt.

Zweiter Luxemburger Zukauf binnen anderthalb Jahren

BlackFin, 2009 in Paris gegründet, investiert ausschließlich in europäische Finanzdienstleister. Das Haus verwaltet mehr als vier Milliarden Euro, unterhält Büros in Paris, Brüssel, Frankfurt, Amsterdam und London und hat über 100 Beteiligungen abgeschlossen. In Luxemburg ist der Investor seit mehr als zehn Jahren aktiv – und AIS ist nicht sein erster Griff nach der dortigen Fondsinfrastruktur: Erst am 28. Februar 2025 hatte BlackFin die Übernahme von Lemanik Asset Management abgeschlossen, einer luxemburgischen Drittparteien-Verwaltungsgesellschaft, die rund 30 Milliarden Euro betreut.

Genau dieses Muster – regulierte Luxemburger Serviceplattformen kaufen und europaweit skalieren – liegt auch dieser Transaktion zugrunde. Laut Paperjam will BlackFin das Luxemburger Modell von AIS in andere Fondszentren exportieren; als mögliche Standorte werden Paris, London, Dublin und Deutschland genannt. Zugleich sind Investitionen in Technologie, einschließlich künstlicher Intelligenz, sowie gezielte Zukäufe geplant.

„Wir freuen uns sehr, diese Transaktion abzuschließen und dieses neue Kapitel gemeinsam mit dem Managementteam von AIS aufzuschlagen. Unser Ziel ist es, das weitere Wachstum des Unternehmens zu unterstützen – durch Investitionen in Technologie, den Ausbau der internationalen Präsenz und gezielte Übernahmen –, und dabei die Kundenorientierung und die unternehmerische Kultur zu bewahren, die AIS so erfolgreich gemacht haben“, sagte Eric May, Gründungspartner von BlackFin Capital Partners.

Ganz ähnlich äußerte sich Heinen am Tag des Abschlusses: „Mit dem Eintritt in dieses neue Kapitel an der Seite von BlackFin bauen wir auf diesen Fundamenten auf. Wir werden bewahren, was AIS erfolgreich gemacht hat, und zugleich neue Dimensionen hinzufügen – größere technologische Fähigkeiten, eine stärkere kommerzielle Reichweite und eine internationalere Aufstellung.“

Konsolidierungswelle erreicht die Kanzleiwelt

Luxemburgs Fondsdienstleistungsbranche – die Administratoren, Verwaltungsgesellschaften, Verwahrstellen und Compliance-Spezialisten, die den zweitgrößten Fondsstandort der Welt am Laufen halten – konsolidiert sich seit geraumer Zeit in hohem Tempo, weil Private-Equity-Käufer auf wiederkehrende, regulierte Erträge setzen. Der Verkauf von AIS zeigt, dass inzwischen selbst Geschäfte zum Markt gehören, die in der prominentesten Kanzlei des Landes gewachsen sind: Laut Paperjam hatte Arendt mehrere unaufgeforderte Partnerschaftsanfragen erhalten, bevor die Wahl auf BlackFin fiel.

Für Arendt eröffnet die Konstruktion Expansionskapital, das eine Anwaltspartnerschaft aus eigener Kraft kaum aufbringen könnte – bei fortbestehender Beteiligung am künftigen Wertzuwachs. Für BlackFin entsteht binnen anderthalb Jahren die zweite Luxemburger Plattform und damit eine Basis, um die nach wie vor fragmentierte europäische Servicelandschaft zu konsolidieren.

Auch das Beraterfeld unterstreicht das Gewicht der Transaktion für den lokalen Markt: Arendt ließ sich bei M&A-Fragen von Deloitte begleiten und – ein seltener Fall, in dem Luxemburgs Spitzenkanzleien auf gegenüberliegenden Seiten eines Deals stehen, der eine von ihnen selbst betrifft – in Rechtsfragen von der Konkurrenzkanzlei Elvinger Hoss Prussen. BlackFin setzte auf Bain & Company (Commercial), PwC (Finanzen, Steuern, Technologie) sowie Clifford Chance und Gide (Recht).

Die neue Phase beginnt nach Angaben von AIS unmittelbar: Dieselben Teams betreuen weiter die bestehenden Kunden, während die Expansionspläne Gestalt annehmen.

Häufig gefragt

Wurde die Anwaltskanzlei Arendt & Medernach verkauft?
Nein. Anwaltskanzleien können nicht an externe Investoren verkauft werden. Übernommen wurde Arendt Investor Services (AIS), die regulierte Fondsdienstleistungssparte der Arendt-Gruppe, zusammen mit dem Drittparteien-AIFM AManco. Die Partner der Kanzlei behalten eine bedeutende Minderheitsbeteiligung.
Wie viel hat BlackFin für die Mehrheit an AIS bezahlt?
Offiziell wurden keine finanziellen Details genannt. Investment Officer und Paperjam berichteten unabhängig voneinander, dass die Transaktion das Unternehmen mit knapp 500 Millionen US-Dollar bewertet.
Was ändert sich für die Kunden von Arendt Investor Services?
Nach Angaben von AIS zunächst nichts: Das Führungsteam um CEO Christian Heinen bleibt im Amt, dieselben Teams arbeiten mit demselben Servicemodell weiter, in enger Zusammenarbeit mit der Kanzlei. Geplant sind Investitionen in Technologie einschließlich KI und eine internationale Expansion.
Warum ist die Übernahme für den Finanzplatz Luxemburg bedeutsam?
Sie zeigt, dass die Private-Equity-Konsolidierung im luxemburgischen Fondsdienstleistungssektor inzwischen selbst Geschäfte erreicht, die innerhalb der größten Kanzlei des Landes aufgebaut wurden. Für BlackFin ist AIS nach Lemanik bereits die zweite Luxemburger Plattform binnen anderthalb Jahren.
Quellen(10)
  1. 1Arendt Completes Acquisition by BlackFin Capital PartnersChronicle.lu · chronicle.lu
  2. 2BlackFin Capital Partners Becomes Majority Stakeholder of Arendt Investor ServicesChronicle.lu · chronicle.lu
  3. 3BlackFin Capital Partners and Arendt join forces to support the expansion of Arendt Investor ServicesArendt · arendt.com
  4. 4BlackFin to become majority shareholder of ArendtAsset Servicing Times · assetservicingtimes.com
  5. 5Arendt sells majority stake in AIS to Blackfin in $500 mln dealInvestment Officer Luxembourg · investmentofficer.lu
  6. 6BlackFin to beef up Arendt Investor ServicesPaperjam · en.paperjam.lu
  7. 7Luxembourg Law Firm Arendt Sells Majority Stake in Investment Services Business to Private Equity Firm BlackFinLaw.com International · law.com
  8. 8BlackFin Capital Partners and Arendt Join Forces to Support the ExpansionBusiness Wire · businesswire.com
  9. 9Blackfin acquires Luxembourg manco Lemanik AMDelano · delano.lu
  10. 10Elvinger Hoss Prussen advised Arendt on partnership with BlackFinElvinger Hoss Prussen · elvingerhoss.lu

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