Machtwechsel in London

Reeves erklärt Burnham zum nächsten Premier – und lässt die eigene Zukunft offen

Die Schatzkanzlerin erklärte Andy Burnham zum kommenden Regierungschef und betonte die Fortführung ihrer Haushaltsregeln – ob sie selbst im Finanzressort bleibt, ließ sie ausdrücklich offen.

Von Camille Reuter · · 4 Min. Lesezeit

Die schwarze Eingangstür von 10 Downing Street, dem Amtssitz des britischen Premierministers
Die schwarze Tür von 10 Downing Street, Amtssitz des britischen Premierministers. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Es war eine Empfehlung mit Kalkül: Schatzkanzlerin Rachel Reeves hat am Donnerstag den Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, zum nächsten britischen Premierminister erklärt – und seinen erwarteten Aufstieg zugleich als Garantie für wirtschaftliche Verlässlichkeit verkauft. Ob sie selbst an der Spitze des Finanzministeriums bleibt, ließ sie dabei bewusst unbeantwortet.

Vor dem Kongress der British Chambers of Commerce und in einem BBC-Interview am selben Tag sagte Reeves, Burnham „wird der nächste Premierminister sein" und habe sich klar zu ihren Haushaltsregeln bekannt. Die Äußerungen, über die Reuters berichtete, fielen drei Tage nach dem Rücktrittsankündigung von Premierminister Keir Starmer – und beantworteten faktisch die Frage, wer die regierende Labour-Partei künftig führt.

Reeves nutzte ihr Plädoyer, um Wirtschaft und Finanzmärkte zu beruhigen: Der Wechsel an der Spitze bedeute keinen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik. Burnhams Bekenntnis zu ihrem Rahmenwerk – die laufenden Ausgaben durch Steuereinnahmen zu decken und die Schuldenquote im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sinken zu lassen – stehe für Beständigkeit, so ihre Argumentation laut Reuters.

Das ist eine gute Sache, denn es bedeutet, dass die Unternehmen hier darauf vertrauen können, dass diese Stabilität, diese Strenge in der Politikgestaltung, dieser feste Griff auf die öffentlichen Finanzen … fortgeführt wird.

Klares Bekenntnis, kalkulierte Zurückhaltung

Zur eigenen Person blieb Reeves auffallend vage. Medienberichten zufolge könnte sie bei einer Regierungsbildung Burnhams auf einen weniger gewichtigen Posten verschoben werden; als mögliche Nachfolger im Finanzressort kursieren die Namen Wes Streeting, Ed Miliband, Pat McFadden und Yvette Cooper. Auf die Spekulationen ließ sie sich nicht ein.

„Ich unterstütze Andy. Ich glaube, er wäre ein großartiger Premierminister, aber das sind seine Entscheidungen, nicht meine", sagte sie dem Sender BBC. Auf die Frage, ob sie Schatzkanzlerin bleiben wolle, antwortete sie lediglich: „Ich werde den Entscheidungen, die der neue Premierminister treffen wird, nicht vorgreifen."

Bemerkenswert ist, dass Reeves nicht selbst nach der Parteiführung griff. Seit Jahren enge Verbündete Starmers, stellte sie ihren Vorstoß als Frage der Stabilität dar, nicht des persönlichen Ehrgeizes – und reihte sich hinter dem klaren Favoriten ein, statt eine eigene Bewerbung zu wagen.

Ein Rennen, das eine Krönung werden dürfte

Burnham ist bislang der einzige erklärte Kandidat für die Starmer-Nachfolge und gilt weithin als gesetzt. Den Weg zurück ins Parlament sicherte er sich am 18. Juni mit dem Sieg bei der Nachwahl in Makerfield – rund 25.000 Stimmen, eine Mehrheit von über 9.200. Damit verfügt der langjährige Metro-Bürgermeister über den Sitz im Unterhaus, den er für eine Kandidatur braucht.

Vollends frei wurde seine Bahn, als Streeting, der frühere Gesundheitsminister und einst sein wichtigster Rivale, auf eine Bewerbung verzichtete und sich seinerseits hinter Burnham stellte. Nach den Regeln Labours benötigt ein Bewerber die Nominierung von mindestens 81 Abgeordneten der Partei, um auf den Stimmzettel zu gelangen.

