Währung und Monarchie
Erste Euromünzen mit dem Bildnis von Großherzog Guillaume geprägt
Bei der Erstprägung in der Pariser Münze prägte der Großherzog am 7. Juli sein eigenes Antlitz in acht Stückelungen. Ab dem 13. Juli lösen sie schrittweise das Profil seines Vaters Henri ab.
Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

Kleingeld verändert sich selten, doch wenn es geschieht, hält ein ganzes Land den Wechsel buchstäblich in der Hand. Am Dienstag, dem 7. Juli, hat Großherzog Guillaume in der Industrieprägestätte der Monnaie de Paris im südwestfranzösischen Pessac bei Bordeaux die erste Prägung von Euromünzen seiner Regentschaft ausgelöst — Münzen, die von nun an sein eigenes Bildnis tragen. Für das Großherzogtum ist es der erste greifbare Alltagsbeweis dafür, dass ein neuer Souverän auf dem Thron sitzt.
Guillaume war am 3. Oktober 2025 Staatsoberhaupt geworden, als sein Vater, Großherzog Henri, nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze des Landes abdankte. Münzen gehören zu den beständigsten Sinnbildern einer Regentschaft — und ihre Neugestaltung zu den sichtbarsten. Cent für Cent werden die neuen Stücke in die Kassen und Portemonnaies des Landes wandern.
Der Großherzog war bereits am Montag, dem 6. Juli, zu einem offiziellen Besuch in die Region Bordeaux gereist. In der Prägestätte begleiteten ihn tags darauf Finanzminister Gilles Roth und der Präsident der Banque centrale du Luxembourg (BCL), Gaston Reinesch. Empfangen wurden sie von Marc Schwartz, dem Vorstandsvorsitzenden der Monnaie de Paris, sowie von der Graveurin, deren Arbeit das Münzbild der Regentschaft prägt: Chiara Principe.
“Diese Zeremonie schlägt ein neues Kapitel unserer Währungsgeschichte auf”, sagte Roth.
Acht Stückelungen, alle mit der Jahreszahl 2026
Die Neugestaltung umfasst den gesamten Satz der Umlaufmünzen. Alle acht Stückelungen — 1, 2 und 5 Cent, 10, 20 und 50 Cent sowie 1 und 2 Euro — tragen die neue nationale Seite und die Jahreszahl 2026. Das teilte die BCL mit, die die Entwürfe bereits 2025 vorgestellt hatte.
Ausgegeben werden die Münzen nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach: Die ersten Stücke gelangen ab Montag, dem 13. Juli 2026, in den Umlauf. Ein Rückruf des bisherigen Geldes ist nicht vorgesehen. Münzen mit dem Bildnis von Großherzog Henri bleiben unbefristet gesetzliches Zahlungsmittel, sodass beide Regentschaften noch über Jahre nebeneinander im Wechselgeld klimpern werden. Verändert wird allein die nationale Seite; die im gesamten Euroraum gemeinsame europäische Rückseite bleibt unangetastet.
Luxemburg unterhält keine eigene Münzstätte. Für die Herstellung der Umlaufmünzen des Großherzogtums ist nun die Monnaie de Paris zuständig — die staatliche Prägeanstalt Frankreichs, deren Industriestandort im Departement Gironde in Pessac liegt. Sie hatte sich den Auftrag über eine 2025 ausgeschriebene öffentliche Vergabe gesichert.
Ein Profil, das in die andere Richtung blickt
Der auffälligste Bruch mit der Vergangenheit ist eine Frage der Blickrichtung. Während das Profil von Großherzog Henri nach rechts wies, blickt Guillaumes Bildnis nach links — ein Richtungswechsel, mit dem europäische Monarchien seit jeher den Übergang von einem Souverän zum nächsten kenntlich machen.
Principe, eine italienische Graveurin, formte das Porträt aus mehreren Fotografien des Großherzogs, der den endgültigen Entwurf selbst auswählte. Die Gestaltung fällt je nach Stückelung unterschiedlich aus:
- Die drei kleinsten Münzen (1, 2 und 5 Cent) zeigen ein angeschnittenes Bildnis neben dem Schriftzug LËTZEBUERG und einer stilisierten Nationalflagge.
