Zwischenfall am Flughafen
Oldtimer-Doppeldecker blockiert Findel: Piste gesperrt, Dutzende Flüge betroffen
Eine Antonov An-2 von 1968 brach am Sonntag beim Aufsetzen auf der einzigen Bahn des Findel aus, verlor einen Teil des Fahrwerks und zwang den Flughafen zu einer stundenlangen Sperrung.
Von Tom Schmit · · 3 Min. Lesezeit

Weil Luxemburg seinen gesamten Flugverkehr über eine einzige Start- und Landebahn abwickelt, genügte am Sonntagnachmittag ein einzelnes Leichtflugzeug, um den Findel lahmzulegen. Gegen 16.30 Uhr setzte ein historischer Antonov-Doppeldecker hart auf, brach aus der Spur, kam am Pistenrand zum Stehen und verlor dabei einen Teil seines Fahrwerks. Der Flughafen stellte mitten an einem Sommerwochenende den gesamten Betrieb ein, anfliegende Maschinen mussten auf Ausweichflughäfen in der Großregion umgeleitet werden.
An Bord der Antonov An-2, Baujahr 1968 und betrieben vom luxemburgischen Liebhaberverein Antonov Frënn Luxembourg, befanden sich zwölf Menschen. Alle konnten nach Angaben des Großherzoglichen Rettungs- und Feuerwehrkorps (CGDIS) sicher evakuiert werden, verletzt wurde niemand. Schaden nahmen das Flugzeug, die Piste und der Flugplan des Tages – nicht aber die Insassen.
Hartes Aufsetzen auf der einzigen Bahn
Luxemburger Medien berichteten, der Sammler-Doppeldecker habe beim Aufsetzen zu scharf gebremst, sei in einen Ringelpiez – einen sogenannten „tête à queue" – geraten und schwer beschädigt am Pistenrand liegen geblieben; ein Teil des Fahrwerks war abgeschert. Der Fachdienst Aviation24 beschrieb eine sehr harte Landung, bei der die Maschine während des An- und Aufsetzvorgangs auf die Bahn aufschlug. Eine endgültige Ursache war zum Zeitpunkt der Berichterstattung amtlich nicht festgestellt.
Da der Findel nur über eine Piste verfügt, brachte die havarierte Maschine den gesamten Flugbetrieb zum Erliegen. Es gibt keine zweite Bahn, die Ankünfte auffangen oder Abflüge in Bewegung halten könnte – eine blockierte Piste übersetzt sich daher fast unmittelbar in ein regionales Umleitungsproblem. Für ein Land, dessen Luftverbindungen sämtlich über einen einzigen Flughafen laufen, ist das eine strukturelle Schwachstelle.
Umleitungen, Verspätungen, Annullierungen
Die Sperrung zog sich durch den Nachmittag und Abend. Unter Berufung auf die Flughafenbehörden meldete Aviation24 folgende Auswirkungen:
- mindestens sieben ankommende Flüge auf Ausweichflughäfen umgeleitet;
- rund 16 Ankünfte verspätet;
- drei Flüge annulliert;
- mehrere Abflüge am Boden zurückgehalten.
Wie Luftfahrt- und Lokalmedien berichteten, verteilte sich der umgeleitete Verkehr auf die Nachbarflughäfen: Cargolux schickte Boeing-747-Frachter nach Lüttich und Frankfurt-Hahn, Passagiermaschinen wurden nach Frankfurt, Köln/Bonn und Brüssel umgeleitet, ein Flug von British Airways kehrte nach London Heathrow zurück. L'essentiel und Le Quotidien meldeten Annullierungen auf einer Reihe von Strecken, darunter Amsterdam, Wien, Barcelona, Paris, Frankfurt, Zürich, Warschau, München, Kopenhagen und Istanbul. Nach Angaben von L'essentiel strandeten durch die Ausfälle Tausende Reisende.
Für die Passagiere war die Störung unmittelbar und teils chaotisch spürbar. Ein Reisender, dessen Luxair-Flug nach Wien gestrichen wurde, schilderte gegenüber L'essentiel:
Der Luxair-Flug von Luxemburg nach Wien wurde nach mehr als zwei Stunden Wartezeit annulliert. Keinerlei Informationen, das totale Chaos.
