WM 2026

Kap Verde zieht bei der WM in die K.-o.-Runde ein und trifft auf Argentinien

Drei Remis, keine Niederlage: Der Inselstaat im Atlantik wird zum bevölkerungsärmsten Land, das je die K.-o.-Runde einer Männer-WM erreicht – und trifft nun auf den Titelverteidiger.

Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Fans von Kap Verde feiern in einem WM-Stadion, gehüllt in die Nationalflagge und im königsblauen Trikot der „Blauen Haie“.
Kapverdische Fans feiern im Stadion, gehüllt in die Nationalflagge mit ihren zehn goldenen Sternen und im königsblauen Trikot der „Blauen Haie“. Illustrative, KI-generierte Darstellung. Illustration: KI-generiert — Status

Zehn Vulkaninseln im Atlantik, kaum mehr als eine halbe Million Einwohner und ein Nationalteam, das vor zwei Jahrzehnten im internationalen Kalender kaum auftauchte: Für Kap Verde sprach bei einer Weltmeisterschaft eigentlich alles dagegen. Am vergangenen Freitag setzte sich der Außenseiter über diese Logik hinweg.

Ein torloses 0:0 gegen Saudi-Arabien in Houston am 26. Juni reichte den „Blauen Haien“ (Tubarões Azuis), um Gruppe H als Zweiter abzuschließen und in die neue Runde der letzten 32 einzuziehen. Damit ist der Archipel das bevölkerungsärmste Land, das jemals die K.-o.-Phase einer Männer-Weltmeisterschaft erreicht hat. Der Lohn ist ein Duell, das die ganze Fußballwelt elektrisiert: Am 3. Juli wartet in Miami Gardens, Florida, Titelverteidiger Argentinien.

Dreimal unentschieden – und nie verloren

Vor dem Turnier rangierte Kap Verde auf Platz 67 der Weltrangliste. In der Gruppenphase gewann die Mannschaft von Trainer Bubista kein einziges Spiel – und musste es auch nicht. Zum Auftakt trotzte sie dem Weltmeister von 2010, Spanien, ein 0:0 ab, kämpfte sich anschließend zu einem 2:2 gegen den zweimaligen Champion Uruguay zurück und schloss die Vorrunde mit dem nächsten torlosen Remis gegen Saudi-Arabien ab.

Drei Punkte, kein verlorenes Spiel – und das Weiterkommen über jene feinen Margen, die das aufgeblähte Turnierformat belohnt. Über das Schicksal der Insulaner entschied am Ende auch ein anderer Rasen: Während die Schlusspfiffe nahten, standen die kapverdischen Spieler auf dem Feld und starrten auf ihre Handys, in der Hoffnung, Spanien möge Uruguay schlagen. Spanien gewann prompt mit 1:0, Kap Verde wurde Zweiter hinter dem Gruppensieger – und ein Land, das erst 1975 von Portugal unabhängig wurde, stand unter den letzten 32.

Damit ist Kap Verde der erste WM-Neuling seit der Slowakei 2010, der die K.-o.-Runde erreicht, und der erste Debütant seit Senegal 2002, der die Gruppenphase ungeschlagen übersteht.

Kleiner als jeder Außenseiter zuvor

Mit rund 525.000 Einwohnern – weniger Menschen, als im US-Bundesstaat Wyoming leben (etwa 576.000) – verdrängt Kap Verde sämtliche bisherigen Winzlinge aus den Rekordbüchern. Island und Curaçao sind noch kleiner, schieden bei ihren einzigen WM-Teilnahmen aber jeweils in der Gruppenphase aus. Keine der klassischen Underdog-Geschichten des Fußballs hatte die erste Hürde je übersprungen.

„Wir sind klein, aber wir haben große Herzen, und wir sind Kämpfer“, sagte der 40-jährige Torwart Vozinha, dessen Paraden gegen Spanien den Ton für das gesamte Turnier setzten.

Trainer Bubista, der sich beim Schlusspfiff in die Nationalflagge hüllte, deutete den Erfolg als Beleg für eine Überzeugung, die in der Heimat seit Langem gilt.

