Korruptionsprozess in Seoul

Sieben Jahre Haft für Südkoreas frühere First Lady Kim Keon-hee

Ein Gericht sah es als erwiesen an, dass Kim Keon-hee ihre Stellung als Präsidentengattin gegen Schmuck, Kunst und eine Designerhandtasche eintauschte – ihre zweite Verurteilung binnen zwei Monaten.

Von Léa Hoffmann · · 4 Min. Lesezeit

Das Gebäude des Zentralen Bezirksgerichts Seoul im Stadtbezirk Seocho-gu, wo Kim Keon-hee verurteilt wurde
Das Zentrale Bezirksgericht Seoul in Seocho-gu, an dem das Urteil gegen Kim Keon-hee erging. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Es ist eine Bilanz, die in der jüngeren Geschichte Südkoreas ihresgleichen sucht: Erstmals sitzen ein früherer Präsident und seine Frau zugleich im Gefängnis. Am Freitag verurteilte das Zentrale Bezirksgericht Seoul die ehemalige First Lady Kim Keon-hee zu sieben Jahren Haft wegen Bestechung. Sie habe ihre Stellung als Frau des Präsidenten genutzt, um Posten und geschäftliche Gefälligkeiten zu vermitteln – im Gegenzug nahm sie Schmuck, eine Designerhandtasche und teure Kunst entgegen.

Die dreiköpfige Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Jo Soon-pyo sah einen Verstoß gegen das Gesetz zur verschärften Ahndung bestimmter Wirtschaftsdelikte als erwiesen an. Zusätzlich verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 64,8 Millionen Won (rund 42.000 Dollar) und ordnete die Einziehung der angenommenen Geschenke an. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sechs Monate gefordert. Für Kim ist es bereits die zweite strafrechtliche Verurteilung binnen zweier Monate – und eines der folgenreichsten Korruptionsurteile aus dem politischen Trümmerfeld, das ihr Mann, der gestürzte Präsident Yoon Suk-yeol, hinterlassen hat.

Eine Liste teurer Gaben

Nach Darstellung der Anklage nahm Kim Geschenke im Gesamtwert von rund 300 Millionen Won (etwa 200.000 Dollar) entgegen – von Wirtschaftsvertretern, einem Pastor und Amtsträgern, die sich Personalentscheidungen oder geschäftliche Vorteile erhofften, während ihr Mann im Amt war. Das Gericht listete eine Reihe von Gegenständen auf, von denen es mehrere einzog:

  • eine Diamantkette von Van Cleef & Arpels sowie weiterer Schmuck von Lee Bong-kwan, dem Vorstandsvorsitzenden des Bauunternehmens Seohee Construction;
  • ein Gemälde des renommierten koreanischen Künstlers Lee Ufan im Wert von rund 140 Millionen Won von Kim Sang-min, einem früheren leitenden Staatsanwalt;
  • eine Dior-Handtasche und weitere Gegenstände von Pastor Choi Jae-young;
  • eine Luxusuhr von einem Geschäftsmann namens Seo Seong-bin;
  • eine goldene Schildkrötenfigur und ein traditionelles Gemälde von Lee Bae-yong, dem früheren Leiter der Nationalen Bildungskommission.

Laut der Zeitung Seoul Economic Daily bezifferte das Gericht den Gesamtwert der Geschenke auf rund 292 Millionen Won. Auch mehrere Mitangeklagte wurden verurteilt: Der Bau-Vorstandschef erhielt ein Jahr Haft auf zwei Jahre zur Bewährung, der Geschäftsmann Seo zehn Monate auf zwei Jahre, gegen den Pastor erging eine Geldstrafe.

Wenn Amtsgewalt zur Ware wird

In seiner Begründung hielt das Gericht der Angeklagten vor, sie habe das Vertrauen untergraben, das eine Präsidentengattin zu schützen habe, und die Hebel des Staates in Werkzeuge privater Bereicherung verwandelt.

Angesichts der Natur dieser Stellung muss die Ehefrau eines Präsidenten ein Höchstmaß an Selbstbeherrschung und Wachsamkeit walten lassen. Dennoch hat die Angeklagte Kim Keon-hee diese gesellschaftliche Verantwortung vernachlässigt und wiederholt Wertgegenstände angenommen, indem sie ihren Einfluss als Mittel zur Vermittlung von Gefälligkeiten ausnutzte.

„Öffentliche Entscheidungen, die fair und transparent getroffen werden sollten, wurden zum Gegenstand eines Geschäfts für persönlichen Gewinn herabgewürdigt“, zitierte die Seoul Economic Daily das Gericht.

