Wohnungsmarkt

Wohnungsbau in Luxemburg seit 2015 um 54,5 Prozent teurer

Neue Eurostat-Zahlen belegen, wie stark der Wohnungsbau im Großherzogtum binnen zehn Jahren verteuert wurde – stärker als im EU-Mittel und just in einer Phase, in der immer weniger gebaut wird.

Von Sophie Klein · · 4 Min. Lesezeit

Halbfertiges Wohngebäude auf einer Luxemburger Baustelle mit Betonrohbau, Gerüsten, Sicherheitsnetzen und stillstehendem Turmkran unter grauem Himmel.
Ein im Bau befindliches Wohngebäude auf einer Luxemburger Baustelle: Betonrohbau, Gerüste und ein stillstehender Turmkran. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Ein Eigenheim zu errichten, ist im Großherzogtum binnen eines Jahrzehnts erheblich teurer geworden. Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden kletterten zwischen 2015 und 2025 um 54,5 Prozent – das geht aus dem Baukostenindex des EU-Statistikamtes Eurostat hervor. Damit verteuerte sich das Bauen in Luxemburg schneller als im Durchschnitt der Europäischen Union, und der Druck wirkt nun in einen der teuersten Wohnungsmärkte des Kontinents hinein.

Die Zahl, die das Luxemburger Tageblatt L'essentiel am 29. Juni aufgriff, hebt das Land über den EU-weiten Anstieg von 48,2 Prozent im selben Zeitraum. Sie fällt in eine Phase, in der das Großherzogtum mit einer Baukrise ringt: Es entstehen längst nicht so viele neue Wohnungen, wie die Politik für nötig hält.

Was die Statistik offenlegt

Eurostat meldete am 25. Juni, dass die Baupreise für neue Wohngebäude EU-weit zwischen 2015 und 2025 um 48,2 Prozent zulegten. Die stärksten Sprünge verzeichneten mittel- und osteuropäische Staaten – Bulgarien führt mit 166,1 Prozent, gefolgt von Ungarn mit 155,4 Prozent und Rumänien mit 130,7 Prozent –, während Italien, Griechenland und Finnland die geringsten Zuwächse meldeten. Luxemburgs 54,5 Prozent liegen über dem Schnitt der Gemeinschaft, aber weit entfernt von der Spitze.

Ein Großteil des Anstiegs ballte sich in wenigen Jahren. Das jährliche EU-Preiswachstum erreichte 5,8 Prozent im Jahr 2021, 12,2 Prozent 2022 und 6,9 Prozent 2023, ehe es sich auf 2,3 Prozent 2024 und 1,3 Prozent 2025 abschwächte. Eurostats Quartalsreihe für Luxemburg, auf das Basisjahr 2021 umgestellt, stand im Schlussquartal 2025 bei 131,4 Punkten – mehr als 30 Prozent über dem Niveau von 2021.

Das nationale Statistikamt STATEC bildet denselben Trend mit eigenem Maßstab ab. Sein Index, ausgedrückt auf der Basis 100 im Jahr 1970 und herangezogen zur Anpassung der meisten Brandversicherungsverträge sowie der Preise von Verkäufen im Bauträgermodell, erreichte im Oktober 2025 nach Jahren stetiger Zuwächse 1.173,24 Punkte.

Was den Preisschub antrieb

Der Anstieg über zehn Jahre verdankt sich weniger einer behäbigen Teuerung als den Angebotsschocks der frühen 2020er-Jahre. STATEC führt die Eskalation auf die Covid-19-Pandemie und Russlands Einmarsch in die Ukraine zurück, die Material- und Kraftstoffpreise nahezu zeitgleich in die Höhe trieben. Auf dem Höhepunkt 2022 sprang der allgemeine Index der Behörde binnen eines einzigen Halbjahres um 8,6 Prozent, und die jährlichen Wohnbaupreise stiegen um 13,9 Prozent – die höchste Jahresrate seit April 1975.

Dieser neuerliche, außergewöhnliche und allgemeine Anstieg, der sämtliche Gewerke betrifft, erklärt sich vor allem aus der Beschleunigung der Preise zahlreicher Baumaterialien und Erdölprodukte. – STATEC

Die Belastung erfasste jedes Gewerk. Zu den von STATEC genannten Kostentreibern zählen:

  • Material – Sand, Bewehrungsstahl, Mauerwerk, Dämmstoffe und Holz, dessen Preis 2021 und 2022 besonders steil anzog;
  • Energie – Erdölprodukte, die Erdarbeiten, Transport und Baustellenmaschinen verteuerten;
  • Löhne – Luxemburgs automatische Lohnindexierung, die die Bezahlung in der gesamten Branche anhob;
  • Einzelne Gewerke – Dacharbeiten, deren Preise zwischen 2020 und April 2025 um 45,5 Prozent stiegen.

