Kulturpolitik

Luxemburg setzt bis 2029 auf die Eurovision – und auf staatliches Geld

Die Regierung hat öffentlich finanzierte Teilnahmen für 2027, 2028 und 2029 bewilligt. Aus dem teuren Comeback wird damit eine mehrjährige Wette auf Europas größte Musikbühne.

Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

Menschenleere Bühne eines nationalen Eurovision-Vorentscheids in einem luxemburgischen Konzertsaal, ein Spotlight beleuchtet ein leeres Mikrofon mit kleiner Nationalflagge.
Eine verlassene Vorentscheidungsbühne in einem luxemburgischen Konzertsaal, beleuchtet von einem einzelnen Spotlight auf einem leeren Mikrofonständer mit kleiner Nationalflagge, bevor das Publikum eintrifft. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Luxemburg bleibt der Eurovision treu – und zwar gleich für drei weitere Ausgaben. Aus dem einmaligen Comeback von 2024 wird ein mehrjähriges, aus Steuermitteln finanziertes Engagement auf der meistgesehenen Kulturbühne Europas. Wie RTL Luxembourg und einschlägige Branchenmedien berichten, billigte die Regierung am 16. Juni die Teilnahme an den Wettbewerben 2027, 2028 und 2029; die öffentliche Förderung ist dabei bis zum Ende des Jahrzehnts zugesagt. Eine konkrete Summe nannte die Regierung nicht.

Damit endet eine monatelange Hängepartie. Nach dem enttäuschenden Abschneiden 2026 war offen, ob das Großherzogtum überhaupt dabeibleiben würde – ein Projekt, das erst vor zwei Jahren nach 31 Jahren Pause wiederbelebt worden war. RTL Luxembourg, der kommerzielle Sender, der den luxemburgischen Beitrag organisiert, begrüßte den Beschluss ausdrücklich.

RTL Luxembourg begrüßt die Entscheidung der Regierung, Luxemburgs Teilnahme am Eurovision Song Contest für die kommenden drei Ausgaben zu bewilligen.

Der Sender wertete die Zusage weniger als Triumph denn als Frage der Verlässlichkeit. „Diese Entscheidung schafft die nötige Sichtbarkeit und Stabilität, um das Eurovision-Projekt in Luxemburg weiterzuentwickeln und die Präsenz des Landes in der europäischen Musikszene zu stärken“, hieß es in der Mitteilung.

Ein Comeback auf Kosten der Allgemeinheit

Luxemburg gehört zu den Gründungsnationen des Wettbewerbs und ist fünffacher Sieger – 1961, 1965, 1972, 1973 und 1983. Nach 1993 zog sich das Land jedoch aus Kostengründen zurück und blieb eine Generation lang fern. Die Rückkehr 2024, der erste Beitrag nach 31 Jahren, war ein teures Unterfangen: Für die erste nationale Vorentscheidung samt Kampagne wurde ein Budget von mehr als 1,1 Millionen Euro genannt, einschließlich Produktion, Werbung und der Reise in die Gastgeberstadt Malmö. Gewinn habe man dabei nicht gemacht, so RTL; rund 125.000 Euro seien geschätzt in den Wettbewerb des Folgejahres zurückgeflossen.

Getragen wurde dieses Comeback von einer staatlichen Fördervereinbarung für die Jahre 2023 bis 2026. Die neue Zusage verlängert und erneuert diese Abmachung faktisch um drei weitere Jahre. Wie hoch die jüngste Förderung ausfällt, haben die Behörden bislang nicht öffentlich gemacht; auch die genauen Kosten der Teilnahme zwischen 2027 und 2029 bleiben offen.

Die politische Vorarbeit war Wochen zuvor geleistet worden. Vor der Abgeordnetenkammer hatte Premierminister Luc Frieden im Mai signalisiert, dass die Regierung die Teilnahme erneut unterstützen werde. Er lobte die „ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen RTL und der Rockhal“ bei der Vorentscheidung und betonte, Ziel sei es, luxemburgischen Künstlerinnen und Künstlern echten Auftrieb zu geben.

Luxemburg bleibt entschlossen, sich auch künftig am Eurovision Song Contest zu beteiligen.

Mitglieder der luxemburgischen Delegation – darunter Dave Gloesener – stellten zugleich klar, dass die Förderung nicht von der Platzierung abhänge. Eine bemerkenswerte Festlegung angesichts des Ergebnisses von 2026.

So fällt die Wahl des Beitrags

Seinen Vertreter bestimmt Luxemburg über ein im Fernsehen übertragenes nationales Finale, den von RTL organisierten Luxembourg Song Contest. Die vierte Ausgabe, die den Beitrag für die Eurovision 2027 kürt, ist für Samstag, den 30. Januar 2027, in der Rockhal in Esch-Belval (Esch an der Alzette) angesetzt, dem wichtigsten Konzertsaal des Landes. Einzelheiten zum Format und der Aufruf zur Bewerbung sollen im Juli bekannt gegeben werden.

