Epidemie in der DR Kongo

Ebola im Ostkongo: Mehr als 400 Tote, während der Krieg die Eindämmung lähmt

Der Ausbruch in Ituri ist der drittgrößte je registrierte. Gegen den seltenen Bundibugyo-Erreger gibt es keinen zugelassenen Impfstoff – und bewaffnete Gruppen versperren den Helfern den Zugang.

Von Léa Hoffmann · · 4 Min. Lesezeit

Ebola-Behandlungszentrum am Rand von Bunia in der Provinz Ituri: weiße Zeltstationen hinter orangefarbenem Bauzaun, Helfer in vollständiger Schutzausrüstung.
Ein Ebola-Behandlungszentrum am Rand von Bunia, Provinz Ituri, im Osten der DR Kongo: biosichere Zeltstationen hinter orangefarbenem Kunststoffzaun, betreut von Helfern in voller Schutzausrüstung. Illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Es ist der schwerste Ebola-Ausbruch, den die Demokratische Republik Kongo seit Jahren erlebt – und er trifft ausgerechnet einen Landstrich, in dem der Krieg die medizinische Hilfe nahezu zum Erliegen gebracht hat. Mehr als 400 Menschen sind mittlerweile gestorben, verursacht von einem selten gesehenen Stamm des Virus, der sich durch den Osten des Landes frisst.

Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit der DR Kongo verzeichnete zum Stand 29. Juni 1.333 bestätigte Fälle und 399 Todesfälle. Innerhalb weniger Tage überschritt diese Bilanz die Marke von 400, als aus der Provinz Ituri neue Sterbefälle gemeldet wurden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Notlage als drittgrößten je registrierten Ebola-Ausbruch ein – übertroffen nur von der Westafrika-Epidemie 2014 bis 2016 und dem Ausbruch 2018 bis 2020 in eben jener östlichen Grenzregion des Kongo.

Ein Erreger ohne Gegenmittel

Was diesen Ausbruch von früheren unterscheidet, ist der Erreger selbst. Verantwortlich ist das Bundibugyo-Virus, eine Ebola-Art, gegen die es – anders als beim weitaus häufigeren Zaire-Stamm – weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine anerkannte Therapie gibt. Die nach vergangenen Epidemien angelegten Impfstoff- und Antikörpervorräte wurden gegen ein anderes Virus entwickelt. Den Helfern bleibt so vor allem die unterstützende Behandlung, während Forscher unter Hochdruck mögliche Wirkstoffe erproben.

Bestätigt wurde die Epidemie am 15. Mai durch das kongolesische Gesundheitsministerium; zwei Tage später erklärte die WHO sie zur „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite". Es ist der 17. dokumentierte Ebola-Ausbruch des Landes, seit das Virus 1976 erstmals beschrieben wurde. Der Schwerpunkt liegt fast vollständig in Ituri, wo die Provinzhauptstadt Bunia am härtesten getroffen ist.

Nach dem WHO-Stand vom 19. Juni waren 33 Gesundheitszonen in drei Provinzen betroffen – 21 in Ituri, elf in Nord-Kivu und eine in Süd-Kivu; später kam ein Fall im benachbarten Haut-Uélé hinzu. Die rohe Letalitätsrate bewegt sich um die 30 Prozent. Die wichtigsten Zahlen:

  • Über 90 Prozent der Fälle entfallen auf Ituri, mit Schwerpunkten in Bunia, Rwampara und Mongbwalu.
  • Uganda meldete 20 bestätigte Fälle und zwei Todesfälle, darunter in der Hauptstadt Kampala, im Zusammenhang mit grenzüberschreitender Übertragung.
  • Frankreich verzeichnete einen einzigen Fall: einen Arzt, der nach einem humanitären Einsatz in der DR Kongo erkrankte.
  • Nach Angaben der Vereinten Nationen haben sich fast 80 Beschäftigte des Gesundheitswesens infiziert.

Warum die Eindämmung scheitert

Das Virus zirkuliert in einer der gefährlichsten Regionen der Welt. Der Osten des Kongo wird seit Jahren von Konflikten zerrüttet: Die Bewegung M23 kontrolliert Teile von Süd-Kivu, daneben operieren die Allied Democratic Forces und die Miliz CODECO. Diese Unsicherheit hat wiederholt jene Überwachung, Kontaktnachverfolgung und sicheren Bestattungen unterbunden, auf die jede Ebola-Bekämpfung angewiesen ist.

Behandlungszentren wurden angegriffen und teils von misstrauischen Anwohnern in Brand gesetzt. Tagelange Trauerfeiern, bei denen die Angehörigen die hochansteckenden Leichname berühren, lösen immer neue Infektionsketten aus. Grenzschließungen und der Mangel an Schutzausrüstung bremsen die Arbeit zusätzlich.

„Diese Zentren sind mehrfach angegriffen worden. Sie brauchen von allem mehr: Schutzkleidung, Medikamente, Schnelltests und Leichensäcke."

Diese Einschätzung stammt von der Al-Jazeera-Korrespondentin Catherine Wambua-Soi, die aus der Region berichtet, und beschreibt die Kluft zwischen dem Ausmaß der Bedrohung und den Mitteln vor Ort. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die mehr als 600 Kräfte entsandt hat und Behandlungszentren in Bunia, Mongbwalu und jenseits der Grenze in Kampala betreibt, warnt vor „großen Lücken bei Überwachung, Diagnose, Kontaktnachverfolgung und Einbindung der Bevölkerung", die den Kampf gegen die Epidemie untergraben.

