Schieneninfrastruktur

Baustellenjahr 2026: CFL erneuert fast 30 Kilometer Gleise – Sperrungen in allen Schulferien

Von Karneval bis Allerheiligen sperrt die CFL abschnittsweise alle Hauptstrecken; im Sommer trifft es fünfeinhalb Wochen die Pendlerachse nach Thionville – im ersten Jahr des 4,7-Milliarden-Vertrags.

Von Tom Schmit · · 4 Min. Lesezeit

CFL-Doppelstockzug in rot-weißer Lackierung neben nächtlichen Gleisbauarbeiten mit Schotter, Schwellen und Stopfmaschine
Ein Doppelstockzug der CFL neben nächtlichen Gleiserneuerungsarbeiten auf dem luxemburgischen Netz – illustratives, KI-generiertes Bild. Illustration: KI-generiert — Status

Wer in Luxemburg auf die Bahn angewiesen ist, sollte 2026 den Baustellenkalender griffbereit haben. Die nationale Bahngesellschaft CFL erneuert in diesem Jahr netzweit fast 30 Kilometer Gleise, verbaut dabei mehr als 50.000 Schwellen und rund 50.000 Tonnen Schotter – und sperrt dafür in jeder Schulferienperiode Abschnitte der Hauptstrecken, darunter die grenzüberschreitenden Achsen nach Thionville, Arlon und Trier, auf die Zehntausende Berufspendler täglich angewiesen sind.

Betroffen sind alle vier Hauptachsen des Netzes: die Nordstrecke Luxemburg–Ettelbrück–Troisvierges–Gouvy, die Linie Luxemburg–Wasserbillig–Trier, die Verbindung Luxemburg–Kleinbettingen–Arlon sowie die Strecken in den Süden nach Esch-sur-Alzette und Rodange. „Nach 254 Tagen Bauarbeiten, die 2025 der Mobilität von morgen gewidmet waren, setzen die CFL ihr Engagement 2026 fort“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Das Programm ist zugleich der Auftakt eines neuen, im Dezember 2025 mit dem Staat unterzeichneten Infrastrukturvertrags über 4,7 Milliarden Euro und 15 Jahre Laufzeit.

Gebaut wird, wenn die Schule aus ist

Die CFL legt die Arbeiten bewusst in die Schulferien – nach eigenen Angaben die einzige Zeit, in der weniger Fahrgäste unterwegs und genügend Busse für den Ersatzverkehr verfügbar sind. Die wichtigsten Unterbrechungen im Überblick:

  • Karneval (14.–22. Februar): Luxemburg–Arlon und Luxemburg–Bettemburg gesperrt.
  • Ostern (28. März–12. April): Luxemburg–Arlon, Luxemburg–Ettelbrück/Diekirch, Bettemburg–Esch-sur-Alzette sowie die Abschnitte Esch–Audun-le-Tiche und Rumelange–Noertzange.
  • Pfingsten (23.–31. Mai): Luxemburg–Arlon, Luxemburg–Ettelbrück/Diekirch und Luxemburg–Bettemburg.
  • Sommer (16. Juli–14. September): Luxemburg–Thionville vom 16. Juli bis 23. August; Luxemburg–Bettemburg vom 16. Juli bis 14. August; Luxemburg–Esch-sur-Alzette und Noertzange–Rumelange vom 15. bis 23. August; Bettemburg–Volmerange-les-Mines vom 16. bis 31. Juli und vom 15. bis 30. August; die Nordstrecke Ettelbrück–Troisvierges–Gouvy samt dem Ast Kautenbach–Wiltz sowie der Trierer Korridor Luxemburg–Igel vom 24. August bis 14. September.
  • Allerheiligen (31. Oktober–8. November): Luxemburg–Bertrange-Strassen, Luxemburg–Athus/Longwy und Luxemburg–Ettelbrück/Diekirch.

Für jede Sperrung richtet die CFL einen Ersatzverkehr ein, abgestimmt mit den Busnetzen RGTR und TICE sowie der belgischen SNCB. Im Sommer sollen rund 200 Fahrerinnen und Fahrer täglich knapp 1.000 Ersatzfahrten leisten. Auf der Arlon-Strecke kommen Anfang Juli kurze Sperrungen hinzu, bis in den August gilt dort ein angepasster Fahrplan. Alle Details stehen im Baustellenkalender auf cfl.lu und in der CFL-App.

Für Grenzgänger wird der Sommer lang

Nach Zahlen des Statistikamts STATEC pendeln rund 228.300 Grenzgänger nach Luxemburg – etwa 46 bis 47 Prozent der Erwerbstätigen im Land. Rund die Hälfte kommt aus Frankreich, der Rest verteilt sich auf Belgien und Deutschland. Die fünfeinhalbwöchige Sommersperrung der Strecke nach Thionville, der meistbefahrenen dieser Pendlerachsen, ist damit der heikelste Posten des Programms. Pendler aus der Region Trier müssen sich vom 24. August bis zum 14. September auf die Unterbrechung des Korridors über Wasserbillig einstellen.

