Nachruf

Bonnie Tyler ist tot: Die Stimme hinter „Total Eclipse of the Heart“ starb mit 75 in Portugal

Die Familie bestätigte den Tod der Sängerin in einer Klinik in Faro, wo sie seit einer Notoperation im Mai behandelt wurde. Ihre raue Stimme machte die Bergarbeitertochter aus Südwales zum Weltstar.

Von Tom Schmit · · 5 Min. Lesezeit

Ein einzelnes Bühnenmikrofon im Scheinwerferlicht auf einer leeren, dunklen Konzertbühne, dahinter ein schwacher, an eine Sonnenfinsternis erinnernder Lichtbogen.
Ein verwaistes Mikrofon im Scheinwerferlicht, dahinter ein an eine Finsternis erinnernder Lichtschein: illustratives, KI-generiertes Symbolbild zum Tod der Sängerin Bonnie Tyler. Illustration: KI-generiert — Status

Bonnie Tyler ist tot. Die walisische Sängerin, deren raue, wie aufgerissen klingende Stimme zu den unverwechselbarsten der Popgeschichte zählte, starb am Mittwochabend, dem 8. Juli, im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus im südportugiesischen Faro. Ihre Familie machte die Nachricht am Donnerstag mit einer Erklärung auf Tylers offizieller Website und ihren Social-Media-Kanälen öffentlich.

Tyler war in ihrem Haus an der Algarve schwer erkrankt und hatte sich im Mai einer notfallmäßigen Darmoperation unterziehen müssen. Seither wurde sie im Krankenhaus behandelt und lag zeitweise im künstlichen Koma, wie die Familie bereits zuvor mitgeteilt hatte.

„Bonnies Familie und ihr Team sind untröstlich, mitteilen zu müssen, dass Bonnie gestern Abend unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal infolge der Krankheit verstorben ist, wegen der sie behandelt wurde“, hieß es in der Erklärung. „Wir werden in Kürze eine weitere Stellungnahme abgeben, bitten aber vorerst um Privatsphäre, um diese Tragödie verarbeiten zu können.“

Die Anteilnahme folgte binnen Stunden. Ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer würdigte Tyler als „eine der größten Künstlerinnen der britischen Musikgeschichte“. Die ebenfalls aus der Gegend von Swansea stammende Schauspielerin Catherine Zeta-Jones schrieb: „Eine außergewöhnliche Frau mit einer ebenso außergewöhnlichen Stimme. Eine Künstlerin, wie es sie nur einmal gibt.“

Ein Schrei mit Folgen

Dass diese Stimme so klang, wie sie klang, war kein Kunstgriff, sondern ein Unfall. Geboren wurde Tyler am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins in Skewen, einem Dorf bei Neath in Südwales, als Tochter eines Bergarbeiters. Jahrelang sang sie in den Clubs und Pubs rund um Swansea, ehe ein Plattenvertrag ihr Leben veränderte.

1977 zwangen Knötchen auf den Stimmbändern sie zu einer Operation. Die Ärzte verordneten strikte Stimmruhe – doch eines Tages entfuhr ihr ein Schrei der Verzweiflung. Der Schaden war irreparabel: Die klare Stimme war dahin, geblieben war ein brüchiges, verwittertes Instrument, das zu einem der wiedererkennbarsten Klänge der Popmusik werden sollte.

Wie das klang, hörte die Welt noch im selben Jahr. „It’s a Heartache“, ihr Durchbruch von 1977, kletterte auf Platz 4 der britischen Charts und Platz 3 der amerikanischen Billboard Hot 100 – und machte aus der Clubsängerin aus Wales beinahe über Nacht einen internationalen Star zwischen Country und Pop.

Sieben Minuten, die alles veränderten

Der zweite Akt ihrer Karriere übertraf den ersten noch. Anfang der 1980er-Jahre suchte Tyler die Zusammenarbeit mit Jim Steinman, dem amerikanischen Songwriter und Produzenten hinter dem opernhaften Bombast von Meat Loaf. Das Ergebnis war das Album „Faster Than the Speed of Night“ (1983), das auf Platz 1 in die britischen Albumcharts einstieg – und dessen Herzstück Musikgeschichte schrieb: „Total Eclipse of the Heart“, eine knapp siebenminütige, im Februar 1983 veröffentlichte Ballade von düsterer Wucht, die die Spitze der britischen Single-Charts eroberte und sich vier Wochen lang auf Platz 1 der Billboard Hot 100 hielt. Tyler brachte der Song Grammy-Nominierungen ein, unter anderem für die beste weibliche Gesangsdarbietung in den Sparten Pop und Rock.

Steinman lieferte ihr auch den nächsten Klassiker: „Holding Out for a Hero“, geschrieben für den Soundtrack des Films „Footloose“ (1984) – eine galoppierende Hymne, die aus Filmmusiken, Sportarenen und von Tanzflächen bis heute nicht wegzudenken ist.

