Direkte Gespräche in der Schweiz

Auf dem Bürgenstock einigen sich USA und Iran auf 60-Tage-Fahrplan – Trump droht zugleich mit neuen Schlägen

In einem Schweizer Bergresort verständigten sich Washington und Teheran auf einen Weg zu einem Abkommen – während Präsident Trump mit weiteren Angriffen drohte.

Von Camille Reuter · · 5 Min. Lesezeit

Das Bürgenstock-Resort hoch über dem Vierwaldstättersee in der Schweiz, Austragungsort der direkten Gespräche zwischen den USA und dem Iran.
Das Bürgenstock-Resort über dem Vierwaldstättersee, neutraler Schauplatz der US-iranischen Gespräche. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Hoch über dem Vierwaldstättersee, im Schweizer Bergresort Bürgenstock, ging am Montag die erste Runde direkter Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zu Ende. Die Vermittler aus Katar und Pakistan sprachen von einem Fahrplan hin zu einem finalen Abkommen binnen 60 Tagen – und das, obwohl US-Präsident Donald Trump zur selben Zeit öffentlich drohte, den Iran erneut „sehr hart" zu treffen, während sein Vizepräsident der Delegation aus Teheran gegenübersaß.

Es ist der gewichtigste direkte Kontakt zwischen Washington und Teheran seit Beginn eines Krieges, der inzwischen mehr als 100 Tage andauert. Die am Sonntag eröffneten Gespräche, so die Vermittler, hätten „ermutigende Fortschritte" gebracht; beide Seiten hätten sich auf „einen Fahrplan zur Erreichung eines endgültigen Abkommens binnen 60 Tagen" verständigt. Vorausgegangen war eine vorläufige Absichtserklärung, die Trump und der iranische Präsident Masoud Pezeshkian am 17. Juni bei einem Abendessen mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron im Schloss von Versailles unterzeichneten. Sie öffnete ein 60-tägiges Fenster für eine Waffenruhe und für Gespräche über das Atomprogramm, die regionalen Stellvertreter und die Sanktionen.

Die Schweiz als Gastgeberin, nicht als Schlichterin

Bern trat als Gastgeber auf, nicht als Vermittler. Seit 1980 nimmt die Schweiz die US-Interessen im Iran als Schutzmacht wahr – ein Kanal, der selbst die schlimmsten Phasen zwischen beiden Hauptstädten überdauert hat. Der Bundesrat genehmigte einen Assistenzeinsatz der Armee zur Sicherung des Treffens. Eine zunächst für den 19. Juni auf dem Bürgenstock geplante Unterzeichnungszeremonie war kurzfristig verschoben worden; das Weiße Haus nannte logistische Gründe, ehe Delegationen und Vermittler im Resort an der Felskante zusammenkamen.

Die amerikanische Seite führte Vizepräsident JD Vance an; Berichten zufolge gehörten dem US-Team auch die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner an. Die iranische Delegation leitete Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf als Chefunterhändler, an seiner Seite Außenminister Abbas Araghchi. Vance deutete die Begegnung als Gelegenheit, ein halbes Jahrhundert der Feindschaft hinter sich zu lassen, und fragte laut Al Jazeera: „Können wir ein neues Kapitel aufschlagen? Können wir die Beziehungen im Nahen Osten dauerhaft verändern?"

Drohungen über den Verhandlungstisch hinweg

Beinahe wäre die Diplomatie schon vor ihrem Beginn entgleist. Während die Unterhändler tagten, setzte Trump auf Truth Social eine Warnung ab, die das iranische Außenministerium als „beleidigende Botschaft" brandmarkte und die Teheran kurzzeitig dazu veranlasste, die Gespräche für ausgesetzt zu erklären – was US-Vertreter bestritten.

Der Iran muss seine hochbezahlten STELLVERTRETER im Libanon sofort daran hindern, Ärger zu machen. Tut er das nicht, treffen wir den Iran wieder sehr hart, genau wie vergangene Woche, nur härter!!!

Teheran antwortete in gleicher Münze. „Sie täten besser daran, mit ihren Äußerungen vorsichtig zu sein; unsere Streitkräfte sind zur Antwort bereit", sagte Ghalibaf. Der Schlagabtausch kam kaum eine Woche nach einer scharfen militärischen Eskalation, bei der die USA 49 Tomahawk-Marschflugkörper auf iranische Ziele abfeuerten und Trump drohte, die „totale Kontrolle" über den iranischen Öl- und Gassektor zu übernehmen – einschließlich der Insel Kharg, über deren Terminal mehr als 90 Prozent der iranischen Rohölexporte laufen.

Was vereinbart wurde – und was offenblieb

Nach Angaben der Vermittler und beider Delegationen brachte die erste Runde weniger einen Abschluss als ein Bündel vertrauensbildender Mechanismen:

  • eine eigene Kommunikationslinie zur Straße von Hormus, um „Zwischenfälle und Missverständnisse zu vermeiden", mit dem erklärten Ziel der „sicheren Passage für Handelsschiffe";
  • eine Libanon-„Deeskalationszelle", die „die Einhaltung der Beendigung der militärischen Operationen im Libanon sicherstellen" soll – für Araghchi der erste echte Prüfstein des Abkommens;
  • ein hochrangiger Ausschuss der Chefunterhändler, der über das Atomdossier, die Sanktionen sowie über Überwachung und Streitbeilegung berichtet;
  • eine Einladung an die Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation, in den Iran zurückzukehren – für Vance „ein bedeutender Meilenstein".