Der Wettbewerb 2027 – die 71. Ausgabe – wird in Bulgarien ausgetragen. Die jüngste luxemburgische Bilanz fällt durchwachsen aus:

  • 2024: Tali erreichte mit „Fighter“ das große Finale und belegte mit 103 Punkten Rang 13.
  • 2025: Laura Thorn qualifizierte sich mit „La poupée monte le son“ aus dem Halbfinale und landete mit 47 Punkten auf Platz 22.
  • 2026: Eva Marija scheiterte mit „Mother Nature“ am Halbfinale – die erste verpasste Qualifikation seit der Rückkehr des Landes.

Warum sich ein kleines Land den Auftritt leistet

Für eine Nation von rund 670.000 Menschen liegt der Reiz in der Reichweite. Die Eurovision zählt zu den größten Live-Unterhaltungsereignissen der Welt, und gemessen an der Größe Luxemburgs ist die Bühne gewaltig. Nach Angaben der Europäischen Rundfunkunion, die den Wettbewerb ausrichtet, erreichte die Ausgabe 2025 in Basel 166 Millionen Menschen in 37 öffentlich-rechtlichen Märkten – drei Millionen mehr als im Vorjahr. Das große Finale kam auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 47,7 Prozent, den höchsten seit 2004; bei den 15- bis 24-Jährigen waren es sogar 60,4 Prozent.

Diese Reichweite ist das eigentliche Argument der weichen Macht. Drei Minuten auf der Eurovision-Bühne stellen den Namen, die Sprache und die Musikbranche eines Landes vor ein Publikum, das kein vergleichbares Werbebudget je kaufen könnte. Befürworter verweisen darauf, dass eine heimische Szene gefördert werde, die vor 2024 kaum ein internationales Schaufenster hatte. Kritiker halten dagegen, der Ertrag lasse sich schwer messen – und die Rechnung lande am Ende beim Steuerzahler.

Mit der Festlegung bis 2029 behandelt Luxemburg die Eurovision weniger als jährliches Wagnis denn als feste kulturelle Infrastruktur – als wiederkehrenden Posten im Kulturhaushalt statt als Frage, die jeden Frühling neu aufgeworfen wird. Die nächste Bewährungsprobe steht im Januar in Esch-Belval an, wenn die Suche nach dem Beitrag für 2027 beginnt.

Häufig gefragt

Für welche Jahre hat Luxemburg die Eurovision-Teilnahme zugesagt?
Die Regierung bewilligte am 16. Juni 2026 die Teilnahme an den Ausgaben 2027, 2028 und 2029, mit öffentlicher Förderung bis zum Ende des Jahrzehnts. Eine genaue Summe wurde nicht veröffentlicht.
Wann und wo findet die nächste luxemburgische Vorentscheidung statt?
Der Luxembourg Song Contest zur Kür des Beitrags für 2027 ist für Samstag, den 30. Januar 2027, in der Rockhal in Esch-Belval angesetzt. Format und Bewerbungsaufruf sollen im Juli bekannt gegeben werden.
Wie hat Luxemburg seit seiner Rückkehr abgeschnitten?
2024 erreichte Tali mit „Fighter“ Platz 13 (103 Punkte), 2025 belegte Laura Thorn Platz 22 (47 Punkte), und 2026 verpasste Eva Marija mit „Mother Nature“ erstmals seit der Rückkehr die Qualifikation.
Was kostete die Rückkehr 2024?
Für die erste nationale Auswahl samt Werbung und Reise nach Malmö wurde ein Budget von mehr als 1,1 Millionen Euro genannt. RTL machte keinen Gewinn; geschätzte 125.000 Euro flossen in den Wettbewerb des Folgejahres.
Quellen(10)
  1. 1Luxembourg: Eurovision Participation Confirmed for Next Three EditionsEurovoix · eurovoix.com
  2. 2Luxembourg government secures Eurovision participation for next three editionsESCToday · esctoday.com
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  4. 4Luxembourg Song Contest 2027 Set for January at RockhalChronicle.lu · chronicle.lu
  5. 5Luxembourg intends to participate at Eurovision 2027ESCToday · esctoday.com
  6. 6Luxembourg: Continued Eurovision Participation Dependent on Government Funding DecisionEurovoix · eurovoix.com
  7. 7Luxembourg: With a budget of more than a million euros to Eurovision 2024!Eurovision Fun · eurovisionfun.com
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  9. 9Eurovision Song Contest 2025: Record-breaking reach as world's largest music event unites global audiencesEuropean Broadcasting Union · ebu.ch
  10. 10Luxembourg at the Eurovision Song ContestGovernment of Luxembourg (public.lu) · luxembourg.public.lu

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