Luftfahrtunglück in Lothringen
Elf Tote bei Absturz eines Fallschirmflugzeugs bei Nancy
Eine Pilatus PC-6 mit fünf Ausbildern, fünf Erstspringern und dem Piloten stürzte Sekunden nach dem Start in Tomblaine ab – rund 100 Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt.
Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

Es waren nur Sekunden zwischen dem Start und der Katastrophe. Als am Sonntagvormittag ein einmotoriges Sportflugzeug von einem kleinen Flugplatz am Rand von Nancy abhob, um Fallschirmspringer in die Höhe zu bringen, stürzte die Maschine fast unmittelbar danach ab. Alle elf Menschen an Bord starben – es ist eines der schwersten Zivilluftfahrtunglücke in Frankreich seit Jahren, und es ereignete sich unmittelbar vor der südlichen Haustür der Großregion.
Die Maschine ging gegen 11 Uhr Ortszeit am 28. Juni bei Tomblaine zu Boden, einer an Nancy grenzenden Gemeinde im nordostfranzösischen Département Meurthe-et-Moselle. Nach Angaben von Al Jazeera und Euronews kam das Flugzeug auf einer Grünfläche rund 300 Meter von der Start- und Landebahn des Flugplatzes Nancy-Essey entfernt zum Liegen, nahe einem Wohngebiet und zwischen zwei Straßen. Am Boden wurde niemand verletzt.
Unter den Toten waren der Pilot und zehn Passagiere – fünf Fallschirmsprung-Ausbilder und fünf Schüler, wie Al Jazeera unter Berufung auf die örtlichen Behörden berichtete. Französische Medien meldeten, die Gruppe habe an einem Einführungssprung teilgenommen, einem baptême de parachutisme; unter den Erstspringern seien freiberufliche Pflegekräfte aus dem Département gewesen.
Ein Flug von wenigen Augenblicken
Die Maschine hatte gerade erst abgehoben. Der Bürgermeister von Tomblaine, Hervé Féron, sagte, das Flugzeug habe sich noch im Steigflug befunden, als es ohne Vorwarnung absackte. Innenminister Laurent Nuñez sprach laut franceinfo davon, die Maschine sei nach dem Start «tombé subitement» – also plötzlich abgestürzt. Das Fachportal AeroTime berichtete, das Flugzeug sei nach dem Abheben leicht nach links abgedriftet, in eine Linkskurve gegangen und kurz außerhalb des Flughafengeländes nahe einem Gewerbegebiet aufgeschlagen.
Ein Anwohner schilderte gegenüber Al Jazeera, er habe „ein Geräusch gehört, als sei der Motor mitten in der Luft ausgegangen“, gefolgt von einem lauten Knall. Die Ursache des Absturzes ist bislang ungeklärt; die Behörden warnten, es könne Tage oder Wochen dauern, bis der Ablauf rekonstruiert sei.
Es gab keine Kollateralschäden, doch leider sind alle Menschen, die sich im Inneren befanden, ums Leben gekommen.
Diese Einschätzung von Bürgermeister Féron bestätigte auch die Präfektur Meurthe-et-Moselle, wonach es am Boden keine Opfer gab.
Die Maschine und der Betreiber
Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine Pilatus PC-6 Turbo Porter, einen in der Schweiz gebauten einmotorigen Hochdecker mit Turboprop-Antrieb. Der Typ gilt wegen seiner Kurzstart-Eigenschaften und seiner Fähigkeit, eine ganze Gruppe Springer auf Absetzhöhe zu bringen, weltweit als Arbeitspferd von Fallschirmsprungvereinen. AeroTime und die französische Fachseite Avions Légendaires identifizierten die Maschine als eine in Deutschland zugelassene PC-6 mit dem Kennzeichen D-FIPS, die für einen am Flugplatz ansässigen Fallschirmsprungclub im Einsatz war. Avions Légendaires berichtete, die Zelle stamme aus den frühen 1990er-Jahren; diese Angabe zur Vorgeschichte ließ sich nicht unabhängig bestätigen und ist für das Unglück nicht von zentraler Bedeutung.
Unter den Toten waren die Ausbilder, die solche Einführungssprünge leiten, und die Neulinge, die sich dafür angemeldet hatten – ein Umstand, der das Unglück weit über Luftfahrtkreise hinaus nachhallen lässt. Frankreichs Verkehrsminister Philippe Tabarot sprach von einer schrecklichen Tragödie und erklärte laut französischen Sendern, einen Fallschirmsprung-Unfall von vergleichbarer Schwere habe es seit rund dreißig Jahren nicht gegeben.
Wie die Ermittlungen verlaufen
In Frankreich laufen zwei Untersuchungen parallel. Die BEA – das Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile, die nationale Untersuchungsstelle für die Sicherheit der Zivilluftfahrt – hat eine technische Untersuchung eingeleitet und ein Team an den Unglücksort entsandt. Eine gesonderte justizielle Untersuchung führt die Staatsanwaltschaft Nancy, die mit den auf den Lufttransport spezialisierten Ermittlern der Gendarmerie zusammenarbeitet.