Inzwischen hat sich das Preiswachstum beruhigt. STATEC ermittelte für den allgemeinen Index zwischen Oktober 2024 und April 2025 ein Plus von 1,3 Prozent und 1,5 Prozent binnen Jahresfrist, während der Rohbau im folgenden Halbjahr nur um 0,6 Prozent zulegte – nahe am Jahresdurchschnitt von 1,0 Prozent, der zwischen 2010 und 2019 galt. Doch die Entspannung setzt auf einem Jahrzehnt aufeinanderfolgender Anstiege auf, sodass die absoluten Baukosten weit über dem Stand von 2015 verharren.

Baukrise trifft auf eine Mauer der Unbezahlbarkeit

Höhere Kosten kollidieren mit einem scharfen Einbruch der Bautätigkeit. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen sinkt seit drei Jahren in Folge; 2024 wurden rund 4.025 Wohnungen genehmigt, ein Minus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und Anfang 2025 fiel der Rückgang noch deutlicher aus. Die unabhängige Wirtschafts-Denkfabrik Fondation IDEA warnt, dass das Regierungsziel von rund 6.000 Wohnungen pro Jahr kaum zu erreichen sein dürfte – obwohl der jährliche Bedarf auf 5.600 bis 7.500 Einheiten geschätzt wird.

Besonders fragil wirkt das Neubausegment. Die Zahl der Verkäufe im Bauträgermodell (VEFA) sank im ersten Quartal 2026 laut Wohnungsbauministerium um 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem STATEC dem Segment schon Ende 2025 eine strukturelle Schwäche attestiert hatte. Die gesamten Hauspreise, die 2023 um 9,1 Prozent und 2024 um 5,2 Prozent fielen, kehrten 2025 zu einem moderaten Wachstum von 1,6 Prozent zurück und lagen Anfang 2026 um 1,7 Prozent über dem Vorjahr – sie stabilisieren sich also auf hohem Niveau, statt nachzugeben. Die Mieten dagegen stiegen weiter, die inserierten Wohnungsmieten um 4,4 Prozent binnen Jahresfrist.

Für Ökonomen rückt die Klemme eine unbequeme Frage in den Vordergrund: Wer kann sich das Leben im Großherzogtum überhaupt noch leisten? Michel-Edouard Ruben, leitender Ökonom der Fondation IDEA, fasste das Dilemma ungeschönt und argumentierte, dass das Recht auf Wohnen nicht automatisch ein Recht auf Wohnen innerhalb der luxemburgischen Grenzen bedeute:

„Das Recht auf Wohnen? Selbstverständlich. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass man in Luxemburg wohnen muss“, sagte er.

Die Baukostendaten verschärfen diese Debatte. Da ein Eigenheim heute mehr als anderthalb Mal so teuer zu errichten ist wie vor zehn Jahren, ist die Kluft zwischen dem, was Bauträger investieren müssen, und dem, was Käufer und Mieter aufbringen können, zu einer der prägenden Belastungen des Luxemburger Wohnungsmarktes geworden – und sie wird sich allein durch eine nachlassende Teuerung kaum schließen lassen.

Häufig gefragt

Um wie viel sind die Baupreise in Luxemburg seit 2015 gestiegen?
Laut Eurostat verteuerte sich der Neubau von Wohngebäuden in Luxemburg zwischen 2015 und 2025 um 54,5 Prozent. Das liegt über dem EU-weiten Anstieg von 48,2 Prozent im selben Zeitraum, aber deutlich unter Spitzenreitern wie Bulgarien (+166,1 %).
Warum sind die Baukosten so stark gestiegen?
STATEC führt den Schub vor allem auf die Covid-19-Pandemie und den Ukraine-Krieg zurück, die Material- und Kraftstoffpreise zeitgleich nach oben trieben. Hinzu kamen teurere Dämmstoffe, Stahl und Holz, höhere Energiekosten sowie die automatische Lohnindexierung. 2022 stiegen die Wohnbaupreise um 13,9 Prozent – so stark wie seit April 1975 nicht mehr.
Hat sich der Preisanstieg inzwischen verlangsamt?
Ja. STATEC verzeichnete für den allgemeinen Index zwischen Oktober 2024 und April 2025 nur noch ein Plus von 1,3 Prozent, der Rohbau legte im folgenden Halbjahr lediglich um 0,6 Prozent zu. Das absolute Kostenniveau bleibt jedoch weit über dem von 2015.
Welche Folgen hat das für den Wohnungsmarkt?
Die hohen Kosten treffen auf eine Baukrise: Baugenehmigungen sinken seit drei Jahren, 2024 wurden nur rund 4.025 Wohnungen genehmigt. VEFA-Neubauverkäufe fielen Anfang 2026 um 18,2 Prozent, während Hauspreise (+1,7 % im Jahresvergleich) und Mieten (+4,4 %) weiter steigen.
Quellen(11)
  1. 1Logements au Luxembourg: +54% en dix ans: les prix de la construction ont bondiL'essentiel · lessentiel.lu
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  3. 3Bulgaria Records Highest Increase of Residential Buildings Construction Prices in EU for 2015-2025Bulgarian News Agency (BTA) · bta.bg
  4. 4STATNEWS - Tendance croissante des prix dans la construction résidentielle (octobre 2025)STATEC · statistiques.public.lu
  5. 5Construction prices are back on the rise, says StatecPaperjam · en.paperjam.lu
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