Verteidigungspolitik
Luxemburg legt 30 Millionen Dollar für die Ukraine nach
In Brüssel sagt Verteidigungsministerin Yuriko Backes einen frischen Beitrag zum NATO-Fonds für US-Waffen an Kiew zu — während das Großherzogtum seinen Wehretat steil nach oben fortschreibt.
Von Camille Reuter · · 4 Min. Lesezeit

Luxemburg stockt seine militärische Unterstützung für die Ukraine erneut auf. Bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel sagte das Großherzogtum am Donnerstag, dem 18. Juni 2026, weitere öffentliche Mittel für jenen Fonds zu, über den die Allianz Kiew mit Waffen versorgt — eine Zusage, die fällt, während die NATO ihre Mitglieder zugleich zu höheren Wehretats drängt.
Verteidigungsministerin Yuriko Backes kündigte vor den versammelten Ressortchefs und der Ukraine-Kontaktgruppe an, Luxemburg werde zusätzliche Gelder in die Prioritised Ukraine Requirements List (PURL) einzahlen — den Mechanismus, mit dem das Bündnis in den USA gefertigte Rüstungsgüter für die Ukraine finanziert. Die offizielle Mitteilung der luxemburgischen Regierung beziffert den Betrag auf 30 Millionen Dollar; das Portal Chronicle.lu gab ihn als rund 26,2 Millionen Euro an — dieselbe Summe, in Euro umgerechnet.
Die Ankündigung fiel beim 35. Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe im NATO-Hauptquartier, das vom deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius gemeinsam mit dem britischen Minister Dan Jarvis geleitet wurde. Rund 50 Verteidigungsminister von Partnerländern nahmen teil, ebenso der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Beraten wurden die militärische Lage und Kiews dringlichste Bedürfnisse. Das Treffen war zugleich Wegmarke vor dem NATO-Gipfel, der für den 7. und 8. Juli 2026 in Ankara angesetzt ist.
Wofür das Geld bestimmt ist
PURL ist ein Beschaffungskanal, auf den sich die Vereinigten Staaten und die NATO im Juli 2025 verständigt haben. Statt dass jedes Land Waffen einzeln einkauft, zahlen die Verbündeten in gemeinsame Pakete ein, aus denen die USA amerikanische Rüstungsgüter liefern — von Abfangraketen für Patriot-Systeme bis zu weiteren Posten, die die Ukraine als vorrangig benennt und mit Washington und der NATO abstimmt. Es handelt sich ausdrücklich um militärische Mittel, nicht um humanitäre oder finanzielle Hilfe.
Der Mechanismus ist rasch gewachsen. Im Dezember 2025 teilte die NATO mit, Verbündete und Partner hätten über PURL-Pakete mehr als vier Milliarden Dollar bereitgestellt; spätere Berichte nennen Größenordnungen von etwa 5,5 Milliarden Dollar. Rund 25 NATO-Mitglieder sowie mehrere Partner beteiligen sich; seit August 2025 sagen die Verbündeten in der Größenordnung von einer Milliarde Dollar pro Monat zu. Luxemburgs jüngste Tranche ist in diesem Rahmen klein — doch sie fließt unmissverständlich in Rüstung.
„Luxemburg wird seiner Verantwortung in vollem Umfang gerecht, und wir unterstützen das Ziel eines stärkeren Europas in einer stärkeren NATO“, sagte Backes der Darstellung der luxemburgischen Regierung zufolge.
In Brüssel mahnte die Ministerin zugleich einen Vorbehalt an, den mehrere europäische Hauptstädte teilen: Ein Rückzug amerikanischer Truppen und Fähigkeiten aus Europa müsse durch einen entsprechenden Aufbau europäischer Verteidigung ausgeglichen werden. Die Verbündeten bräuchten Planbarkeit und einen realistischen Zeitplan, während die NATO ihr Streitkräftemodell anpasst.
Eine wachsende Rechnung
Die Zusage fügt sich in eine steigende Linie luxemburgischer Hilfe für Kiew. Nach Regierungsangaben erreichte die militärische Unterstützung 2025 rund 155 Millionen Euro — darin enthalten ein erster Beitrag von 30 Millionen Euro für PURL, geleistet in zwei Tranchen von je 15 Millionen. Für 2026 hatte die Regierung mindestens 100 Millionen Euro an zusätzlicher militärischer Hilfe eingeplant; die Brüsseler Ankündigung ist die erste konkrete PURL-Investition des Jahres.
Kumuliert beläuft sich Luxemburgs militärische Hilfe seit dem russischen Überfall im Februar 2022 auf etwa 414 Millionen Euro. Rechnet man humanitäre Hilfe und Unterstützung für Vertriebene hinzu, überschritt die Gesamthilfe des Großherzogtums laut einer Aufstellung von Chronicle.lu bis Mai 2025 die Marke von 550 Millionen Euro. Für ein Land mit rund 670.000 Einwohnern zählen die Pro-Kopf-Werte zu den höchsten in Europa.
- Aktuelle Zusage: 30 Millionen Dollar (etwa 26 Millionen Euro) für PURL, verkündet am 18. Juni 2026.
- Militärhilfe 2025: rund 155 Millionen Euro, darunter erstmals 30 Millionen für PURL.
- Planung 2026: mindestens 100 Millionen Euro zusätzliche Militärhilfe.
- Seit 2022: etwa 414 Millionen Euro militärische Unterstützung.
