Iran-Sanktionen

USA sanktionieren mutmaßlichen Khamenei-Finanzier – Geldspur führt über Luxemburger Holdings

Die US-Behörde OFAC stuft Ali Ansari als „Schlüsselfinanzier“ des Obersten Führers ein. Veruntreute Gelder sollen über Luxemburger Firmengeflechte in europäische Immobilien geflossen sein.

Von Jonas Thill · · 5 Min. Lesezeit

Die goldenen Zwillingstürme der Porte de l'Europe und Bankgebäude des Finanzviertels Kirchberg in Luxemburg-Stadt in der Abenddämmerung.
Das Kirchberg-Plateau mit den goldenen Türmen der Porte de l'Europe in der Abenddämmerung – illustratives, KI-generiertes Bild des Luxemburger Finanzviertels. Illustration: KI-generiert — Status

Zwölf Villen an der Londoner Bishops Avenue, zwei Hilton-Hotels in Frankfurt, ein Golfresort auf Mallorca – und in den Eigentümerketten immer wieder Mantelgesellschaften, mehrere davon mit Sitz in Luxemburg: So beschrieb die „Financial Times“ Ende Januar das europäische Immobilienvermögen des iranischen Bankers Ali Ansari. Am Freitag hat die Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums, das Office of Foreign Assets Control (OFAC), den 1962 geborenen, in Dubai lebenden Geschäftsmann auf ihre Sanktionsliste gesetzt – als „Schlüsselfinanzier“ des iranischen Obersten Führers Mojtaba Khamenei.

Das Ministerium wurde in seiner Mitteilung ungewöhnlich konkret und nannte das Großherzogtum ausdrücklich: „Über Smart Global Limited hat Ansari das Geld des iranischen Volkes in Immobilien und Gewerbeobjekte in Deutschland, Luxemburg, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten und darüber hinaus investiert.“

Die Maßnahme, über die Reuters und AFP berichteten, kam wenige Tage, nachdem Iran seine Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus wieder aufgenommen hatte. Neben Ansari listete die OFAC dessen Holdinggesellschaft Smart Global Limited mit Sitz in St. Kitts und Nevis, drei Teheraner Wechselstuben, die nach US-Darstellung jährlich Milliarden von Dollar für sanktionierte iranische Banken bewegen, sieben ihrer Teilhaber sowie Scheinfirmen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten – nach Zählung von Reuters insgesamt 13 Personen und Unternehmen zusätzlich zu Ansari.

Der Kernvorwurf des Finanzministeriums: Ansari habe „groß angelegte Veruntreuung innerhalb des iranischen Regimes faktisch institutionalisiert“ und öffentlich finanziertes Vermögen in ein Auslandsportfolio umgeleitet, das ihn selbst, Angehörige der Regime-Elite – darunter hochrangige Vertreter des Büros des Obersten Führers – und die Revolutionsgarden (IRGC) bereichert habe. Viele der auf seinen Namen eingetragenen Beteiligungen würden in Wirklichkeit zugunsten Khameneis und seiner Familie gehalten. Sämtliches Eigentum der Gelisteten im US-Zuständigkeitsbereich ist blockiert, US-Personen sind Geschäfte mit ihnen untersagt.

„Der sogenannte Oberste Führer versteckt sich in der Abgeschiedenheit, während sein Regime zerfällt. Das Finanzministerium wird weiterhin jedes ihm zur Verfügung stehende Instrument nutzen, um ihn und andere Angehörige der Regime-Elite vom globalen Finanzsystem zu isolieren“, erklärte US-Finanzminister Scott Bessent.

Von Windhof bis St. Kitts: das Firmengeflecht hinter dem Vermögen

Details zu den Luxemburger Positionen nannte Washington am Freitag nicht. Die bislang genaueste öffentliche Darstellung liefert die Ende Januar erschienene Recherche der „Financial Times“: Sie führt ein europäisches Immobilienimperium im Wert von rund 400 Millionen Euro über verschachtelte Mantelgesellschaften auf Ansari zurück – etliche davon im Großherzogtum registriert.

