Luftfahrtsicherheit

Risse im Flügel: EASA verordnet A380-Sonderprüfung, fünf Emirates-Jets bleiben am Boden

Eine seltene Notfallanweisung der EU-Behörde verpflichtet die Betreiber von 16 Superjumbos zu Inspektionen, nachdem im tragenden Mittelholm des Flügels Risse entdeckt wurden.

Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Ein Airbus A380 von Emirates in weißer Lackierung mit rotem Schriftzug und Leitwerk in den Farben der VAE-Flagge während einer Flügelinspektion in einer Wartungshalle.
Ein Emirates-Airbus-A380 bei einer Flügelinspektion in der Wartungshalle (illustrative, KI-generierte Darstellung). Illustration: KI-generiert — Status

Europas Luftfahrtbehörde hat dringende Inspektionen an 16 Airbus A380 angeordnet, nachdem in einem tragenden Bauteil des Flügels Risse gefunden wurden. Für den weltgrößten Betreiber des doppelstöckigen Riesenjets bedeutet das: Mehrere Maschinen müssen aus dem Verkehr gezogen werden, bis die Kontrollen abgeschlossen sind.

Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) erließ am 22. Juni die Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung 2026-0119-E, gültig ab dem 24. Juni. Auslöser waren Risse, die bei einer routinemäßigen Wartung im sogenannten Mittelholm des Flügels entdeckt wurden – einem Tragbalken im Innern des Flügelkastens, der die im Flug entstehenden aerodynamischen Lasten mitträgt. Von den 16 betroffenen Maschinen werden nach Angaben von Airbus 15 vom Dubaier Carrier Emirates und eine von der australischen Qantas geflogen.

Fünf der Jets – allesamt Emirates-Maschinen – müssen vor ihrem nächsten Passagierflug überprüft werden und bleiben damit faktisch am Boden, bis die Kontrollen erledigt sind. Die übrigen elf dürfen vorerst weiterfliegen, müssen aber innerhalb von 25 Flugzyklen inspiziert werden. Die Betreiber wurden angewiesen, die Prüfverfahren direkt bei Airbus anzufordern und ihre Ergebnisse binnen sieben Tagen zu melden – unabhängig davon, ob Risse gefunden werden oder nicht.

Es wurde festgestellt, dass die an bestimmten Flugzeugen entdeckten Risse die strukturelle Integrität des Flügels beeinträchtigen könnten.

Eine Stilllegung der gesamten weltweiten A380-Flotte ist damit nicht verbunden, und die Behörden sehen keine unmittelbare Gefahr für sämtliche Maschinen. Doch Notfallanweisungen der EASA sind die Ausnahme; sie sind Problemen vorbehalten, die die Lufttüchtigkeit eines Flugzeugs bedrohen könnten, wenn man sie unbeachtet ließe. Der Vorgang rückt ein Vorzeigeprodukt von Airbus, Europas größtem Luftfahrtkonzern, erneut in den Fokus – und mit ihm die Sicherheit einer Flotte, die Langstrecken bedient, auf denen auch Reisende aus der Großregion unterwegs sind.

Was bei den Kontrollen geschieht

Der Mittelholm verläuft längs im Innern des Flügels und gehört zu den Strukturen, die die Belastungen eines Flugzeugs im Flug verteilen. Die EASA kam zu dem Schluss, dass die an einigen Maschinen festgestellten Risse den Flügel schwächen könnten, und ordnete deshalb zusätzliche, detaillierte Untersuchungen an. Jede Maschine, an der Risse gefunden werden, muss am Boden bleiben, bis die von Airbus vorgegebenen Reparaturen abgeschlossen sind.

Emirates kündigte an, die Vorgaben umzusetzen und rasch zu handeln, zugleich aber die Folgen für den Flugplan begrenzen zu wollen.

„Emirates wird die Anweisung befolgen und die geforderten Inspektionen gemäß der Lufttüchtigkeitsanweisung durchführen", erklärte die Fluggesellschaft. „Die Prüfungen beginnen innerhalb der nächsten 48 Stunden, und alle erforderlichen Arbeiten werden abgeschlossen, bevor die Flugzeuge wieder in den Dienst gehen. Wir stehen in engem Kontakt mit Airbus und den zuständigen Behörden, um Beeinträchtigungen des Flugbetriebs so gering wie möglich zu halten."

Airbus erklärte, abhängig von den Prüfergebnissen werde man gemeinsam mit der EASA beurteilen, ob Reparaturen nötig seien oder ob die Maschinen in den Dienst zurückkehren könnten. Qantas teilte mit, die Anweisung habe keine Auswirkungen auf den eigenen Betrieb: Die einzige betroffene Maschine mit dem Kennzeichen VH-OQI befinde sich ohnehin bereits zur Grundüberholung im sächsischen Dresden und sei nicht im Passagierdienst.