Verteidigung kündigt Berufung an

Kim, die in grauem Kostüm und weißer Maske mit gesenktem Kopf der Verhandlung folgte, hatte jedes Fehlverhalten während des gesamten Prozesses bestritten. Ihre Anwälte kündigten Berufung an. Sie warfen dem Urteil vor, es beruhe auf einer „großzügigen Auslegung“ unzureichender Beweise, und hielten daran fest, dass die Geschenke keine Bestechung gewesen seien. Mit der Berufung geht der Fall in die nächste Instanz – ein Verfahren, das sich über Monate ziehen dürfte.

Eine Abrechnung, die immer weiter greift

Das Urteil vertieft ein außergewöhnliches Kapitel der südkoreanischen Politik: Erstmals in der Geschichte des Landes sitzen ein früherer Präsident und eine frühere First Lady gleichzeitig in Haft. Kim wurde im August 2025 festgenommen, nachdem ein Gericht den Haftbefehl mit der Gefahr begründet hatte, sie könne Beweise manipulieren. Wenige Tage später erhob ein Sonderermittlungsteam Anklage, das der liberale Präsident Lee Jae-myung nach seinem Amtsantritt mit der Aufarbeitung der Regierung Yoon betraut hatte.

Bereits im April hatte ein anderes Berufungsgericht Kim zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von 50 Millionen Won verurteilt – im Zusammenhang mit der Kursmanipulation bei der Firma Deutsch Motors (die unrechtmäßigen Gewinne wurden auf rund 811,44 Millionen Won beziffert) sowie mit Zuwendungen von Personen aus dem Umfeld der Vereinigungskirche. Das Gericht wertete sie dabei als Mittäterin und nicht als passive Anlegerin.

Der Absturz ihres Mannes fiel noch tiefer aus. Nachdem das Verfassungsgericht 2025 seine Amtsenthebung bestätigt hatte, wurde Yoon des Aufstands für schuldig befunden und im Februar 2026 wegen seiner kurzlebigen Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024 zu lebenslanger Haft verurteilt; die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe gefordert. Auch mehrere Mitverschwörer wurden verurteilt, darunter der frühere Verteidigungsminister Kim Yong-hyun mit 30 Jahren Haft.

Das Urteil vom Freitag ist nicht rechtskräftig, und die juristische Aufarbeitung von Yoons kurzem Griff nach Notstandsbefugnissen dürfte sich über Jahre hinziehen. Doch für eine Demokratie, die ihre Führung immer wieder vor Gericht gestellt hat, war die Verurteilung einer früheren First Lady ein seltenes Signal: Nähe zur Macht schützt nicht vor ihr.

Häufig gefragt

Warum wurde Kim Keon-hee verurteilt?
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie ihre Stellung als Präsidentengattin nutzte, um Personalentscheidungen und geschäftliche Vorteile zu vermitteln, und dafür Wertgegenstände annahm – ein Verstoß gegen das Gesetz zur verschärften Ahndung bestimmter Wirtschaftsdelikte.
Welche Geschenke soll sie angenommen haben?
Unter anderem eine Diamantkette von Van Cleef & Arpels, ein Gemälde von Lee Ufan (rund 140 Millionen Won), eine Dior-Handtasche, eine Luxusuhr sowie eine goldene Schildkrötenfigur – nach Gerichtsangaben im Gesamtwert von rund 292 Millionen Won.
Ist das Urteil rechtskräftig?
Nein. Kims Anwälte kündigten Berufung an und kritisierten das Urteil als auf einer „großzügigen Auslegung“ unzureichender Beweise beruhend. Der Fall geht in die nächste Instanz, was Monate dauern dürfte.
Was ist mit ihrem Mann Yoon Suk-yeol?
Yoon wurde 2025 seines Amtes enthoben und im Februar 2026 wegen Aufstands zu lebenslanger Haft verurteilt – wegen seiner Ausrufung des Kriegsrechts im Dezember 2024. Erstmals sitzen damit ein früherer Präsident und eine frühere First Lady gleichzeitig in Haft.
Quellen(9)
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  2. 2South Korean ex-first lady sentenced to 7 years for bribery scandalNPR (Associated Press) · npr.org
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  5. 5South Korea Court Gives Ex-First Lady Kim Keon Hee 7-Year Jail Term for BriberyU.S. News & World Report (Reuters) · usnews.com
  6. 6Kim Keon-hee Sentenced to Four Years in Deutsch Motors Stock Manipulation AppealSeoul Economic Daily · en.sedaily.com
  7. 7Appeals court increases sentence for ex-first lady to 4 years for corruptionUPI · upi.com
  8. 8Former South Korean President Yoon Suk Yeol handed life sentence for leading insurrectionCNN · cnn.com
  9. 9South Korea's former first lady Kim Keon Hee indicted for briberyCNN · cnn.com

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