Katastrophenhilfe
Luxemburg bringt Satellitentechnik in die Erdbebenregion Venezuelas
Zwei CGDIS-Helfer flogen am Freitagabend mit einer Maschine der Luxembourg Air Rescue ab – an Bord das System emergency.lu, das im Katastrophengebiet die Kommunikation wiederherstellen soll.
Von Léa Hoffmann · · 4 Min. Lesezeit

Während Venezuela die Toten der schwersten Erdbeben seit mehr als einem Jahrhundert zählt, hat sich Luxemburg am Freitagabend an der internationalen Hilfsaktion beteiligt. Statt schwerem Rettungsgerät schickt das Großherzogtum das, woran es nach jeder Katastrophe in den ersten Stunden am meisten fehlt: eine funktionierende Verbindung zur Außenwelt.
Zwei Mitglieder des humanitären Einsatzteams (HIT) des Grherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) verließen Luxemburg am Freitag an Bord eines Flugzeugs der Luxembourg Air Rescue. Im Gepäck führten sie Komponenten der nationalen Plattform emergency.lu mit, die den Helfern vor Ort die Kommunikation zurückgeben sollen – so berichtet es die Tageszeitung L'essentiel unter Berufung auf die zuständigen Ministerien. Drei weitere HIT-Fachleute sollten am Samstag von Rom aus starten, um die Koordinierungszelle der Europäischen Union vor Ort zu verstärken.
Genehmigt wurde der Einsatz von Vize-Premierminister Xavier Bettel, in dessen Zuständigkeit Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Angelegenheiten fallen, sowie von Innenminister Léon Gloden. Die Mission ist auf rund 15 Tage angelegt; 75 Prozent der Kosten trägt die Europäische Union über ihren Katastrophenschutzmechanismus.
Eine Erfindung aus den Lehren von Haiti
Der luxemburgische Beitrag heißt Verbindung. Die Plattform emergency.lu ist ein mobiles Satellitenkommunikationssystem, das nach dem Erdbeben in Haiti 2010 entstand – damals zeigte sich, dass zerstörte Netze die Koordination in den entscheidenden ersten Stunden lahmlegten. Betrieben wird es von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe im Außenministerium, als öffentlich-private Partnerschaft mit dem Satellitenbetreiber SES, dem Ingenieurunternehmen HITEC und der Luxembourg Air Rescue.
Nach Angaben der Betreiber lässt sich das System binnen Stunden nach einem Alarm an jeden Ort der Welt fliegen und in Betrieb nehmen. Es stellt Sprach- und Datenverbindungen wieder her, damit sich Hilfs- und Katastrophenschutzkräfte untereinander und mit ihren Zentralen abstimmen können. Zu den Partnern zählen Organisationen der Vereinten Nationen und der Emergency Telecommunications Cluster. In der EU-Aufstellung der nationalen Angebote ist Luxemburgs Paket als „Telekommunikations-, Unterkunfts- und Energieausrüstung“ verzeichnet.
Acht Staaten, eine europäische Antwort
Luxemburg ist einer von acht Mitgliedstaaten, die in den ersten 48 Stunden den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert haben. Nach Angaben der Europäischen Kommission haben Tschechien, Spanien, Italien, Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Portugal und die Niederlande zusammen mehr als 520 Einsatzkräfte mobilisiert, darunter Feuerwehrleute, Rettungshunde und medizinisches Personal. Italien entsendet ein medizinisches Team, andere Staaten stellen Such- und Rettungskapazitäten. Zugleich aktivierte die Union ihren Copernicus-Satellitendienst, um die Schäden aus dem All zu kartieren.
Wir stehen in dieser Zeit großer Tragödie und Katastrophe an der Seite der Menschen in Venezuela.
So formulierte es Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die erklärte, die Kommission koordiniere die europäische Antwort und sei bereit, weitere Hilfe zu leisten, auch medizinische. Die für Krisenmanagement zuständige EU-Kommissarin Hadja Lahbib ergänzte, sie sei „dankbar, dass immer mehr europäische Länder einspringen, um Venezuela zu helfen“.
Hunderte Tote, Zehntausende ohne Obdach
Die beiden Beben erschütterten am Mittwoch, dem 24. Juni, den nördlich-zentralen Teil Venezuelas. Nach Angaben des US-amerikanischen Geologiedienstes USGS folgte auf ein Vorbeben der Stärke 7,2 um 18:04 Uhr Ortszeit nur 38 Sekunden später ein Hauptbeben der Stärke 7,5 – beide flach, mit einem Epizentrum nahe San Felipe im Bundesstaat Yaracuy. Die schwersten Zerstörungen trafen den Küstenstaat La Guaira und die Hauptstadt Caracas. Eine Tsunami-Warnung für Puerto Rico, die Dominikanische Republik und die Amerikanischen Jungferninseln wurde später aufgehoben.