Zu den Vehikeln zählen demnach Tidalwave Holdings mit Gesellschaften in Luxemburg und den Niederlanden sowie Leopard Germany Bero 1 S.à r.l., eine Luxemburger Firma im Umfeld eines deutschen Einkaufszentrum-Investments. Die Eigentümerketten laufen laut FT durch mehrere europäische Rechtsordnungen und enden bei Smart Global Limited – jener 2011 gegründeten Muttergesellschaft auf St. Kitts und Nevis, die früher Ziba Leisure Limited hieß und nun selbst auf der US-Liste steht. Aus dem Luxemburger Handelsregister geht hervor, dass eines der Vehikel, die Tidalwave Holdings II S.à r.l. (RCS B193240), am 12. Januar 2015 gegründet wurde und unter der Adresse 11, rue de l’Industrie in Windhof westlich der Hauptstadt eingetragen ist.

Das von der FT identifizierte Portfolio umfasst:

  • zwölf Villen an der Bishops Avenue im Norden Londons, 2013 für rund 73 Millionen Pfund erworben, sowie eine weitere Villa für 33,7 Millionen Pfund (2014);
  • zwei Hotels der Marke Hilton in Frankfurt (City Centre und Gravenbruch);
  • das Einkaufszentrum Bero in Oberhausen, bewertet mit rund 68 Millionen Euro;
  • ein Steigenberger-Golf- und Spa-Resort mit 164 Zimmern in Camp de Mar auf Mallorca, bewertet mit rund 22 Millionen Euro;
  • eine Beteiligung am Fünf-Sterne-Schlosshotel in Kitzbühel in Österreich.

Ansari weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt Roger Gherson erklärte der „Financial Times“ Anfang des Jahres, sein Mandant „bestreite entschieden“, in irgendeiner finanziellen Beziehung zu den Revolutionsgarden zu stehen.

Keine EU-Pflicht zum Einfrieren – aber der lange Arm des Dollars

Unmittelbare Rechtswirkung entfalten US-Sanktionen im Großherzogtum nicht. Luxemburg setzt die Sanktionen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union um; für finanzielle Restriktivmaßnahmen ist das Finanzministerium zuständig, deren Umsetzung im Finanzsektor überwacht die Aufsichtsbehörde CSSF.

Genau hier liegt im Fall Ansari eine Lücke: Auf der EU-Sanktionsliste steht der Banker nach FT-Angaben nicht – Luxemburger Institute trifft damit keine unionsrechtliche Pflicht, ihm zugerechnete Vermögenswerte einzufrieren. Großbritannien ging einen anderen Weg: London sanktionierte Ansari bereits am 30. Oktober 2025 wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei der Finanzierung der Revolutionsgarden – mit Vermögenssperre, Einreiseverbot und dem Verbot, Unternehmen zu leiten. Wenige Tage zuvor, am 23. Oktober, hatte die iranische Zentralbank der Ayandeh Bank die Lizenz entzogen und das 2013 gegründete Institut abgewickelt, dessen Hauptaktionär Ansari war; die Vermögenswerte gingen an die Bank Melli. Britische Behörden froren nach einem Bericht der Zeitung „The National“ Immobilien im Wert von mehr als 100 Millionen Pfund ein. Weder die CSSF noch das Finanzministerium oder die Meldestelle CRF hatten sich bis Montag öffentlich zur US-Listung geäußert.

Faktisch reicht der Arm Washingtons dennoch weit. Nach der seit Langem geltenden „50-Prozent-Regel“ der OFAC gilt jedes Unternehmen, das zu mindestens 50 Prozent direkt oder indirekt gelisteten Personen gehört, selbst als blockiert – auch wenn es auf keiner Liste auftaucht. Mit der Listung von Smart Global Limited werden damit auch Gesellschaften in deren Eigentümerkette – einschließlich etwaiger von ihr kontrollierter Luxemburger Vehikel – für US-Banken, das Dollar-Clearing und amerikanische Geschäftspartner tabu.

