Telekommunikation
Das Ende der Kupferleitung: Luxemburg schaltet sein altes Telefonnetz bis 2030 ab
Staatskonzern POST führt die letzten Analoganschlüsse auf Glasfaser und Internet-Telefonie über. Noch 15.500 Kupferanschlüsse übrig – doch Aufzüge, Alarmanlagen und Notrufgeräte drohen zu verstummen.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Ohne großes Aufsehen verabschiedet sich Luxemburg von einem seiner ältesten Stücke Infrastruktur. Das Kupfertelefonnetz, über das im Großherzogtum Generationen lang telefoniert und ins Internet eingewählt wurde, wird Anschluss für Anschluss stillgelegt. Der staatliche Betreiber POST Luxembourg lotst die verbliebenen Analogkunden auf Glasfaser und Internet-Telefonie, bevor das alte Netz um das Jahr 2030 endgültig vom Netz geht.
Was übrig bleibt, ist zahlenmäßig überschaubar, aber heikel. Laut dem statistischen Bericht zum Jahr 2025, den die Telekommunikationsaufsicht Institut Luxembourgeois de Régulation (ILR) vorgelegt hat, liefen zum Jahresende noch 15.500 Analoganschlüsse über Kupfer. Nahezu jede andere Festnetz-Sprachleitung des Landes ist bereits auf "Voice over Broadband" umgezogen, also auf Telefonie über den Breitbandanschluss. Glasfaser stellt inzwischen 72,8 Prozent aller festen Internetzugänge – ein Plus von 11,4 Prozent allein 2025 und von 17,9 Prozentpunkten seit 2021, eine der höchsten Quoten Europas.
Ernst wurde es im März 2024, als die ersten Kupferanschlüsse in Privathaushalten abgeschaltet wurden. Nach den vom ILR überwachten Regeln muss ein Betreiber jeden betroffenen Kunden mindestens sechs Monate vor der Abschaltung schriftlich informieren – mit festem Termin und der Aufforderung, eine Alternative zu wählen: Glasfaser, Kabel, 5G oder Satellit. Für den Wechsel selbst fällt kein direktes Entgelt an, wohl aber mögliche Installationskosten etwa für die Verkabelung im Gebäude. Die bestehende Rufnummer behält man, auch bei einem Anbieterwechsel.
Ein Netz am Ende seiner Kräfte
Aufsicht und Betreiber stellen die Abschaltung nicht als Option, sondern als Zwangsläufigkeit dar. Die teils jahrzehntealte Kupferanlage ist teuer im Unterhalt und einer datenhungrigen Wirtschaft immer weniger gewachsen. Ein Parallelbetrieb neben dem landesweiten Glasfaserausbau sei "nicht mehr sinnvoll", so das ILR. POST Technologies betreibt noch immer mehr als 8.000 Kilometer Kupferkabel und weit über eine Million Kilometer Kupferadern – ein Erbe des staatlichen Telefondienstes, dessen Wurzeln bis zur 1842 gegründeten PTT zurückreichen und der erst 1963 vollständig automatisiert wurde.
Das Kupfernetz stößt an die Grenze seiner technischen Leistungsfähigkeit.
Glasfaser ist im Betrieb dagegen günstiger – die Wartungskosten liegen laut Zahlen aus der luxemburgischen Presse 40 bis 60 Prozent unter denen von Kupfer –, zudem schneller und energieeffizienter. Kabel erreicht bereits rund 90 Prozent der Haushalte mit bis zu 1 Gbit/s, und 5G deckt inzwischen etwa vier von fünf Einwohnern ab. Damit hat die Aufsicht die Ersatzversorgung, die sie braucht, bevor sie den Stecker zieht.
Die Geräte, die plötzlich verstummen könnten
Für die meisten Menschen läuft der Umstieg unsichtbar ab: Internet und Telefon wandern schlicht auf eine Glasfaser- oder Kabelbox. Das eigentliche Störrisiko liegt bei den unscheinbaren Apparaten, die still an der alten Leitung hängen – Geräte, die zum Wählen über einen Analogkreis gebaut wurden und in dem Moment ausfallen, in dem er gekappt wird. Der Rat des ILR ist unmissverständlich: Vor dem Abschalttermin jedes an der Leitung angeschlossene Gerät überprüfen. Am häufigsten übersehen werden:
- Notruf- und Hausnotruf-Sender, die ältere und gefährdete Menschen tragen – in Luxemburg werden diese téléalarme-Dienste von Stellen wie der Stadt Luxemburg (im Einsatz seit 1987), der Stëftung Hëllef Doheem und privaten Anbietern betrieben.
- Aufzug-Notruftelefone, die früher über das leitungsvermittelte Telefonnetz liefen und heute die Sicherheitsnorm EN 81-28 erfüllen müssen; viele benötigen ein Mobilfunk-Gateway oder eine IP-Box, um weiter Verbindung aufnehmen zu können.
- Einbruch- und Brandmeldeanlagen, die über eine Telefonleitung übertragen, samt überwachter Dienste wie POSTs eigenem Alarmis.
- Faxgeräte und Kartenzahlungsterminals in Geschäften und Kleinbetrieben.
Besitzer müssen in der Regel ein Mobilfunk-Gateway (GSM) ergänzen oder das Gerät auf einen Internetanschluss umziehen – ein überschaubarer Aufwand, der aber vor dem Kappen der Leitung erledigt sein muss, nicht danach. Genau deshalb pochen Aufsicht und Betreiber auf das Warnschreiben sechs Monate im Voraus und versichern, sie würden die Kunden – auch die älteren – durch den Wechsel begleiten, statt sie einfach abzuklemmen.
