Krypto-Regulierung

Binance setzt zum 1. Juli mehrere EU-Dienste aus – MiCA-Frist verfehlt

Weil die weltgrößte Kryptobörse ihren griechischen Lizenzantrag zurückzog und keine MiCA-Genehmigung erhielt, stoppt sie ab 1. Juli neue Trades, Einzahlungen und Registrierungen für EU-Kunden.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Binance-Handels-App auf einem Smartphone mit schwarzer Oberfläche und dem goldenen Rauten-Logo der Kryptobörse
Die Binance-App mit ihrer schwarzen Oberfläche und dem goldenen Rauten-Logo. Illustrative, mit KI erstellte Darstellung. Illustration: KI-generiert — Status

Stichtag 1. Juli: Vom kommenden Mittwoch an wird Binance, gemessen am Handelsvolumen die größte Kryptobörse der Welt, eine Reihe von Diensten für Kundinnen und Kunden in der Europäischen Union aussetzen. Der Grund ist ein regulatorisches Versäumnis. Die Börse hat ihren Antrag auf eine Lizenz nach dem neuen europäischen Krypto-Regelwerk fallengelassen und es bis zum Ablauf einer harten Frist nicht geschafft, sich anderswo in der EU genehmigen zu lassen.

Am 24. Juni bestätigte das Unternehmen, den in Griechenland gestellten Antrag nach der Verordnung über Märkte für Kryptowerte – kurz MiCA – zurückgezogen zu haben. Stattdessen wolle man eine Lizenz in einem anderen Mitgliedstaat beantragen, hieß es, ohne dass dieser benannt wurde. Wenige Tage vor dem Ende der Übergangsfrist steht Binance damit ohne jene einzelne nationale Zulassung da, die es braucht, um Kunden in allen 27 EU-Staaten weiter bedienen zu dürfen.

Was sich für EU-Nutzer ändert

Ab dem 1. Juli, so teilte Binance seinen Kunden mit, werde man EU-Ansässigen mehrere zentrale Funktionen nicht mehr anbieten, solange die Lizenz fehlt. Aus den Mitteilungen an die Nutzer – darunter E-Mails an französische Kunden am 25. Juni – geht hervor, dass die Einschränkungen das Neugeschäft treffen, nicht aber bestehende Guthaben. Ausgesetzt werden:

  • neue Kauf- und Verkaufsorders im Spothandel
  • Einzahlungen
  • neue Kontoeröffnungen und Registrierungen
  • die Produkte Earn, Staking und Launchpool

Auszahlungen bleiben möglich, und das Convert-Werkzeug der Börse steht weiter zur Verfügung – allerdings nur zum Verkaufen, damit Anleger ihre Positionen geordnet abbauen können. „Ihre Vermögenswerte bleiben sicher und geschützt und sind jederzeit zugänglich", erklärte Binance in einer Mitteilung an die Kundschaft.

Der Einschnitt ist die bislang sichtbarste Folge von MiCA für Privatanleger, aber nicht die erste. Bereits im März 2025 hatte Binance neun Stablecoins, die den MiCA-Vorgaben nicht genügen – darunter Tethers USDT, gemessen am Marktwert der größte –, für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum aus dem Spothandel genommen, während konforme Token wie Circles USDC und EURI gelistet blieben.

Warum Griechenland – und warum jetzt

MiCA trat 2024 in Kraft, die Regeln für Kryptowerte-Dienstleister (im Fachjargon CASP) gelten seit Ende desselben Jahres. Die Verordnung setzt EU-weite Standards für Anlegerschutz, Unternehmensführung und Geldwäscheprävention und erlaubt es einem in einem Mitgliedstaat zugelassenen Unternehmen, seine Dienste über das sogenannte Passporting in der gesamten Union anzubieten. Wer bereits unter nationalem Recht aktiv war, erhielt eine Übergangsfrist, die am 1. Juli 2026 endet; danach muss jedes Unternehmen ohne Lizenz sein EU-Geschäft abwickeln.

Binance begründete den Rückzug des griechischen Antrags mit einer „sorgfältigen Abwägung des aktuellen Stands und des Zeitplans des griechischen Verfahrens". Berichten zufolge stand die griechische Kapitalmarktaufsicht Hellenic Capital Market Commission kurz davor, den Antrag abzulehnen; Aufseher in Griechenland, Irland und Lettland sollen Bedenken wegen früherer Rechtsstreitigkeiten der Börse und ihrer verschachtelten Konzernstruktur geäußert haben. Die Hellenic Capital Market Commission wollte sich nicht äußern.

Führende Manager stellten den Rückzug als taktischen Schritt dar. Gillian Lynch, bei Binance für Europa und das Vereinigte Königreich zuständig, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Unternehmen habe keineswegs vor, die Region zu verlassen.

Binance verlässt Europa nicht.

Konzernchef Richard Teng schlug einen ähnlichen Ton an. „Wir halten daran fest, in den kommenden Monaten eine MiCA-Lizenz zu erlangen – und dabei für Klarheit zu sorgen, Störungen zu minimieren und die Nutzer direkt zu informieren", sagte er. Welche Jurisdiktion das Unternehmen als Nächstes ansteuern will, ließ es offen.