Die schwierigsten Fragen blieben den Fachteams überlassen: ob der Iran weiter Uran anreichert, was mit den angereicherten Beständen geschieht, wie weit die Inspektionen reichen, in welchem Zeitrahmen Sanktionen fallen und ob der US-Kongress zustimmt. Araghchi erklärte, die Sanktionen auf iranische Ölexporte seien aufgehoben und einige eingefrorene Vermögenswerte freigegeben worden; Washington bestätigte diese Angaben öffentlich nicht.

Ölmärkte und Europas Verwundbarkeit

Für Europa bemisst sich der Einsatz in Barrel und Schiffsladungen ebenso sehr wie in Kommuniqués. Durch die Straße von Hormus laufen normalerweise rund ein Viertel des seegestützten Ölhandels – etwa 20 Millionen Barrel pro Tag – sowie etwa ein Fünftel des weltweit verschifften Flüssigerdgases. Der Iran sperrte die Wasserstraße bereits Anfang des Jahres und erneut am 20. Juni unter Verweis auf israelische Verstöße gegen die Waffenruhe; schätzungsweise mehr als 500 Schiffe warteten darauf, den Golf zu verlassen.

Die Märkte setzten gleichwohl auf Frieden. Die Sorte Brent, die im März auf etwa 126 Dollar je Barrel geschnellt und im Verlauf des Konflikts um mehr als 50 Prozent gestiegen war, fiel bis Mitte Juni auf rund 78 Dollar zurück – den tiefsten Stand seit Anfang März und etwa ein Fünftel unter den Jahreshöchstständen. „Der Rückgang des Rohöls ist vollständig stimmungsgetrieben", sagte Vandana Hari von Vanda Insights und beschrieb die Händler als Akteure, die „der möglichen Wiedereröffnung der Straße von Hormus vorgreifen". Tamas Varga von PVM Oil Associates nannte einen Brent-Rückgang von 17 Dollar binnen vier Handelstagen „ein deutliches Vertrauensvotum dafür, dass das Schlimmste, jedenfalls was Lieferausfälle betrifft, hinter uns liegt".

Für die Europäische Union, einen großen LNG-Importeur, der drei Jahre lang seine Energieversorgung umgebaut hat, ist die Rechnung hart: Eine dauerhafte Waffenruhe würde den Druck auf Strom- und Gasrechnungen mindern, während neue Angriffe rund um Hormus unmittelbar auf die europäische Energiesicherheit durchschlagen würden. Mit einer nun laufenden 60-Tage-Frist und Hauptakteuren, die weiterhin Drohungen austauschen, bleibt offen, ob am Ende Gespräche oder Geschütze obsiegen – die Frage, die Preise vom Golf bis auf den Kontinent bewegen wird.

Häufig gefragt

Worauf haben sich USA und Iran auf dem Bürgenstock geeinigt?
Beide Seiten verständigten sich nach Angaben der Vermittler Katar und Pakistan auf einen Fahrplan hin zu einem finalen Abkommen binnen 60 Tagen sowie auf mehrere vertrauensbildende Mechanismen – darunter eine Kommunikationslinie zur Straße von Hormus, eine Libanon-Deeskalationszelle, einen hochrangigen Ausschuss und die Rückkehr von IAEO-Inspektoren. Ein endgültiges Abkommen wurde noch nicht geschlossen.
Welche Rolle spielte die Schweiz?
Die Schweiz war Gastgeberin, nicht Vermittlerin. Sie nimmt seit 1980 die US-Interessen im Iran als Schutzmacht wahr; der Bundesrat genehmigte einen Assistenzeinsatz der Armee zur Sicherung des Treffens auf dem Bürgenstock. Vermittelt haben Katar und Pakistan.
Warum ist der Konflikt für Europa wirtschaftlich bedeutsam?
Durch die Straße von Hormus laufen normalerweise rund ein Viertel des seegestützten Ölhandels und etwa ein Fünftel des verschifften Flüssigerdgases. Als großer LNG-Importeur ist Europa stark exponiert: Eine dauerhafte Waffenruhe würde Strom- und Gasrechnungen entlasten, neue Angriffe an Hormus würden unmittelbar auf die Energiesicherheit durchschlagen.
Welche Fragen blieben offen?
Ungelöst blieben unter anderem, ob der Iran weiter Uran anreichert, was mit den angereicherten Beständen geschieht, wie weit Inspektionen reichen, der Zeitplan für den Sanktionsabbau und die nötige Zustimmung des US-Kongresses.
Quellen(12)
  1. 1US, Iran agree on 'roadmap' towards final deal in Switzerland talksAl Jazeera · aljazeera.com
  2. 2Key outcomes of Iran-US talks in Switzerland; what next?Al Jazeera · aljazeera.com
  3. 3The U.S. and Iran agree to a 'road map' for a final deal, mediators sayNPR · npr.org
  4. 4U.S. and Iranian negotiators meet as Trump threatens to 'hit Iran very hard again' over HezbollahCBS News · cbsnews.com
  5. 52025–2026 Iran–United States negotiationsWikipedia · en.wikipedia.org
  6. 62026 Strait of Hormuz crisisWikipedia · en.wikipedia.org
  7. 7Oil prices continue slide amid hopes for peace, opening of Strait of HormuzAl Jazeera · aljazeera.com
  8. 8U.S. and Iran wrap high-level talks in Switzerland after making 'encouraging progress,' mediators saySpectrum News (AP) · spectrumlocalnews.com
  9. 9First round of U.S.-Iran talks in Switzerland postponedThe Washington Times · washingtontimes.com
  10. 10Memorandum of Understanding between the USA and IranSwiss Federal Department of Foreign Affairs (FDFA) · eda.admin.ch
  11. 11US and Iran publicly trade threats as talks take place in SwitzerlandEuronews · euronews.com
  12. 12Trump vows to hit Iran 'very hard tonight' and later take over its oil and gas sectorsNPR · npr.org

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