Teil eines europaweiten Kupfer-Rückzugs
Luxemburg steht damit keineswegs allein. In der gesamten Europäischen Union eilen die etablierten Betreiber, ihre alternden Analognetze abzuschalten und die Investitionen auf Glasfaser zu bündeln; die Europäische Kommission drängt die Mitgliedstaaten zu Gigabit-Anschlüssen und einem Kupfer-Ausstieg um 2030. Der Branchenverband Connect Europe rechnet damit, dass bis zum Ende des Jahrzehnts rund 21 nationale PSTN-Netze abgeschaltet werden.
Im Nachbarland Frankreich hat Orange die kommerzielle Schließung seines Kupfernetzes am 31. Januar 2026 in mehr als 2.000 Gemeinden eingeleitet; die vollständige technische Abschaltung ist nach über einem halben Jahrhundert Betrieb für 2030 geplant. Im Vereinigten Königreich stellt BT-Tochter Openreach das öffentliche Telefonnetz zum 31. Januar 2027 ab – ein Termin, der von Dezember 2025 nach hinten verschoben wurde, vor allem um die noch rund 1,8 Millionen Hausnotruf-Nutzer auf kupfergestützten Systemen zu schützen.
Die Erfahrung von Openreach ist eine Warnung für Luxemburgs kleinere Migration: Das Schwierige ist nicht die Glasfaser, sondern die fragilen Lebensadern, die an den alten Leitungen hängen. "Es bleibt keine Zeit mehr zum Zögern", sagte All-IP-Direktor James Lilley mit Blick auf den britischen Stichtag; man habe einen eigenen Dienst namens "Prove Telecare" aufgebaut, um gefährdete Kunden "sicher zu migrieren". Über das Netz selbst wurde er noch deutlicher: "Das analoge PSTN-Netz ist veraltet, wird immer schwerer zu warten und deutlich teurer im Betrieb."
Für die 15.500 luxemburgischen Haushalte und Betriebe, die noch an einer Kupferleitung hängen, lautet die Botschaft des ILR: auf den Brief reagieren, wenn er kommt – und vor allem sicherstellen, dass die Alarmanlage, das Aufzugtelefon oder der Notrufsender auch an dem Tag noch funktioniert, an dem das Kupfer verstummt.
Häufig gefragt
- Wann wird das Kupfertelefonnetz in Luxemburg abgeschaltet?
- Die endgültige Abschaltung wird um das Jahr 2030 erwartet. Die ersten Kupferanschlüsse in Privathaushalten wurden bereits im März 2024 getrennt; Ende 2025 liefen noch 15.500 Analoganschlüsse über Kupfer.
- Was muss ich tun, wenn mein Anschluss betroffen ist?
- Ihr Betreiber informiert Sie mindestens sechs Monate vorher schriftlich mit festem Termin und der Aufforderung, eine Alternative zu wählen – Glasfaser, Kabel, 5G oder Satellit. Der Wechsel kostet kein direktes Entgelt, Installationskosten im Gebäude sind aber möglich. Ihre Rufnummer behalten Sie, auch bei einem Anbieterwechsel.
- Welche Geräte können nach der Abschaltung ausfallen?
- Alle Geräte, die über die Analogleitung wählen: Hausnotruf- und Notrufsender, Aufzug-Notruftelefone, Einbruch- und Brandmeldeanlagen sowie Fax- und Kartenzahlungsterminals. Sie benötigen oft ein Mobilfunk-Gateway (GSM) oder eine Umstellung auf Internet. Prüfen Sie vor dem Abschalttermin jedes angeschlossene Gerät.
- Warum wird das Kupfernetz überhaupt stillgelegt?
- Laut ILR stößt das Kupfernetz an die Grenze seiner technischen Leistungsfähigkeit und ist teuer im Unterhalt. Glasfaser ist schneller, energieeffizienter und in der Wartung 40 bis 60 Prozent günstiger. Die Abschaltung setzt eine ausreichende Ersatzversorgung voraus, die mit Kabel (rund 90 Prozent der Haushalte) und 5G weitgehend gegeben ist.
Quellen(11)
- 1Is your connection ready for the transition?myILR / Institut Luxembourgeois de Régulation · myilr.lu
- 2Questions about copper phase out (FAQ)myILR / Institut Luxembourgeois de Régulation · myilr.lu
- 3Remplacer le cuivre par un réseau plus fiable et moderneLe gouvernement luxembourgeois / ILR · gouvernement.lu
- 4Télécommunications 2025: une croissance plus modérée dans un marché en forte évolutionLe gouvernement luxembourgeois / ILR · gouvernement.lu
- 5Luxembourg regulator launches awareness campaign on copper network switch-offTelecompaper · telecompaper.com
- 6Le réseau cuivre disparaîtra en 2030Le Quotidien · lequotidien.lu
- 7Time for a 'big switch-up' as PSTN switch-off loomsOpenreach · openreach.com
- 8Fermeture du réseau cuivre : Le calendrierOrange (Réseaux Orange) · reseaux.orange.fr
- 9Telephony copper plant retirement in the United KingdomWikipedia · en.wikipedia.org
- 10Le réseau fixe / POST's fixed networkPOST Technologies · posttechnologies.lu
- 11Post Luxembourg (company history and status)Wikipedia · en.wikipedia.org
Zum selben Thema


Wie der Stromhunger der KI Google und Amazon von ihren Klimazielen entfernt