Bis Freitag bezifferte die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez die Opferzahl auf 589 Tote und nahezu 3.000 Verletzte – Werte, die mit jeder Aktualisierung steigen, je weiter die Retter in eingestürzte Gebäude vordringen. Der Sender Al Jazeera berichtete, allein in La Guaira seien mindestens 70.000 Familien obdachlos geworden; Hunderte würden unter Trümmern vermutet.
Die internationale Mobilisierung verlief umfangreich und schnell:
- Die Vereinigten Staaten entsandten föderale Such- und Rettungseinheiten und sagten ein Hilfspaket von 150 Millionen Dollar zu.
- Brasilien schickte ein Feldlazarett.
- El Salvador, Mexiko, Kolumbien, die Türkei, Indien und die Schweiz flogen Retter und tonnenweise Ausrüstung ein.
- Organisationen der Vereinten Nationen koordinieren die Bedarfsermittlung, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften gab Soforthilfemittel frei.
Wenige Luxemburger in Gefahr
Das luxemburgische Außenministerium erklärte, 22 Personen mit luxemburgischer Staatsangehörigkeit seien als in Venezuela lebend registriert; keine von ihnen habe sich hilfesuchend an die konsularischen Dienste gewandt. Auf der Reise-Anmeldeplattform LamA hatte niemand das Land als Ziel hinterlegt. Das Großherzogtum unterhält keine eigene Botschaft in Venezuela und wird in Caracas von der Botschaft des Königreichs der Niederlande vertreten.
Für ein Land mit rund 670.000 Einwohnern ist ein solcher Einsatz weniger Ausnahme als Routine. Über emergency.lu und seine kleinen, hochspezialisierten Katastrophenschutzteams hat sich Luxemburg seit mehr als einem Jahrzehnt als Anbieter des unscheinbaren Rückgrats der Katastrophenhilfe etabliert – jener Verbindung, Unterkunft und Energieversorgung, die größeren Rettungskontingenten erst ihre Arbeit ermöglichen. Am Freitagabend war dieses Rückgrat erneut in der Luft.
Häufig gefragt
- Was genau leistet Luxemburg in Venezuela?
- Luxemburg entsendet Helfer des CGDIS und die mobile Satellitenplattform emergency.lu, die im Katastrophengebiet Sprach- und Datenverbindungen für Rettungskräfte wiederherstellt. In der EU-Aufstellung ist der Beitrag als Telekommunikations-, Unterkunfts- und Energieausrüstung verzeichnet.
- Wer hat den Einsatz genehmigt und wie lange dauert er?
- Vize-Premierminister Xavier Bettel und Innenminister Léon Gloden autorisierten den Einsatz. Er ist auf rund 15 Tage angelegt, wobei die EU 75 Prozent der Kosten über den Katastrophenschutzmechanismus trägt.
- Wie viele Opfer forderten die Erdbeben?
- Nach Angaben der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez vom 26. Juni starben mindestens 589 Menschen, nahezu 3.000 wurden verletzt. Allein in La Guaira wurden laut Al Jazeera mindestens 70.000 Familien obdachlos. Die Zahlen steigen weiter.
- Sind Luxemburger von dem Beben betroffen?
- Das Außenministerium registrierte 22 in Venezuela lebende luxemburgische Staatsangehörige; keine hat sich bei den konsularischen Diensten gemeldet. Luxemburg hat keine Botschaft im Land und wird in Caracas von der niederländischen Botschaft vertreten.
Quellen(10)
- 1EU deploys emergency assistance to Venezuela following earthquakesEuropean Civil Protection and Humanitarian Aid Operations (ECHO) · civil-protection-humanitarian-aid.ec.europa.eu
- 2Séismes au Venezuela: au moins 589 morts après le double tremblement de terreL'essentiel · lessentiel.lu
- 3About – emergency.luemergency.lu (Luxembourg MFA / Directorate for Development Cooperation and Humanitarian Affairs) · emergency.lu
- 4World aids rescue effort as Venezuela quake death toll hits 589Al Jazeera · aljazeera.com
- 5Which countries have pledged aid to Venezuela after powerful earthquakes?Al Jazeera · aljazeera.com
- 62026 Venezuela earthquakesWikipedia · en.wikipedia.org
- 7Venezuela earthquakes LIVE: UN rapidly deploys aid and rescue teamsUN News · news.un.org
- 8The EU mobilises Civil Protection and Copernicus for VenezuelaEunews · eunews.it
- 9June 24-25, 2026 — Venezuela rocked by 7.5 and 7.2 magnitude earthquakesCNN · cnn.com
- 10Venezuela earthquakes death toll climbs as rescue efforts continueNPR · npr.org
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