Satellitenkommunikation
Luxemburger OQ Technology koppelt Drohne im Flug an 5G-Satelliten
Mit Airbus-Beteiligung koppelte das luxemburgische Unternehmen eine fliegende Drohne an seine Satelliten im erdnahen Orbit. Die Datenrate ist winzig — und genau das ist der Plan.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Eine kleine Drohne dreht Loopings und Drehungen am Himmel — und bleibt dabei nicht mit einem Mobilfunkmast verbunden, sondern mit einem Satelliten, der in einigen hundert Kilometern Höhe über sie hinwegzieht. Nach Angaben des luxemburgischen Betreibers OQ Technology hielt diese Verbindung während 99,95 Prozent des Fluges. Das Ergebnis ist bescheidener und zugleich interessanter, als der griffige Begriff „Drohnenvideo über Satellit“ vermuten lässt.
OQ Technology, gegründet 2016 in Luxemburg und nach eigener Darstellung der weltweit erste Satellitenbetreiber für globale 5G-Konnektivität im „Internet der Dinge“, hat 2025 in einer Reihe von Tests Drohnen direkt an seine Konstellation gekoppelt — und in einem getrennten Versuch komprimiertes Videomaterial von einer Drohne an einen Satelliten übertragen. Die Datenraten sind nach Maßstäben des Breitbands verschwindend gering. Doch genau darin liegt nach Lesart des Unternehmens der Reiz: eine standardbasierte, stromsparende Verbindung, die dort funktioniert, wo Terminals nach Art von Starlink zu groß, zu hungrig oder schlicht nicht vorhanden sind.
Was tatsächlich gezeigt wurde
Das Aufsehen erregende Resultat fiel in den Juli 2025. OQ und Airbus Central Research & Technology meldeten, was sie als weltweit erste Flugdemonstration eines 5G-Non-Terrestrial-Network (NTN) aus dem erdnahen Orbit bezeichneten — mit Anschluss an Endgeräte, die auf einer fliegenden Drohne montiert waren. Der Versuch nutzte lizenziertes S-Band-Spektrum und Schmalband-IoT (NB-IoT), denselben 3GPP-Mobilfunkstandard wie terrestrische Netze. Die Verbindung habe selbst „akrobatische Manöver wie Loopings und Drehungen“ sowie beliebige Fluglagen der Drohne überstanden, so die beiden Partner.
Die Zahlen sind bewusst klein gehalten: rund 5 Kilobit pro Sekunde Durchsatz, dazu die genannten 99,95 Prozent Verbindungsstabilität. Das liegt um Größenordnungen unter den Megabit-Verbindungen eines Breitband-Satellitendienstes und reicht für sich genommen bei Weitem nicht für Live-Video in hoher Auflösung. In einem separaten Versuch übertrug OQ nach eigenen Angaben dennoch Video von einer kompakten Drohne über eine solche Schmalbandverbindung — indem Edge Computing an Bord der Drohne das Material vor dem Senden komprimierte. So ließen sich die sperrigen, energiehungrigen Breitband-Terminals umgehen, die eine solche Übertragung sonst verlangt.
Firmengründer und Vorstandschef Omar Qaise macht keinen Hehl daraus, dass hochauflösendes Bewegtbild über Satellit noch Ziel, nicht Wirklichkeit ist.
Wir hoffen, künftig auch mit den D2D-Missionen die Übertragung hochauflösender Videos von der Drohne zum Satelliten demonstrieren zu können.
Ein dritter Meilenstein folgte Ende Juli 2025: Eine bewegungsausgelöste Kamera schickte ein Standbild — von einer Modellrakete — über einen LEO-Satelliten und das Endgerät „OQ ONE“. Es sei das erste Bild gewesen, das über eine 5G-NTN-IoT-Verbindung übertragen wurde, so das Unternehmen. „Die Fähigkeit, Bilder über Satellit zu senden, macht unser 5G-Netz dramatisch leistungsfähiger“, sagte Qaise damals. „Ob Bohrinsel, Kraftwerk oder Umweltsensor mitten im Nirgendwo — man kann jetzt sehen, was passiert, nicht nur messen.“
Warum Schmalband — und warum das Militär hinschaut
OQs Argument fußt auf der Wahl des S-Bands und auf lizenziertem Spektrum. Das Band sei „von Regen oder Wetterbedingungen nicht betroffen und kann Wälder durchdringen“, sagt Qaise — Vorteile gegenüber den höheren Ku- und Ka-Bändern, auf die Breitbandkonstellationen angewiesen sind. Lizenziertes Spektrum bringe zudem weniger Störungen und mehr Schutz als unlizenzierte Alternativen wie die in manchen IoT-Netzen verwendete LoRa-Technik.
Dieses Profil — kleine, stromsparende Endgeräte, robuste Verbindungen, standardisierte Hardware — weckt das Interesse von Verteidigung und Sicherheit. OQ und Airbus beschrieben die Drohnenarbeit als Schritt hin zu 5G- und 6G-NTN für fliegende Plattformen in Luftfahrt, Verteidigung und sicherem IoT. Zu den vom Unternehmen genannten Anwendungsfeldern zählen:
- Grenzkameras und taktische Sensoren
- Überwachung von Pipelines und abgelegenen Anlagen
- Bildmaterial aus Katastrophengebieten und Verkehrsüberwachung
- autonome Steuerung jenseits terrestrischer Netzabdeckung
Luxemburg hat OQ gesondert 2,28 Millionen Euro für das Projekt „Sentinel“ zugesprochen, das erforscht, wie sich 5G-Satellitenverbindungen gegen Störsender (Jamming) und Manipulation (Spoofing) absichern lassen — ein Verweis auf das umkämpfte Funkumfeld, dem solche Systeme im Ernstfall ausgesetzt wären.
