Staatsanleihe

Fünf Milliarden Euro: Pekings größte Euro-Anleihe wird in Luxemburg notiert

Die dreigeteilte Emission des chinesischen Finanzministeriums lockte Aufträge über 24,8 Milliarden Euro an – und bestätigt den Finanzplatz Luxemburg als Europas Tor für internationale Schuldtitel.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Gebäude der Luxemburger Börse (Bourse de Luxembourg) in Luxemburg-Stadt
Der Sitz der Luxemburger Börse in Luxemburg-Stadt. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Selten lässt sich die Anziehungskraft eines Finanzplatzes so präzise beziffern wie an diesem Geschäft: Für eine Anleihe von fünf Milliarden Euro reichten Investoren Aufträge über 24,8 Milliarden Euro ein. China hat in dieser Woche an der Luxemburger Börse seine bislang größte auf Euro lautende Staatsanleihe begeben – fast fünffach überzeichnet und ein deutliches Bekenntnis zum Großherzogtum als bevorzugter europäischer Adresse für Pekings Fremdwährungsschulden.

Das Finanzministerium der Volksrepublik China bepreiste die Transaktion am 25. Juni und ließ sie am Euro-MTF-Markt der Börse notieren, wie das Handelsplatzbetreiber mitteilte. Mit umgerechnet rund 5,7 Milliarden US-Dollar ist es die größte Euro-Anleihe, die das Ministerium je platziert hat – und nach Angaben der beteiligten Banken zugleich die größte Euro-Emission eines asiatischen Staates überhaupt.

Drei Laufzeiten, eine Zinskurve

Die Anleihe wurde auf drei Fälligkeiten verteilt, was internationalen Anlegern eine vollständigere Kurve chinesischen Euro-Risikos zur Bewertung an die Hand gibt. Laut den von China Daily und der International Business Times genannten Zahlen gliederte sich die Emission wie folgt:

  • 2,5 Milliarden Euro mit fünfjähriger Laufzeit und einem Kupon von 2,768 Prozent;
  • 1,5 Milliarden Euro über acht Jahre zu 2,966 Prozent;
  • 1,0 Milliarde Euro über zwölf Jahre zu 3,212 Prozent.

Berichten zufolge wurden die Papiere zunächst mit etwa 15, 22 und 33 Basispunkten über Mid-Swaps für die fünf-, acht- und zwölfjährige Tranche vermarktet, bevor die hohe Nachfrage dem Emittenten erlaubte, die Konditionen zu verengen. Als gemeinsame Konsortialführer fungierten laut Chronicle.lu die Bank of China, die Bank of Communications und Crédit Agricole CIB. Die Deutsche Bank sprach mit Blick auf das Ergebnis von den engsten Risikoaufschlägen, die je für einen asiatischen Staat in Euro erzielt wurden.

„Dass die bislang größte Euro-Emission eines asiatischen Staates zu den engsten je gesehenen Spreads gelang – noch dazu in einem schwierigen Marktumfeld –, spiegelt das globale Ansehen des Emittenten wider." So fasste es Samuel Fischer, Leiter des Geschäfts mit chinesischen Onshore-Schuldtiteln bei der Deutschen Bank, gegenüber China Daily zusammen. Tim Huang von JPMorgan erklärte, die Nachfrage spiegele „das Vertrauen internationaler Investoren in Chinas Staatsbonität und seine langfristigen Wirtschaftsaussichten" wider.

Warum der Weg nach Luxemburg führt

Die Wahl des Standorts ist für sich genommen eine Aussage. Die Luxemburger Börse versteht sich als weltweit führender Notierungsplatz für internationale Schuldtitel – mit mehr als 37.000 gelisteten Wertpapieren von über 1.700 Emittenten aus rund 100 Ländern. Staatliche Schuldner aus Dutzenden Ländern nutzen sie genau wegen dieser Tiefe, und weil sie nach eigenen Angaben 99 Prozent der neuen Wertpapiere binnen zweier Tage nach Antragstellung notiert.

Chinas Bindung an den Handelsplatz reicht ungewöhnlich weit zurück. Seine erste internationale Staatsanleihe wurde bereits 1994 in Luxemburg notiert. Die jüngste Transaktion knüpft unmittelbar an das Euro-Staatsdebüt vom November 2025 an – eine zweigeteilte Emission über vier Milliarden Euro, die ein außergewöhnliches Orderbuch von rund 100,1 Milliarden Euro anzog, also etwa das 25-Fache des Angebots. Damals verteilte sich die Nachfrage geografisch zu 51 Prozent auf Europa, zu 35 Prozent auf Asien, zu acht Prozent auf den Nahen Osten und zu sechs Prozent auf US-Offshore-Investoren. Indem Peking aufeinanderfolgende Euro-Geschäfte an denselben Platz bringt, baut es Schritt für Schritt eine Euro-Zinskurve auf, an der sich chinesische Banken und Unternehmen orientieren können, wenn sie selbst Schulden an europäischen Märkten aufnehmen.