In Stunden geräumt, Ursache offen
Die Bergung verlief zügig. Feuerwehrleute des CGDIS von der Wache am Findel (CIS Findel) sicherten den rund 3,3 Tonnen schweren Doppeldecker und hoben ihn mit einem schweren Container-Stapler von der Piste. Der Betreiber lux-Airport teilte mit, die Bahn sei anschließend gereinigt, inspiziert und noch am selben Abend wieder freigegeben worden – weniger als drei Stunden nach der Bruchlandung. Die Folgewirkungen hielten länger an; France Bleu bezifferte die gesamte Unterbrechung auf rund vier Stunden.
Alexander Flassak, Geschäftsführer des Flughafenbetreibers lux-Airport, fasste den Vorgang gegenüber L'essentiel so zusammen: Im Anflug habe ein Privatflugzeug – ein alter Antonov-Doppeldecker – die Piste beschädigt und sei dann liegengeblieben, was eine Aussetzung des Flugverkehrs ausgelöst habe. Am Abend erklärte er, Räumung, Reinigung und Inspektion der Bahn seien abgeschlossen und der Betrieb werde innerhalb von Minuten wieder aufgenommen.
Der Zwischenfall führt vor Augen, wie verwundbar der Findel als alleiniger Luftverkehrsknoten Luxemburgs ist. Der Flughafen ist Heimatbasis des Frachtriesen Cargolux – dessen Frachter zu den umgeleiteten Maschinen zählten – und der nationalen Luxair und trägt sowohl den Passagierverkehr des Großherzogtums als auch einen erheblichen Teil seiner Luftfracht. Ohne Ausweichbahn vor Ort kann schon ein einzelnes liegengebliebenes Kleinflugzeug eine Kaskade aus Dutzenden gestörter Flüge und stundenlangen Verzögerungen für Reisende wie Betreiber auslösen.
Die Antonov – ein Museumsstück sowjetischer Konstruktion und der größte je in Serie gebaute einmotorige Doppeldecker – wurde bei der Landung schwer beschädigt und dürfte so bald nicht wieder abheben. Warum sie von der Piste abkam, war bei der Rückkehr zum Normalbetrieb amtlich noch nicht geklärt.
Häufig gefragt
- Was ist am Sonntag am Flughafen Findel passiert?
- Gegen 16.30 Uhr setzte eine historische Antonov An-2 von 1968 hart auf der einzigen Piste auf, brach aus der Spur und kam am Pistenrand zum Stehen. Dabei scherte ein Teil des Fahrwerks ab und die Bahn wurde beschädigt, sodass der Flugbetrieb ausgesetzt werden musste.
- Wurde jemand verletzt?
- Nein. An Bord befanden sich zwölf Menschen. Alle wurden nach Angaben des Rettungs- und Feuerwehrkorps CGDIS sicher evakuiert, verletzt wurde niemand.
- Welche Auswirkungen hatte die Sperrung auf den Flugverkehr?
- Laut Flughafenbehörden wurden mindestens sieben ankommende Flüge umgeleitet, rund 16 Ankünfte verspätet, drei Flüge annulliert und mehrere Abflüge zurückgehalten. Umleitungen gingen unter anderem nach Lüttich, Frankfurt-Hahn, Frankfurt, Köln/Bonn und Brüssel.
- Wann wurde die Piste wieder geöffnet?
- Die Bahn wurde gereinigt, inspiziert und noch am selben Abend wieder freigegeben – weniger als drei Stunden nach der Bruchlandung. Die gesamte Unterbrechung des Betriebs dauerte nach Angaben von France Bleu rund vier Stunden.
Quellen(6)
- 1Runway closure at Luxembourg Findel after failed light aircraft landingAviation24.be · aviation24.be
- 2Flights diverted at Luxembourg after small plane misses landingAviation24.be · aviation24.be
- 3Aéroport du Luxembourg: L'avion accidenté évacué, le trafic a repris au FindelL'essentiel · lessentiel.lu
- 4Findel: le CGDIS dégage un avion Antonov bloqué sur la piste en moins de 3hL'essentiel · lessentiel.lu
- 5Findel : la piste fermée après l'atterrissage raté d'un petit avion privéLe Quotidien · lequotidien.lu
- 6Luxembourg : un petit avion rate son atterrissage, le trafic aérien interrompu pendant quatre heuresFrance Bleu / ICI (Moselle) · francebleu.fr
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