Die Ermittler dürften sich auf die übliche Prüfliste für einen Kontrollverlust kurz nach dem Start konzentrieren:
- die Flugbahn und die Frage, ob die Maschine im Steigflug einen Strömungsabriss erlitt;
- der technische Zustand und die Wartungshistorie von Triebwerk und Zelle;
- die Beladung sowie Gewicht und Schwerpunktlage des Flugzeugs;
- die Wetterbedingungen zum Unglückszeitpunkt; und
- Zeugenaussagen sowie etwaige aufgezeichnete Flugdaten.
Französische Stellen bezeichneten den Absturz als das schwerste Zivilluftfahrtunglück in Frankreich außerhalb von Militär- und kommerziellem Linienverkehr – ein Maßstab dafür, wie ungewöhnlich ein Verlust dieser Größenordnung in der Freizeitfliegerei ist.
Eine Tragödie am Rand der Großregion
Für die Leserinnen und Leser in Luxemburg ist die geografische Nähe frappierend. Nancy liegt rund 100 Kilometer südlich des Großherzogtums – etwa 102 Kilometer Luftlinie von Luxemburg-Stadt und knapp 120 Kilometer über die Autobahn – in einem Winkel Lothringens, der innerhalb der grenzüberschreitenden Großregion liegt. Es ist eine Gegend, die Zehntausende Grenzpendler und Wochenendreisende gut kennen, auch wenn nichts darauf hindeutet, dass sich unter den Opfern in Luxemburg ansässige Personen befanden.
Diese Nähe führt vor Augen, wie eng das Großherzogtum mit dem Leben seines französischen Nachbarn verflochten ist. Die Großregion – sie umfasst Luxemburg, Lothringen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien – funktioniert als ein einziger Arbeitsmarkt und Verkehrsraum; ein Unglück in Meurthe-et-Moselle ist auf beiden Seiten der Grenze eine lokale Nachricht.
Als am Sonntag die Nacht hereinbrach, war die Unglücksstelle in Tomblaine abgesperrt, und die mühsame Arbeit der Identifizierung der Toten und der Rekonstruktion des Fluges hatte begonnen. Für die Familien der Ausbilder und der Erstspringer, die zu einem Sonntag unter klarem Himmel über Lothringen aufgebrochen waren, können die Antworten nicht schnell genug kommen.
Häufig gefragt
- Was ist bei Nancy genau passiert?
- Am Sonntag, dem 28. Juni 2026, stürzte gegen 11 Uhr Ortszeit ein einmotoriges Fallschirmflugzeug vom Typ Pilatus PC-6 Sekunden nach dem Start vom Flugplatz Nancy-Essey bei Tomblaine ab. Alle elf Insassen kamen ums Leben.
- Wer waren die Opfer?
- An Bord waren der Pilot und zehn Passagiere – fünf Fallschirmsprung-Ausbilder und fünf Erstspringer. Französische Medien berichteten, unter den Schülern seien freiberufliche Pflegekräfte aus dem Département gewesen.
- Ist die Absturzursache bekannt?
- Nein. Die Ursache ist bislang ungeklärt. Die französische Untersuchungsstelle BEA hat eine technische Untersuchung eingeleitet, parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft Nancy. Bis zur Rekonstruktion des Ablaufs kann es Tage oder Wochen dauern.
- Welche Bedeutung hat das Unglück für Luxemburg?
- Der Unglücksort liegt rund 100 Kilometer südlich von Luxemburg-Stadt innerhalb der Großregion. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise darauf, dass in Luxemburg ansässige Personen unter den Opfern waren.
Quellen(8)
- 1At least 11 dead as skydiving plane crashes in FranceAl Jazeera · aljazeera.com
- 2France: 11 killed in civilian plane crash near NancyEuronews · euronews.com
- 3Pilatus PC-6 carrying skydivers crashes in France, 11 killedAeroTime · aerotime.aero
- 4Crash d'un avion près de Nancy : 11 morts, les victimes étaient venues pour un baptême de parachutismeFrance 3 Grand Est / franceinfo · france3-regions.franceinfo.fr
- 5DIRECT. Crash d'un avion près de Nancy : l'appareil est «tombé subitement» après son décollage, déclare le ministre de l'Intérieur Laurent Nuñezfranceinfo · franceinfo.fr
- 6Crash mortel d'un Pilatus PC-6B dans la banlieue de NancyAvions Légendaires · avionslegendaires.net
- 7Accident d'avion lors d'un baptême de parachutisme près de Nancy : onze mortsLa DH/Les Sports+ · dhnet.be
- 8Skydiving plane crashes in eastern France, killing all 11 on boardTürkiye Today · turkiyetoday.com
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