„Jeder hat das Recht zu träumen, und nichts ist unmöglich“, sagte er. „Die erste Phase zu beenden, ohne ein einziges Spiel zu verlieren – damit müssen wir zufrieden sein.“

Ein Format wie geschaffen für Außenseiter

Der Lauf der Kapverdier ist zum Teil auch ein Produkt des neu gestalteten Turniers. Die Ausgabe 2026, ausgetragen in den USA, Kanada und Mexiko, ist die erste mit 48 statt 32 Mannschaften. Die neue Struktur öffnete jene Tür weiter, gegen die kleinere Fußballnationen jahrzehntelang gedrückt hatten:

  • Die 48 Teams sind in zwölf Vierergruppen aufgeteilt.
  • Die zwei Bestplatzierten jeder Gruppe ziehen weiter, dazu die acht besten Gruppendritten – zusammen 32 Mannschaften.
  • So entstand eine zusätzliche K.-o.-Runde, das Sechzehntelfinale der letzten 32, und der Spielplan wuchs von 64 auf 104 Partien.
  • Auch Afrikas Kontingent an garantierten Startplätzen stieg entsprechend und eröffnete Verbänden wie Kap Verde einen realistischen Weg zur Endrunde.

Kritiker wenden ein, mehr Teilnehmer verwässerten die Spannung der Gruppenphase. Die drei vorsichtigen Remis Kap Verdes – und das nervöse Schielen auf die Anzeigetafeln danach – sind genau jene zurückhaltende, von feinen Margen geprägte Spielweise, die ein solches Format begünstigen kann. Das Gegenargument lieferte dieselbe Woche: Eine Auswahl, die vor zwei Jahrzehnten im internationalen Kalender kaum verzeichnet war, bereitet sich nun darauf vor, mit dem Weltmeister den Platz zu teilen.

Jetzt also der Champion

Argentinien, getragen von Lionel Messi, geht als haushoher Favorit in das Duell der Runde der letzten 32. Doch Kap Verde hat sich in diesem Monat angewöhnt, Favoriten als schlagbar zu behandeln: zwei ehemalige Weltmeister mit einem Remis aufgehalten, in drei Spielen nur zwei Gegentore kassiert. Die defensive Widerstandskraft, die das Team aus der Gruppe trug – aufgebaut um Routinier Vozinha und eine eng gestaffelte Abwehrkette –, wird nun vom dekoriertesten Angriff des Turniers auf die Probe gestellt.

Für die Inseln selbst ist der Moment bereits historisch, ganz gleich, was in Florida geschieht. Ein Verband, der seine Spieler stark aus einer weltweiten Diaspora rekrutiert – Nachfahren von Kapverdiern in Portugal, den Niederlanden, Frankreich und darüber hinaus –, hat verstreutes Talent zu einer Mannschaft geformt, über die der Rest der Welt sich nun hastig kundig macht. Bubistas Aufgebot reist nach Miami Gardens mit den Erwartungen eines Landes, das sein gesamtes Bestehen auf eine Nacht wie den 3. Juli gewartet hat.

„Die Mannschaft wollte das unbedingt der ganzen Welt zeigen“, sagte der Trainer. Genau das hat sie getan – und sie ist noch nicht am Ziel.

Häufig gefragt

Warum ist Kap Verdes Einzug in die K.-o.-Runde ein Rekord?
Mit rund 525.000 Einwohnern ist Kap Verde das bevölkerungsärmste Land, das je die K.-o.-Phase einer Männer-Weltmeisterschaft erreicht hat. Island und Curaçao sind kleiner, schieden aber bei ihren einzigen Teilnahmen in der Gruppe aus.
Wie hat sich Kap Verde für die Runde der letzten 32 qualifiziert?
Mit drei Unentschieden – 0:0 gegen Spanien, 2:2 gegen Uruguay und 0:0 gegen Saudi-Arabien – blieb Kap Verde ungeschlagen und wurde mit drei Punkten Zweiter der Gruppe H hinter Spanien.
Gegen wen spielt Kap Verde als Nächstes?
Kap Verde trifft am 3. Juli 2026 in Miami Gardens, Florida, auf Titelverteidiger Argentinien um Lionel Messi.
Was hat sich am WM-Format 2026 geändert?
Die WM 2026 ist die erste mit 48 statt 32 Teams: zwölf Vierergruppen, aus denen die zwei Besten plus die acht besten Gruppendritten weiterkommen – insgesamt 32 Mannschaften. Es gibt eine zusätzliche K.-o.-Runde und 104 statt 64 Spiele.
Quellen(6)
  1. 1Cape Verde qualify for World Cup Round of 32, set up date with ArgentinaAl Jazeera · aljazeera.com
  2. 2Cape Verde become smallest country to make World Cup knockoutsESPN · espn.com
  3. 3Cape Verde break record as smallest nation to reach World Cup knockoutsAl Jazeera · aljazeera.com
  4. 4Coach Bubista Hails Cape Verde's Fearless Dreamers After World Cup LeapAsharq Al-Awsat (Reuters) · english.aawsat.com
  5. 5How the FIFA World Cup 26 will work with 48 teamsFIFA · fifa.com
  6. 6'Fighters with big hearts!' - Vozinha and Cape Verde gunning for Lionel MessiGoal.com · goal.com

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