Warum es für Emirates und Airbus brisant ist

Am meisten steht für Emirates auf dem Spiel, das sein weltweites Streckennetz um den A380 herum aufgebaut hat. Die Airline betreibt 116 dieser Jets – die größte A380-Flotte der Welt und mehr als die Hälfte aller noch fliegenden Superjumbos. Selbst eine begrenzte, auf ihre Maschinen konzentrierte Prüfrunde birgt das Risiko von Verspätungen und Ausfällen auf einigen der meistbeflogenen Interkontinentalstrecken.

Für Airbus ist die Anweisung eine unbequeme Erinnerung an die technischen Herausforderungen jenes Programms, das der Konzern einst als Zukunft des Langstreckenverkehrs anpries. Der A380 ging 2007 als größtes je gebaute Passagierflugzeug in Dienst, doch schleppende Verkäufe zwangen Airbus 2021 zum Produktionsstopp. Da keine neuen Maschinen mehr gebaut werden, verlagert sich der Schwerpunkt darauf, die bestehende Flotte im Alter lufttüchtig zu halten – und strukturelle Fragen schlagen unmittelbar auf Kosten und Aufwand durch.

  • Bauteil: Flügel-Mittelholm, ein innenliegender Tragbalken im Flügelkasten
  • Betroffene Maschinen: 16 – 15 von Emirates, eine von Qantas
  • Sofortige Prüfung: fünf Emirates-Jets vor dem nächsten Flug
  • Aufgeschobene Prüfung: elf Maschinen innerhalb von 25 Flugzyklen
  • Meldung: Ergebnisse binnen sieben Tagen einzureichen

Nicht der erste Riss im Flügel

Strukturprobleme begleiten die A380-Flügel schon länger. 2012 ordnete die EASA flottenweite Inspektionen an, nachdem an den sogenannten Rippenfüßen Risse aufgetreten waren – kleinen Beschlägen, die die Flügelrippen mit der Außenhaut verbinden. Das Problem erforderte am Ende Reparaturen an der gesamten weltweiten Flotte. Spätere Prüfrunden befassten sich mit Rissen in den äußeren hinteren Holmen, zunächst an früh produzierten Maschinen.

Die jüngste Anweisung verengt den Blick auf den Mittelholm und auf einen Teil der A380 mit bestimmten Einsatzgeschichten – nicht auf die gesamte Flotte. Ob es bei einer überschaubaren Wartungsaktion bleibt oder ob sie sich ausweitet, hängt davon ab, was die Inspektionen in den kommenden Wochen zutage fördern. Diese Daten müssen die Betreiber nun in engem Takt an Airbus und die EASA zurückmelden.

Häufig gefragt

Wird die gesamte A380-Flotte stillgelegt?
Nein. Die EASA-Anweisung betrifft 16 Maschinen mit bestimmten Einsatzgeschichten. Fünf Emirates-Jets dürfen vor der Inspektion nicht mit Passagieren fliegen, die übrigen elf müssen innerhalb von 25 Flugzyklen geprüft werden. Eine unmittelbare Gefahr für alle A380 sehen die Behörden nicht.
Was ist der Mittelholm und warum ist er wichtig?
Der Mittelholm ist ein längs verlaufender Tragbalken im Innern des Flügelkastens. Er hilft, die im Flug entstehenden aerodynamischen Lasten zu verteilen. Risse könnten laut EASA die strukturelle Festigkeit des Flügels schwächen.
Welche Airlines sind betroffen?
Von den 16 Maschinen fliegt Emirates 15, Qantas eine. Die einzige Qantas-Maschine (Kennzeichen VH-OQI) befindet sich bereits zur Grundüberholung in Dresden und ist nicht im Passagierdienst; laut Qantas hat die Anweisung keine Auswirkungen auf den Flugplan.
Wie reagiert Emirates?
Emirates will die Anweisung befolgen und die Inspektionen innerhalb von 48 Stunden beginnen. Nötige Arbeiten würden abgeschlossen, bevor eine Maschine wieder in Dienst geht. Die Airline steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit Airbus und den Behörden, um Störungen gering zu halten.
Quellen(7)
  1. 1Airbus under fresh scrutiny as EASA orders A380 inspections over wing cracksEuronews · euronews.com
  2. 2Emirates to urgently inspect A380 fleet after cracks found in wingsThe National · thenationalnews.com
  3. 3Emirates to Inspect Airbus A380 Fleet After Wing Crack Alert Triggers Urgent EASA Safety ChecksGulf News · gulfnews.com
  4. 4Airbus to inspect 16 A380s after cracks found on plane wingsThe Japan Times · japantimes.co.jp
  5. 5EASA orders urgent checks on 16 Airbus A380s over wing spar cracksAerospace Global News · aerospaceglobalnews.com
  6. 6EASA Orders Urgent Inspections on 16 Airbus A380s After Wing Spar Cracks FoundAviation Source News · aviationsourcenews.com
  7. 716 Airbus A380s Need Emergency Inspections After Cracks Discovered In Wing SparsSimple Flying · simpleflying.com

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