- Die mittleren Münzen (10, 20 und 50 Cent) tragen ein volles Porträt, aus der Mitte nach rechts gerückt, mit der Flagge zur Linken und dem Landesnamen im Halbkreis am Rand.
- Die Stücke zu 1 und 2 Euro verbinden ein vollständiges Profil mit einer modernen Darstellung des luxemburgischen Löwen.
Neben den Alltagsmünzen hat Helmut Andexlinger von der Münze Österreich eine gesonderte Reihe von Sammler- und Gedenkstücken entworfen. Sie zeigt den Souverän in einer stärker stilisierten Studie, in Jackett und Krawatte, mit den diskret ins Bild gesetzten Initialen des Künstlers.
Geld als Zeichen des Thronwechsels
In einem kleinen Land, in dem die Monarchie eng mit der nationalen Identität verwoben ist, wiegt der Wechsel weit schwerer als der bloße Nennwert. Genau in diesen Begriffen ordnete Roth die Neugestaltung in der Prägestätte ein und beschrieb die neue Münze als Ausdruck der Kontinuität von Staat, Nation und Dynastie.
Der Großherzog seinerseits schlug beim Dank an seine Gastgeber im Südwesten Frankreichs leichtere Töne an. “Es ist eine wahre Freude, in Bordeaux zu sein, einer Stadt, deren Ausstrahlung weit über ihre Grenzen hinausreicht”, sagte er.
Der Gesichtswechsel auf den Münzen folgt einem sorgfältig inszenierten Übergang. In seiner Weihnachtsansprache 2024 hatte Henri angekündigt, am 3. Oktober 2025 zugunsten seines ältesten Sohnes abzudanken — nach einer Phase, in der Guillaume bereits als Statthalter-Vertreter amtiert hatte. Geboren am 11. November 1981, ist Guillaume der sechste Großherzog des regierenden Hauses.
Von kommender Woche an ist der alltägliche Beleg dieser Nachfolge im Umlauf. Sobald ein Einwohner zum ersten Mal eine frische Münze über den Tresen reicht — oder eine im Wechselgeld findet —, wird die neue Regentschaft im Wortsinn Kleingeld mit großer Bedeutung sein.
Häufig gefragt
- Ab wann sind die neuen Münzen erhältlich?
- Die Banque centrale du Luxembourg bringt die Münzen ab Montag, dem 13. Juli 2026, schrittweise in Umlauf — nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach.
- Bleiben die alten Münzen mit dem Bildnis von Großherzog Henri gültig?
- Ja. Es gibt keinen Rückruf: Münzen mit Henris Bildnis bleiben unbefristet gesetzliches Zahlungsmittel und bleiben neben den neuen Stücken im Umlauf.
- Was unterscheidet die neuen Münzen optisch?
- Guillaumes Bildnis blickt nach links, während Henris Profil nach rechts wies. Alle acht Stückelungen tragen die neue nationale Seite und die Jahreszahl 2026; die gemeinsame europäische Rückseite bleibt unverändert.
- Wer hat das neue Münzbild gestaltet?
- Das Umlaufbildnis schuf die italienische Graveurin Chiara Principe aus mehreren Fotografien; der Großherzog wählte den Entwurf selbst aus. Sammler- und Gedenkstücke entwarf Helmut Andexlinger von der Münze Österreich.
Quellen(7)
- 1Grand Duke Guillaume Presides Over First Euro Coin MintingChronicle.lu · chronicle.lu
- 2New national faces of Luxembourg euro coinsBanque centrale du Luxembourg · bcl.lu
- 3Euro Coins Unveiled with Obverse Effigy of Luxembourg's New Grand DukeGreysheet (CDN Publishing) · greysheet.com
- 4New Coins for Luxembourg Next YearCoin & Mint News · coinmintnews.com
- 5Accession to the Throne - 3 October 2025The Luxembourg Government (gouvernement.lu) · gouvernement.lu
- 6Guillaume V, Grand Duke of LuxembourgWikipedia · en.wikipedia.org
- 7Luxembourgish euro coinsWikipedia · en.wikipedia.org
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