Ein Gutteil der Behinderungen dient allerdings Projekten, die genau diese Engpässe beseitigen sollen. Kernstück ist die neue, sieben Kilometer lange Strecke zwischen Luxemburg und Bettemburg – laut Paperjam ein 414-Millionen-Euro-Projekt –, die den dichtesten Zulauf des Netzes entlasten soll: 2026 werden Oberleitung und Signaltechnik installiert, der volle Betrieb ist für September 2027 vorgesehen. In Howald geht in diesem Jahr der neue Umsteigeknoten in Betrieb; zwischen Howald und dem Hauptbahnhof stehen dann vier statt zwei Gleise zur Verfügung, Rolltreppen führen direkt zur Tramhaltestelle. Der Bahnhof Bettemburg, der am zweitstärksten frequentierte des Landes, wird samt einem zweiten Überwerfungsbauwerk („saut-de-mouton“) umgebaut; in Ettelbrück laufen die Abschlussarbeiten. Bahnübergänge verschwinden in Dommeldange, Milbech (Ende Juli 2026) und Colmar-Usines.

Zu den größten Einzelbaustellen der Gleiserneuerung zählen 5,7 Kilometer Doppelspur zwischen Wecker und Fausermillen (19.000 Schwellen, 7.000 Tonnen Schotter) sowie 2,6 Kilometer zwischen Cinqfontaines und Troisvierges mit 5.200 Metern Schienen, 4.300 Schwellen und 11.500 Tonnen Schotter; hinzu kommen Abschnitte bei Kautenbach–Paradiso (1,1 Kilometer) und Livange–Berchem (300 Meter).

Erstes Jahr des 4,7-Milliarden-Vertrags

Den finanziellen Rahmen setzt der am 12. Dezember 2025 unterzeichnete Vertrag über die Verwaltung der Schieneninfrastruktur: 4,7 Milliarden Euro vom 1. Januar 2026 bis Ende 2040 für das nationale Netz, die Bahnanlagen des Hafens Mertert und 68 Bahnhöfe und Haltepunkte – zwei davon, Audun-le-Tiche und Volmerange-les-Mines, auf französischem Boden. Unterzeichnet haben Mobilitätsministerin Yuriko Backes, CFL-Verwaltungsratspräsident Jeannot Waringo und Generaldirektor Marc Wengler; ausdrücklich genannt werden der Umbau des Luxemburger Hauptbahnhofs, die Neubaustrecke nach Bettemburg, multimodale Knotenpunkte und die Erneuerung der Instandhaltungsflotte. Die Regierung löse damit „ihr im Koalitionsabkommen gegebenes Versprechen ein, erheblich und ambitioniert in Infrastruktur und Personal zu investieren, um ein modernes, zugängliches und zuverlässiges Schienennetz zu gewährleisten“, sagte Backes.

Dank dieses erneuerten Vertrauensbeweises der Regierung – des Vertrags über die Verwaltung der Schieneninfrastruktur – verfügen wir nun über den Rahmen, die Planungssicherheit und die Mittel, um den Schienenverkehr als Rückgrat der öffentlichen Mobilität in Luxemburg und den Nachbarregionen zu verankern.

— Marc Wengler, Generaldirektor der CFL

Kein Land investiert pro Kopf mehr

Mit diesen Summen verteidigt das Großherzogtum eine Position, die es seit Jahren hält: In den Vergleichen der deutschen Allianz pro Schiene liegt Luxemburg bei den Pro-Kopf-Investitionen in die Schieneninfrastruktur europaweit vorn – 587 Euro je Einwohner im Jahr 2024, vor der Schweiz (480 Euro) und Österreich (352 Euro). Seit dem 29. Februar 2020 ist der öffentliche Nahverkehr im Land zudem als weltweit erstem kostenlos; nur für die grenzüberschreitenden Abschnitte nach Frankreich, Belgien und Deutschland braucht es weiterhin ein Ticket.

Hinter dem Bauprogramm steht schlicht die Auslastung: Die Fahrgastzahlen haben sich nach Angaben der CFL in rund zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt, täglich verkehren über 1.000 Personen- und Güterzüge auf dem kompakten Netz. Für die Fahrgäste bedeutet 2026 Busse, angepasste Fahrpläne und längere Reisezeiten. Die mit 4,7 Milliarden Euro unterlegte Wette lautet, dass sich das Warten lohnt – auf eine neue Strecke nach Bettemburg, einen viergleisigen Südzulauf und modernisierte Bahnhöfe.

Häufig gefragt

Wann ist die Strecke Luxemburg–Thionville 2026 gesperrt?
Vom 16. Juli bis zum 23. August 2026. Es ist die längste Sommersperrung des Jahres und betrifft die meistbefahrene Grenzgängerachse; die CFL setzt Ersatzbusse ein.
Warum finden die Bahnarbeiten in den Schulferien statt?
Nach Angaben der CFL sind die Schulferien die einzige Zeit, in der weniger Fahrgäste unterwegs sind und genügend Busse für den Schienenersatzverkehr verfügbar sind.
Wo finde ich die Details zum Ersatzverkehr?
Der Baustellenkalender mit allen Sperrungen und Ersatzbussen ist auf cfl.lu und in der CFL-App abrufbar; der Ersatzverkehr wird mit RGTR, TICE und der belgischen SNCB koordiniert.
Was umfasst der 4,7-Milliarden-Vertrag zwischen Staat und CFL?
Der am 12. Dezember 2025 unterzeichnete Vertrag läuft von 2026 bis 2040 und deckt das nationale Netz, die Bahnanlagen des Hafens Mertert und 68 Bahnhöfe ab – darunter der Umbau des Luxemburger Hauptbahnhofs und die neue Strecke nach Bettemburg.
Quellen(14)
  1. 1Nous travaillons pour votre mobilité de demain (2026 works programme)CFL · cfl.lu
  2. 2Les CFL prévoient de nombreuses interruptions ferroviaires en 2026Paperjam · paperjam.lu
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