Der Etat unter Druck
Der Beitrag fällt in eine Zeit, in der Luxemburg vor der zentralen Sicherheitsfrage von NATO und EU steht: Wie weit und wie schnell sollen die Wehretats steigen? Beim Gipfel in Den Haag im Juni 2025 verpflichteten sich die Mitglieder, bis 2035 fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung aufzuwenden — 3,5 Prozent für die Kernverteidigung und weitere 1,5 Prozent für breitere verteidigungs- und sicherheitsbezogene Ausgaben. Luxemburg misst seinen Beitrag am Bruttonationaleinkommen (BNE) statt am Bruttoinlandsprodukt, weil das BIP durch Grenzpendler und Finanzströme stark aufgebläht ist und die tatsächliche Leistungsfähigkeit verzerren würde.
Am 20. Mai 2026 legte Backes einen Fahrplan vor, der den Wehretat bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich um 0,1 Prozentpunkte anhebt: 2,1 Prozent des BNE (1.373 Millionen Euro) im Jahr 2027, 2,2 Prozent (1.513 Millionen Euro) 2028 und 2,3 Prozent (1.665 Millionen Euro) 2029. Nach Schätzung des unabhängigen Conseil national des finances publiques würde das Den-Haag-Ziel die jährlichen Verteidigungsausgaben von 1,18 Milliarden Euro (2025) auf 4,63 Milliarden Euro (2035) treiben — nahezu eine Vervierfachung — bei kumulativen Mehrkosten von rund 13,4 Milliarden Euro über das Jahrzehnt.
Backes versteht diesen Aufwuchs als bewusste, maßvolle Antwort, nicht als Sprint. „Wir investieren damit in unsere nationale Verteidigung und in ein stärkeres Europa. Es geht nicht darum, ein Wettrüsten zu betreiben“, sagte sie bei der Vorstellung des Fahrplans und ergänzte: „Die Verteidigung Europas beginnt in der Ukraine, und dieser Plan bekräftigt unsere uneingeschränkte Solidarität mit der Bevölkerung und den Streitkräften der Ukraine.“
Vorerst setzt die Brüsseler Zusage ein konkretes, wenn auch bescheidenes Zeichen für diese Haltung: Ein kleines NATO-Mitglied übersetzt politische Solidarität in bares Geld — für jene Waffen, die Kiew nach eigener Aussage am dringendsten benötigt.
Häufig gefragt
- Was ist PURL und was finanziert der Fonds?
- Die Prioritised Ukraine Requirements List (PURL) ist ein im Juli 2025 zwischen den USA und der NATO vereinbarter Beschaffungskanal. Verbündete zahlen in gemeinsame Pakete ein, aus denen die USA in Amerika gefertigte Waffen und Ausrüstung — etwa Patriot-Abfangraketen — an die Ukraine liefern. Es handelt sich um militärische Mittel, nicht um humanitäre Hilfe.
- Wie hoch ist der neue luxemburgische Beitrag genau?
- Die offizielle Regierungsmitteilung nennt 30 Millionen Dollar. Da PURL US-Waffen finanziert und damit in Dollar abgerechnet wird, ist dies die maßgebliche Angabe. Chronicle.lu gab dieselbe Summe als rund 26,2 Millionen Euro an — eine Umrechnung; gängig ist die Einordnung als etwa 26 Millionen Euro.
- Warum misst Luxemburg seine Verteidigungsausgaben am BNE statt am BIP?
- Luxemburgs Bruttoinlandsprodukt ist durch Grenzpendler und Finanzströme stark aufgebläht. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) bildet die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Landes realistischer ab, weshalb das Großherzogtum seine Verteidigungsquote daran misst.
- Wie viel will Luxemburg künftig für Verteidigung ausgeben?
- Der Fahrplan vom 20. Mai 2026 sieht 2,1 Prozent des BNE (1.373 Mio. Euro) 2027, 2,2 Prozent (1.513 Mio. Euro) 2028 und 2,3 Prozent (1.665 Mio. Euro) 2029 vor. Im Einklang mit dem Den-Haag-Ziel von fünf Prozent bis 2035 soll der Etat von 1,18 Milliarden Euro (2025) auf 4,63 Milliarden Euro (2035) steigen.
Quellen(9)
- 1Luxembourg Announces Additional €26m for Ukraine at NATO MeetingChronicle.lu · chronicle.lu
- 2Yuriko Backes à la réunion des ministres de la Défense de l'OTAN et au Ukraine Defence Contact Group à Bruxelles (communiqué, 18 juin 2026)Le gouvernement luxembourgeois · gouvernement.lu
- 3Ukraine : le Luxembourg débloque 30 millions supplémentairesLe Quotidien · lequotidien.lu
- 4Luxembourg's Aid to Ukraine ExplainedChronicle.lu · chronicle.lu
- 5Luxembourg Announces Additional €15m Military Support for UkraineChronicle.lu · chronicle.lu
- 6Luxembourg Sets Defence Spending Trajectory Through 2029Chronicle.lu · chronicle.lu
- 7Yuriko Backes presents Luxembourg's defence spending roadmap to 2029The Luxembourg Government · gouvernement.lu
- 8Prioritised Ukraine Requirements ListWikipedia · en.wikipedia.org
- 9NATO Allies and partners fund over 4 billion in PURL packages for UkraineNATO · nato.int
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