Ein Wettlauf der Helfer gegen das Virus

Trotzdem ist die Reaktion deutlich hochgefahren worden. Laut den Vereinten Nationen wuchs die Behandlungskapazität von weniger als zehn auf über 500 Betten in 19 Zentren, die tägliche Testkapazität stieg von 30 Proben auf mehr als 2.000 in neun Laboren, und über 100 Patienten sind genesen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste am 28. Mai in die DR Kongo, um den Einsatz zu unterstützen.

Am 5. Juni legten die WHO und die Afrikanischen Zentren für Seuchenkontrolle (Africa CDC) einen gemeinsamen kontinentalen Plan auf, der über sechs Monate 518 Millionen US-Dollar mobilisieren soll – um den Ausbruch zu bekämpfen und die Abwehr in den Nachbarstaaten zu stärken. Parallel gehen Forscher dazu über, mögliche Behandlungen zu testen, darunter das antivirale Mittel Remdesivir und monoklonale Antikörper; die Vereinigten Staaten liefern experimentelle Dosen für klinische Studien.

Diesen Ausbruch besiegen wir nur durch enge Partnerschaft – gemeinsam, unter Führung der betroffenen Länder, in einer koordinierten Anstrengung, geleitet von einem einfachen Grundsatz: ein Plan, ein Budget, ein Team.

So umriss Tedros die Strategie bei der Vorstellung des Plans. Sein Amtskollege bei der Africa CDC, Generaldirektor Jean Kaseya, formulierte die Dringlichkeit schärfer: „Ebola bewegt sich schnell. Afrika muss sich schneller bewegen."

Die Furcht vor der Ausbreitung

Die zentrale Sorge lautet nun, dass das Virus sein Kerngebiet verlässt. WHO und Africa CDC bewerten das Risiko für Länder mit einer Landgrenze zu den betroffenen Gebieten als hoch – wegen der ständigen Bewegung von Menschen durch grenzüberschreitenden Handel und Bergbau. Ituri und Haut-Uélé grenzen an den Südsudan und die Zentralafrikanische Republik, die weitere Region an Uganda und Ruanda.

In Uganda ist die grenzüberschreitende Übertragung bereits dokumentiert, ein einzelner eingeschleppter Fall erreichte Frankreich – ein Beleg dafür, wie schnell die Krankheit reisen kann. Der gemeinsame Reaktionsplan benennt zehn vorrangige Länder, in denen Überwachung und Bereitschaft verstärkt werden, sollte die Epidemie weiter überspringen. Vorerst, so die Gesundheitsbehörden, hängt der weitere Verlauf weniger von der gut verstandenen Wissenschaft über Ebola ab als von der Frage, ob die Helfer die Kranken in einem vom Krieg geprägten Land überhaupt erreichen.

Häufig gefragt

Warum ist dieser Ebola-Ausbruch so schwer zu bekämpfen?
Zum einen zirkuliert der seltene Bundibugyo-Stamm, gegen den es keinen zugelassenen Impfstoff und keine anerkannte Therapie gibt. Zum anderen liegt das Ausbruchsgebiet in einer aktiven Kriegsregion: Angriffe auf Behandlungszentren, Misstrauen der Bevölkerung, tagelange Trauerfeiern und Mangel an Schutzausrüstung untergraben die Eindämmung.
Wie groß ist die Gefahr, dass sich Ebola über den Kongo hinaus ausbreitet?
WHO und Africa CDC stufen das Risiko für Länder mit Landgrenze zu den betroffenen Gebieten als hoch ein. Uganda meldete bereits 20 Fälle und zwei Tote, Frankreich einen eingeschleppten Fall. Zehn vorrangige Länder verstärken Überwachung und Bereitschaft.
Was unternehmen WHO und Africa CDC gegen den Ausbruch?
Am 5. Juni legten sie einen gemeinsamen Plan über 518 Millionen US-Dollar für sechs Monate auf. Die Behandlungskapazität wuchs auf über 500 Betten in 19 Zentren, die Testkapazität auf mehr als 2.000 Proben täglich. Zugleich werden mögliche Wirkstoffe wie Remdesivir und monoklonale Antikörper erprobt.
Quellen(10)
  1. 1Ebola disease caused by Bundibugyo virus, DRC & Uganda — Disease Outbreak News (DON608, 19 June 2026)World Health Organization · who.int
  2. 2Epidemic of Ebola disease caused by Bundibugyo virus in the DRC and Uganda determined a public health emergency of international concernWorld Health Organization · who.int
  3. 3Africa CDC and WHO launch joint continental Ebola response planWorld Health Organization · who.int
  4. 4Lives at risk in DR Congo as Ebola outbreak continues to outpace responseUN News · news.un.org
  5. 5DR Congo says 1,307 Ebola cases confirmed, including 377 deathsAl Jazeera · aljazeera.com
  6. 62026 Central Africa Ebola epidemicWikipedia · en.wikipedia.org
  7. 7Ebola disease outbreak in DR Congo: MSF response, key facts, and timelineMédecins Sans Frontières · doctorswithoutborders.org
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  9. 9WHO, Africa CDC announce joint Ebola response planCIDRAP, University of Minnesota · cidrap.umn.edu
  10. 10Ebola deaths pass 400 in the DRCWorld Socialist Web Site · wsws.org

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