  • 22. Juni: Starmer kündigt seinen Rücktritt als Premierminister und Labour-Vorsitzender an.
  • 9. Juli: Die Nominierungsfrist im Rennen um den Parteivorsitz beginnt.
  • 16. Juli: Die Frist endet; ein konkurrenzloser Burnham könnte bestätigt werden.
  • Mitte Juli: Bleibt ein Herausforderer aus, könnte Burnham um den 17. Juli in die Downing Street einziehen.

Sollte er das Amt übernehmen, wäre Burnham der siebte britische Regierungschef binnen eines Jahrzehnts, wie Reuters anmerkte – ein Gradmesser für die politische Unruhe, die Westminster seit dem EU-Referendum von 2016 erfasst hat.

Warum der Wechsel über Großbritannien hinaus zählt

Der Personalwechsel an der Spitze einer großen europäischen Volkswirtschaft hat Gewicht weit über das Vereinigte Königreich hinaus. Großbritannien bleibt einer der wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union und ein bedeutender Markt für Investoren aus der Eurozone; abrupte Führungswechsel haben in den vergangenen Jahren wiederholt Wellen an den Devisen- und Anleihemärkten ausgelöst.

Diesmal fiel die erste Marktreaktion verhalten bis positiv aus. Das Pfund legte nach Reeves' Auftritt zu und notierte im europäischen Handel gegenüber dem US-Dollar rund 0,2 Prozent höher bei etwa 1,3200, wie FXStreet berichtete – ein Zeichen, dass Anleger ihre Botschaft fiskalischer Kontinuität eher beruhigend als verunsichernd lasen.

Für Luxemburg, wo der Finanzplatz und grenzüberschreitende Investoren die britische Politik genau verfolgen, zählt vor allem ein Signal: Beständigkeit. Ein neuer Premier, der sich öffentlich zu den bestehenden Haushaltsregeln bekennt, empfohlen von der Schatzkanzlerin, die sie verfasst hat. Ob diese Kontinuität eine Kabinettsumbildung übersteht – und ob Reeves selbst im Finanzministerium bleibt, um sie durchzusetzen –, ließen ihre vorsichtigen Antworten am Donnerstag bewusst offen.

Starmers Rücktritt folgte auf eine quälende Phase für Labour: schwere Verluste bei den Kommunalwahlen am 7. Mai und eine Kaskade von Ministerrücktritten im Mai und Juni. Burnham, der sich als Bürgermeister mit einem Kurs links der Parteimitte und Forderungen nach mehr Regionalkompetenzen für England ein nationales Profil aufgebaut hat, steht nun an der Schwelle zu jenem Amt, das ihm seit Langem zugetraut wird.

Häufig gefragt

Wen unterstützt Rachel Reeves als nächsten Premierminister?
Reeves stellte sich öffentlich hinter Andy Burnham, den Bürgermeister von Greater Manchester. Sie sagte, er werde der nächste Premierminister sein und habe sich zu ihren Haushaltsregeln bekannt.
Bleibt Reeves Schatzkanzlerin?
Das ließ sie offen. Sie wolle den Entscheidungen des neuen Premiers nicht vorgreifen. Medienberichten zufolge könnte sie auf einen geringeren Posten verschoben werden; als Nachfolger werden Streeting, Miliband, McFadden und Cooper genannt.
Wann könnte Burnham Premierminister werden?
Die Nominierungen laufen vom 9. bis 16. Juli 2026. Als bislang einziger Kandidat könnte Burnham bei freier Bahn um den 17. Juli in die Downing Street einziehen.
Warum ist der Wechsel für Luxemburg relevant?
Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner der EU. Für den Luxemburger Finanzplatz zählt das Signal fiskalischer Kontinuität; das Pfund legte nach Reeves' Äußerungen leicht zu.
Quellen(7)
  1. 1UK's Reeves backs Burnham for prime minister, defers on own roleReuters (via U.S. News & World Report) · usnews.com
  2. 2UK Chancellor says Burnham would provide stability as prime ministerReuters (via Cyprus Mail) · cyprus-mail.com
  3. 3Andy Burnham prepares for a UK Labour leadership contest that may be a coronationPBS NewsHour / Associated Press · pbs.org
  4. 42026 Labour Party leadership crisisWikipedia · en.wikipedia.org
  5. 5UK's Reeves: Andy Burnham will be the next Prime MinisterFXStreet · fxstreet.com
  6. 6Chancellor Rachel Reeves backs Burnham for Prime MinisterEastern Eye · easterneye.biz
  7. 7Reeves backs Burnham despite fears she could be demoted in Cabinet shake-upLondon Loves Business · londonlovesbusiness.com

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