Prüfstein für Europas Regelwerk – und eine Chance für Luxemburg

Binances Stolpern zeigt, wie tief MiCA den europäischen Markt bereits umgepflügt hat. Bis Mitte Juni 2026 hatten dem Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA zufolge mehr als 200 Unternehmen eine vollständige CASP-Zulassung erhalten, verteilt auf rund zwei Dutzend Mitgliedstaaten. Schätzungen aus der Branche legen jedoch nahe, dass die große Mehrheit der vor dem Stichtag aktiven Anbieter die Hürde nicht genommen hat – viele werden ihr Europageschäft also schrumpfen oder ganz aufgeben müssen.

Diese Auslese hat die nationalen Aufseher zu Konkurrenten um jene Unternehmen gemacht, die die Vorgaben erfüllen können – und Luxemburg hat sich als einer der bevorzugten Standorte herausgeschält. Die Finanzaufsicht des Großherzogtums, die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF), erteilte Coinbase 2025 eine MiCA-Lizenz; die US-Börse machte Luxemburg damit als erstes Haus zu ihrem EU-Sitz. Wenige Tage vor der Juli-Frist gab die CSSF zudem Ripple ein vorläufiges „grünes Licht" für eine CASP-Lizenz.

Luxemburgs Angebot ruht auf eben jenem Passporting-Mechanismus, der Binance nun fehlt: Eine einzige Zulassung der CSSF öffnet die Tür zu Kunden in allen 27 EU-Staaten und im weiteren Europäischen Wirtschaftsraum. Für einen Finanzplatz, der Fonds und Banken seit Langem mit regulatorischer Berechenbarkeit umwirbt, ist die Krypto-Lizenzierung eine naheliegende Erweiterung – und ein Geschäft, um das er aktiv wirbt.

Es gibt keinerlei Hinweis, dass Binance zu den Unternehmen zählt, die nach Luxemburg blicken; die Börse hat lediglich erklärt, sie werde in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag stellen. Doch ihre Zwangslage führt vor Augen, worum es bei dem Lizenzwettlauf geht, auf den das Großherzogtum setzt. Vorerst sehen sich Millionen EU-Nutzer der weltgrößten Börse mit einem schmaleren Angebot konfrontiert – und mit der Erkenntnis, dass der Zugang zu Europas Kryptomarkt unter MiCA über die Genehmigung einer Aufsichtsbehörde führt.

Häufig gefragt

Welche Binance-Dienste sind für EU-Nutzer ab dem 1. Juli betroffen?
Ausgesetzt werden neue Spot-Handelsorders, Einzahlungen, neue Kontoeröffnungen sowie die Produkte Earn, Staking und Launchpool. Auszahlungen bleiben möglich, und das Convert-Werkzeug ist weiter nutzbar – allerdings nur zum Verkaufen. Bestehende Guthaben bleiben laut Binance jederzeit zugänglich.
Warum verliert Binance den EU-Zugang?
Binance hat keine Lizenz nach der EU-Verordnung MiCA erhalten. Am 24. Juni zog die Börse ihren in Griechenland gestellten Antrag zurück und will nun in einem anderen, bislang nicht genannten Mitgliedstaat eine Genehmigung beantragen. Bis zum Ende der Übergangsfrist am 1. Juli fehlt ihr damit die nötige Zulassung.
Was ist MiCA und was bedeutet das Passporting?
MiCA ist das EU-weite Regelwerk für Kryptowerte. Es setzt Standards für Anlegerschutz, Unternehmensführung und Geldwäscheprävention. Eine in einem Mitgliedstaat erteilte CASP-Lizenz erlaubt es einem Anbieter per Passporting, seine Dienste in allen 27 EU-Staaten und im weiteren EWR anzubieten.
Welche Rolle spielt Luxemburg bei der Krypto-Lizenzierung?
Die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF hat sich als bevorzugter MiCA-Standort etabliert: Sie erteilte Coinbase 2025 eine Lizenz und gab Ripple kurz vor der Juli-Frist ein vorläufiges grünes Licht. Einen Hinweis darauf, dass Binance Luxemburg ansteuert, gibt es jedoch nicht.
Quellen(10)
  1. 1Binance withdraws Greek MiCA bid but vows to remain in the EUCoinDesk · coindesk.com
  2. 2Binance to halt crypto services across EU countries after failing to secure MiCA approvalEuronews · euronews.com
  3. 3Binance co-CEO remains 'committed' to securing EU license after exchange withdraws Greece bidThe Block · theblock.co
  4. 4Binance to delist Tether and other non-MiCA compliant stablecoins for EEA usersThe Block · theblock.co
  5. 5'Not leaving Europe' - Binance unveils new MiCA plan after Greece exitAMBCrypto · ambcrypto.com
  6. 6Coinbase Secures MiCA Licence: A Milestone in Europe's Crypto EvolutionCoinbase · coinbase.com
  7. 7Coinbase has secured its Markets in Crypto Assets (MiCA) licence from Luxembourg's regulatorLuxembourg Trade & Invest · luxembourgtradeandinvest.com
  8. 8Ripple Secures Preliminary MiCA CASP License in LuxembourgBeInCrypto · beincrypto.com
  9. 9Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA)European Securities and Markets Authority (ESMA) · esma.europa.eu
  10. 10Markets in Crypto-Assets (MiCA/MiCAR)Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) · cssf.lu

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