Was der Fall für den Finanzplatz Luxemburg bedeutet

Der Fall trifft einen Finanzplatz, dessen Kerngeschäft grenzüberschreitende Strukturen sind. Ende Mai verwalteten Luxemburger Investmentfonds nach CSSF-Angaben ein Nettovermögen von 6.634,4 Milliarden Euro, verteilt auf 2.981 Organismen für gemeinsame Anlagen. Holdinggesellschaften mit Sitz im Großherzogtum halten routinemäßig Immobilien und Unternehmen in ganz Europa – exakt auf diesem Weg gelangten nach der FT-Recherche Frankfurter Hotels und Londoner Villen in Strukturen, die von Luxemburg aus verwaltet wurden und hinter denen ein inzwischen in Washington wie in London gelisteter Investor stand.

Aus Washington kamen zugleich Signale, dass weitere Schritte folgen dürften. „Indem wir diese Netzwerke ins Visier nehmen, stören die Vereinigten Staaten unmittelbar die Fähigkeit des Regimes, an Devisen zu gelangen“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, laut AFP.

Für die Praxis am Finanzplatz stellt sich vor allem die Frage des Screenings. Banken, Fondsverwalter und Domizilierungsdienstleister gleichen hier üblicherweise neben den EU- auch die OFAC-Listen ab, denn den Zugang zum Dollarsystem aufs Spiel zu setzen, ist ein Risiko, das kaum ein Haus eingeht – unabhängig davon, was das EU-Recht verlangt. Der Fall Ansari, ein in London und Washington sanktionierter Investor, dessen Firmenvehikel nach der FT-Recherche ein Jahrzehnt lang in Luxemburg saßen, dürfte die Prüfung wirtschaftlich Berechtigter in der Branche weiter in den Fokus rücken – und die Frage, ob die EU ihre Iran-Listen eines Tages an jene Washingtons und Londons angleicht. Sanktionslistungen sind Vorwürfe von Regierungen, keine gerichtlichen Feststellungen; in Luxemburg oder der EU ist Ansari nicht angeklagt.

Häufig gefragt

Wer ist Ali Ansari?
Ein 1962 geborener, in Dubai lebender iranischer Banker und früherer Hauptaktionär der 2025 abgewickelten Ayandeh Bank. Großbritannien sanktionierte ihn am 30. Oktober 2025, die USA folgten am 10. Juli 2026 und bezeichnen ihn als „Schlüsselfinanzier“ des Obersten Führers Mojtaba Khamenei. Ansari bestreitet die Vorwürfe.
Muss Luxemburg Ansaris Vermögenswerte einfrieren?
Nein. Luxemburg setzt nur UN- und EU-Sanktionen um, und Ansari steht nach FT-Angaben nicht auf der EU-Liste. Zuständig für finanzielle Restriktivmaßnahmen ist das Finanzministerium, die CSSF überwacht die Umsetzung im Finanzsektor. Keine der Behörden hat sich bislang öffentlich geäußert.
Was besagt die 50-Prozent-Regel der OFAC?
Jedes Unternehmen, das zu mindestens 50 Prozent direkt oder indirekt sanktionierten Personen gehört, gilt selbst als blockiert – auch ohne eigene Listung. Mit der Sanktionierung von Smart Global Limited sind damit auch Gesellschaften in deren Eigentümerkette, einschließlich Luxemburger Vehikel, für US-Banken und das Dollar-Clearing tabu.
Welche Immobilien werden Ansari zugerechnet?
Laut der „Financial Times“ unter anderem zwölf Villen an der Londoner Bishops Avenue (rund 73 Millionen Pfund), zwei Hilton-Hotels in Frankfurt, das Bero-Einkaufszentrum in Oberhausen (rund 68 Millionen Euro), ein Steigenberger-Resort auf Mallorca und eine Beteiligung am Schlosshotel Kitzbühel.
Quellen(20)
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