Wir fühlen uns geehrt, die Volksrepublik China mit dieser neuen Staatsemission zurück an der LuxSE begrüßen zu dürfen.

Mit diesen Worten kommentierte Pierre Schoonbroodt, stellvertretender Generaldirektor und Finanzvorstand der Luxemburger Börse, laut Chronicle.lu die bestätigte Notierung. Für das Haus an der Avenue de la Porte-Neuve ist das Wiederholungsgeschäft ein Aushängeschild – in einem Moment, in dem die Handelsplätze hart um Staatsmandate ringen, die einst eher nach London oder Hongkong tendierten.

Geopolitik trifft auf den Finanzplatz

Hinter der technischen Mechanik steht eine größere strategische Verschiebung. Indem China sich in Euro statt in Dollar verschuldet, streut es seine Fremdwährungsaufnahme bewusst weg von den Vereinigten Staaten – zu einer Zeit angespannter Handelsbeziehungen zwischen beiden Volkswirtschaften. Der Euro zog zuletzt zudem Mittel als sicherer Hafen an: Die Netto-Portfoliozuflüsse aus dem Ausland in den Euroraum überstiegen Berichten zufolge im Jahr 2025 die Marke von 850 Milliarden Euro. Solche Bedingungen halfen China, langlaufende Mittel zu feinen Konditionen einzusammeln.

Auf chinesischer Seite fiel die diplomatische Einordnung ausdrücklich aus. Vize-Finanzminister Song Qichao deutete die Emission als Baustein im Verhältnis zwischen Peking und Brüssel: „Ich bin zuversichtlich, dass China und Luxemburg weiterhin Hand in Hand vorangehen, Brücken für den Dialog zwischen China und Europa bauen und gemeinsam ein neues Kapitel der chinesisch-europäischen Finanzkooperation schreiben werden."

Für Luxemburg, ein Land mit weniger als 700.000 Einwohnern, ist das Geschäft eine Erinnerung daran, wie weit der Finanzplatz über die Größe des Großherzogtums hinausreicht. Ein einziges Ministerium in Peking kann fünf Milliarden Euro an Staatsschulden über die Börse leiten, in die europäischen Kapitalmärkte einspeisen und der chinesischen Euro-Kurve einen weiteren Referenzpunkt hinzufügen – alles über einen Markt, den die meisten Sparer des Kontinents nie unmittelbar zu Gesicht bekommen. Die Transaktion verknüpft die große Geopolitik unmittelbar mit dem Handelsplatz und signalisiert: Wenn Emittenten abwägen, wo sie notieren, will Luxemburg seinen Platz an der Spitze der Schlange behaupten.

Häufig gefragt

Wie groß war die Anleihe und wie stark war sie überzeichnet?
Das Volumen betrug fünf Milliarden Euro (rund 5,7 Milliarden US-Dollar). Investoren reichten Aufträge über 24,8 Milliarden Euro ein – eine fast fünffache Überzeichnung.
Wie ist die Anleihe strukturiert?
Sie ist in drei Tranchen gegliedert: 2,5 Milliarden Euro über fünf Jahre mit einem Kupon von 2,768 Prozent, 1,5 Milliarden Euro über acht Jahre zu 2,966 Prozent und 1,0 Milliarde Euro über zwölf Jahre zu 3,212 Prozent.
Warum wählte China für die Emission Luxemburg?
Die Luxemburger Börse gilt als weltweit führender Notierungsplatz für internationale Schuldtitel. China notierte dort bereits 1994 seine erste internationale Staatsanleihe und gab im November 2025 sein Euro-Staatsdebüt. Mit weiteren Euro-Geschäften am selben Platz baut Peking eine Euro-Zinskurve als Orientierung für chinesische Emittenten auf.
Welche strategische Bedeutung hat das Geschäft?
China streut seine Fremdwährungsverschuldung weg vom US-Dollar – inmitten angespannter Handelsbeziehungen mit den USA – und nutzt die Anziehungskraft des Euro als sicherer Hafen. Für Luxemburg festigt die Wiederholungsemission die Rolle des Finanzplatzes als europäisches Tor für internationale Schuldtitel.
Quellen(9)
  1. 1China Issues €5bn Sovereign Bond to Be Listed on LuxSEChronicle.lu · chronicle.lu
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