Die wichtigsten Chart-Erfolge im Überblick:

  • „It’s a Heartache“ (1977): Platz 4 in Großbritannien, Platz 3 der US-Billboard-Hot-100
  • „Total Eclipse of the Heart“ (1983): Platz 1 in Großbritannien und den USA, vier Wochen an der Spitze der Hot 100
  • „Si demain… (Turn Around)“ (2003, mit Kareen Antonn): zehn Wochen auf Platz 1 in Frankreich, mehr als 500.000 verkaufte Exemplare

Ein zweiter Frühling auf Französisch

Als die amerikanischen Hits nach den 1980er-Jahren ausblieben, hielt Kontinentaleuropa ihr die Treue. Ende 2003 nahm Tyler mit der französischen Sängerin Kareen Antonn „Si demain… (Turn Around)“ auf, eine zweisprachige Neufassung von „Total Eclipse of the Heart“. Die Single stand zehn Wochen lang auf Platz 1 der französischen Charts, erreichte auch in der Wallonie die Spitzenposition und zählte zu den meistverkauften Singles des Jahres 2004 in Frankreich – ein erstaunliches Comeback, zwei Jahrzehnte nach dem Original. Auf Europas Bühnen wie im deutsch- und französischsprachigen Radio blieb Tyler bis zuletzt präsent; ihr 18. und letztes Studioalbum, „The Best Is Yet to Come“, erschien 2021.

2013 schickte Großbritannien sie zum Eurovision Song Contest nach Malmö, mit dem gemeinsam mit Desmond Child geschriebenen Titel „Believe in Me“. Das Ergebnis – Platz 19 von 26 Ländern, 23 Punkte – sagte mehr über das Standing des Vereinigten Königreichs in dem Wettbewerb aus als über ihren Auftritt; Tyler nahm es mit dem ihr eigenen Humor. 2022 wurde sie in den Birthday Honours für ihre Verdienste um die Musik zum Member of the Order of the British Empire (MBE) ernannt. Die Auszeichnung zeige, sagte sie damals, dass „jeder, ganz gleich welcher Herkunft, erfolgreich werden kann“.

Trauer von Downing Street bis Hollywood

Die Breite der Würdigungen in dieser Woche spiegelte die ungewöhnliche Spannweite ihres Publikums. Cliff Richard trauerte um „wieder eine wunderbare Freundin, die zu früh gegangen ist“; Bryan Adams zeigte sich dankbar für „ihre wunderschöne Version von ‚Straight From The Heart‘“. Auch Kevin Bacon, Johnny Knoxville und Rod Stewart würdigten die Sängerin. Ihr Bruder Paul Hopkins schrieb auf Facebook: „Gestern hat meine Schwester den Kampf gegen ihre Krankheit verloren. Wir sind als Familie am Boden zerstört – sie war ein so liebevoller, wunderbarer Mensch.“

Tyler hinterlässt ihren Ehemann Robert Sullivan, einen Immobilienunternehmer, der 1972 als Judoka an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte und den sie im Juli 1973 heiratete. Geblieben aber ist vor allem die Stimme selbst – jenes 1977 durch einen Zufall entstandene, raue Instrument, das man nach dem ersten Ton nie wieder mit einem anderen verwechselte.

Häufig gefragt

Woran ist Bonnie Tyler gestorben?
Nach Angaben ihrer Familie starb sie infolge der Krankheit, wegen der sie behandelt wurde. Seit einer notfallmäßigen Darmoperation im Mai 2026 lag sie in einem Krankenhaus in Portugal, zeitweise im künstlichen Koma.
Wie kam Bonnie Tyler zu ihrer rauen Stimme?
Nach einer Operation an Stimmbandknötchen im Jahr 1977 sollte sie ihre Stimme vollständig schonen. Ein Schrei aus Verzweiflung hinterließ eine bleibende Rauheit – die zu ihrem unverwechselbaren Markenzeichen wurde.
Was waren ihre größten Hits?
„It’s a Heartache“ (1977), „Total Eclipse of the Heart“ (1983) und „Holding Out for a Hero“ (1984). 2003 gelang ihr mit „Si demain… (Turn Around)“ an der Seite von Kareen Antonn ein Nummer-1-Comeback in Frankreich.
Trat Bonnie Tyler beim Eurovision Song Contest an?
Ja. 2013 vertrat sie Großbritannien in Malmö mit dem Titel „Believe in Me“ und belegte mit 23 Punkten Platz 19 von 26 Ländern.
Quellen(16)
  1. 1World pays tribute as Bonnie Tyler dies "unexpectedly" aged 75: "One of Britain's great recording artists"NME · nme.com
  2. 2Bonnie Tyler, Eighties Pop Powerhouse Behind 'Total Eclipse of the Heart,' Dead at 75Rolling Stone · rollingstone.com
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  4. 4Bonnie Tyler, singer famed for 'Total Eclipse of the Heart,' dies at 75NBC News · nbcnews.com
  5. 5Bonnie Tyler, singer of power ballad 'Total Eclipse of the Heart,' dies at 75NPR · npr.org
  6. 6'One of Britain's greatest': Tributes pour in after Bonnie Tyler's death, aged 75ITV News · itv.com
  7. 7Bonnie Tyler Death: Catherine Zeta-Jones Mourns Singer Among Growing TributesNewsweek · newsweek.com
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  9. 9Bonnie Tyler has died hospitalised in FaroThe Portugal News · theportugalnews.com
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  12. 12Bonnie Tyler Tributes: Kevin Bacon, Johnny Knoxville & Rod StewartDeadline · deadline.com
  13. 13Bonnie TylerWikipedia · en.wikipedia.org
  14. 14Si demain... (Turn Around)Wikipedia · en.wikipedia.org
  15. 15Eurovision 2013 United Kingdom: Bonnie Tyler – "Believe In Me"Eurovisionworld · eurovisionworld.com
  16. 16Welsh star Bonnie Tyler hopes MBE 'motivates others to give their best'The Irish News (PA) · irishnews.com

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