Geld, Rückhalt und die Frage der Souveränität
OQ stützt sich seit jeher auf Luxemburgs gezielte Industriepolitik für den Weltraumsektor. 2018 ging das Unternehmen unter dem nationalen Programm LuxIMPULSE eine Partnerschaft mit der Europäischen Weltraumorganisation ein, 2023 erhielt es eine nationale Weltraumlizenz, und im November 2025 wurde ihm eine luxemburgische Konzession erteilt, um satellitengestützte 5G-IoT- und Direct-to-Device-Dienste aufzubauen und zu betreiben. Im Oktober 2025 betrieb OQ rund zehn Satelliten und arbeitet an einer größeren Konstellation.
Das Geld folgte dem Kurs. Nach einer Series-A-Runde über 13 Millionen Euro im Jahr 2022 und späteren Finanzierungen, an denen sich der Wagniskapitalarm von Saudi Aramco und ein luxemburgischer Staatsfonds beteiligten, sicherte sich OQ im Februar 2026 ein Venture-Darlehen über 25 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank, abgesichert durch das EU-Programm InvestEU. Damit sollen mehr als 20 eigene Satelliten sowie mitfliegende Nutzlasten auf 14 fremden Raumfahrzeugen finanziert werden.
Wo OQ im breiteren Wettlauf um Orbital-Konnektivität steht, ist noch nicht entschieden. Anders als SpaceX' Starlink, das Breitband an Verbraucher und Unternehmen verkauft, oder der etablierte L-Band-Betreiber Iridium setzt OQ darauf, dass dieselben 3GPP-Mobilfunkstandards wie am Boden gewöhnliche Chips und Geräte ohne Spezialhardware ins All telefonieren lassen. Das Unternehmen ist weit kleiner als die EU-Vorzeigekonstellation IRIS² — ein 10,6 Milliarden Euro teures System aus rund 290 Satelliten unter Führung von SES, Eutelsat und Hispasat, das erst um 2030 voll in Betrieb gehen soll. Doch OQ ist Teil derselben europäischen Bewegung, die Abhängigkeit von Netzen außerhalb der EU bei kritischer Kommunikation zu verringern. Vorerst kann das Großherzogtum auf ein handfestes Resultat verweisen: eine Drohne, einen Satelliten und eine Verbindung, die nicht abriss.
Häufig gefragt
- Kann OQ Technology hochauflösendes Live-Video über Satellit übertragen?
- Nein. Die Verbindung ist schmalbandig mit rund 5 Kilobit pro Sekunde. Ein Videotest gelang nur, weil das Material per Edge Computing an Bord der Drohne komprimiert wurde. Hochauflösendes Echtzeitvideo ist laut Firmengründer Omar Qaise ein erklärtes Zukunftsziel, keine vollendete Tatsache.
- Worin unterscheidet sich OQ Technology von Starlink?
- Starlink verkauft Breitband an Verbraucher und Unternehmen über große Terminals und höhere Frequenzbänder. OQ nutzt schmalbandiges, lizenziertes S-Band und dieselben 3GPP-Mobilfunkstandards wie terrestrische Netze, sodass gewöhnliche Chips und stromsparende Geräte ohne Spezialhardware ins All funken können.
- Welche Rolle spielt Luxemburg für OQ Technology?
- OQ wurde 2016 in Luxemburg gegründet und stützt sich auf die nationale Weltraum-Industriepolitik: Partnerschaft mit der ESA 2018 unter LuxIMPULSE, nationale Weltraumlizenz 2023 und im November 2025 eine Konzession für satellitengestützte 5G-IoT- und Direct-to-Device-Dienste. Luxemburg förderte zudem das Sicherheitsprojekt Sentinel mit 2,28 Millionen Euro.
Quellen(10)
- 1Airbus and OQ Technology use S-band to connect satellite to droneMobile Europe · mobileeurope.co.uk
- 2Airbus and OQ Technology conduct world's 1st demo of LEO 5G NTN connecting to a flying droneSatNews · satnews.com
- 3OQ Technology plans direct-to-smartphone demo with cellular spectrumSpaceNews · spacenews.com
- 4OQ Technology Makes History: First-Ever Image Sent via 5G NTN IoT Over LEO SatelliteIoT Business News · iotbusinessnews.com
- 5European financing for Luxembourgish satellite-to-smartphone connectivity pioneer OQ TechnologyEuropean Investment Bank · eib.org
- 6OQ TechnologyWikipedia · en.wikipedia.org
- 7OQ Tech gets Luxembourg 5G-by-Sat concessionAdvanced Television · advanced-television.com
- 8OQ Technology Granted Luxembourg Concession for Satellite-Based 5G IoT & D2D ServicesSpaceWatch.GLOBAL · spacewatch.global
- 9OBSERVER: What is IRIS²?Copernicus / European Commission · copernicus.eu
- 10A Passion for Space, A Platform for the World: The OQ Technology StoryLuxembourg Space Agency · space-agency.public.lu
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