Krankenversicherung

DKV bleibt Luxemburgs Marktführer bei der Zusatzversicherung – das Expat-Geschäft gehört jetzt Foyer

Nicht DKV Luxemburg verlässt den Markt – der eigentliche Einschnitt war 2023 der Verkauf der früheren Schwesterfirma Globality an den Konkurrenten Foyer.

Von Jonas Thill · · 4 Min. Lesezeit

Firmensitz eines luxemburgischen privaten Krankenversicherers im Geschäftsviertel Leudelange, erkennbar am grünen Unternehmensemblem.
Der Firmensitz eines luxemburgischen privaten Krankenversicherers aus dem LALUX-Foyer-Umfeld im Geschäftsviertel Leudelange, kenntlich am grünen Emblem. Illustrative, KI-generierte Darstellung. Illustration: KI-generiert — Status

Kaum ein Name ist in der privaten Krankenversicherung Luxemburgs so geläufig wie DKV – und doch steht er längst nicht mehr für ein einziges Unternehmen. Hinter dem Kürzel verbergen sich heute zwei sehr unterschiedliche Häuser: zum einen DKV Luxemburg, der führende Anbieter von Zusatzkrankenversicherungen im Großherzogtum, der fest im Geschäft steht; zum anderen ein international ausgerichteter Versicherer, der einst unter der Marke „DKV Globality“ firmierte und inzwischen vollständig aus dem DKV-Umfeld herausgelöst und in die Hände des heimischen Konkurrenten Foyer übergegangen ist.

Für die Haushalte ist diese Unterscheidung keineswegs nebensächlich. Die sogenannte Zusatz- oder Ergänzungsversicherung ist in Luxemburg weit verbreitet, weil sie genau jenen Teil der Behandlungskosten übernimmt, den die staatliche Gesundheitskasse nicht trägt. Jeder Eigentümerwechsel in diesem Segment wird von den Versicherten deshalb aufmerksam registriert. Die Veränderung, die tatsächlich stattgefunden hat, fällt jedoch enger aus, als das Gerücht es bisweilen nahelegt – und sie betrifft das Expatriate-Geschäft, nicht den heimischen Zusatzversicherer, den die meisten Einwohner kennen.

Der Verkauf, der das Expat-Geschäft neu ordnete

Am 10. März 2023 vereinbarte die Foyer S.A. – mit Gründungsjahr 1922 die größte in Privatbesitz befindliche Versicherungs- und Finanzgruppe Luxemburgs –, 100 Prozent der Anteile an der Globality S.A. zu übernehmen. Verkäuferin war laut Foyer-Mitteilung die ERGO Reiseversicherung AG, ein Teil der ERGO Group AG, die wiederum zum deutschen Rückversicherer Munich Re gehört. Die Transaktion stand unter dem Vorbehalt der Zustimmung der luxemburgischen Versicherungsaufsicht, des Commissariat aux Assurances (CAA), und wurde im Juli 2023 abgeschlossen.

Globality ist kein gewöhnliches Übernahmeobjekt. Der in Luxemburg ansässige Versicherer nahm seine Geschäftstätigkeit im April 2008 auf und trat zunächst als „DKV Globality“ auf – der spezialisierte Expatriate-Krankenversicherer von Munich Health innerhalb der Munich-Re-Gruppe. Sein Geschäft ist die internationale private Krankenversicherung (IPMI): Deckung für international mobile Mitarbeiter, Auslandsentsandte und selbstständige Berufstätige, die fern der Heimat leben – nicht die Zusatzpolicen für Einwohner Luxemburgs.

Foyer gliederte das Geschäft in Foyer Global Health ein, jene IPMI-Marke, die der Konzern seit 2014 aufbaut, und führte die beiden Teams zusammen, um im grenzüberschreitenden Expat-Markt zu wachsen. Entscheidend ist: Es handelte sich um eine Konsolidierung, nicht um eine Abwicklung. Foyer und ERGO vereinbarten, die seit Langem bestehende Vertriebs- und Servicepartnerschaft zwischen Globality, ERGO und DKV fortzuführen; die Produkte werden weiterhin über die internationalen Vertriebsnetze von ERGO und DKV angeboten.

„Ich freue mich sehr, die Übernahme von Globality bekannt geben zu können, denn sie wird es uns zweifellos ermöglichen, unser Wachstum im Bereich der internationalen Krankenversicherung zu beschleunigen. Während wir unseren Kunden weltweit weiterhin höchste Servicequalität bieten, wird diese Gelegenheit die Marke Foyer auf internationaler Ebene weiter nach vorn bringen.“ — Marc Lauer, Vorstandsvorsitzender der Foyer S.A.

DKV Luxemburg verschwindet nicht

Jenes DKV, mit dem die meisten Einwohner zu tun haben, ist eine eigenständige Gesellschaft – und sie bleibt. Die DKV Luxembourg S.A. ist seit 1981 auf Zusatzkrankenversicherung, Reisekranken- und Verdienstausfallschutz spezialisiert und seit dem 31. März 2015 eine hundertprozentige Tochter der Gruppe LALUX (La Luxembourgeoise). Sie tritt heute unter dem Namen „DKV Luxembourg by LALUX“ auf und gilt nach Einschätzung unabhängiger Versicherungsvergleiche als Marktführer bei der privaten Zusatzkrankenversicherung im Großherzogtum.

Ihre Produktpalette wird auch 2026 weiter vertrieben, und das Unternehmen unterliegt – wie seine Wettbewerber – der Aufsicht des CAA. Mit anderen Worten: Die beiden Arme, die sich einst den Namen DKV teilten, haben sich getrennt. Der heimische Zusatzversicherer sitzt innerhalb der LALUX-Gruppe, das internationale Expat-Geschäft innerhalb von Foyer. Weder in öffentlichen aufsichtsrechtlichen Mitteilungen noch in Unternehmensbekanntmachungen gibt es einen Hinweis auf einen Rückzug von DKV Luxemburg aus dem Markt.

Wie sich die Zusatzversicherung um die CNS legt

Dass all dies die Versicherten überhaupt berührt, liegt am Aufbau des luxemburgischen Gesundheitssystems. Die Caisse nationale de santé (CNS) bildet das gesetzliche Rückgrat und erstattet den Großteil der Regelversorgung – Vergleichsportale beziffern den Anteil auf rund 88 Prozent des konventionierten Tarifs bei Arztkonsultationen Erwachsener und 100 Prozent bei Kindern unter 18 Jahren. Erhebliche Kosten fallen jedoch außerhalb dieses Rahmens an, darunter Einzelzimmer im Krankenhaus, aufwendige Zahnbehandlungen, Sehhilfen und Augenlaserchirurgie. Die Zusatzversicherung existiert, um zu decken, was die CNS nicht übernimmt.

Dieser Markt verteilt sich im Wesentlichen auf vier Anbieter, die allesamt der CAA unterstehen – aufgeteilt zwischen einer gemeinnützigen Gegenseitigkeitskasse und kommerziellen Versicherern:

  • CMCM – eine gemeinnützige Gegenseitigkeitskasse, die keinen Gesundheitsfragebogen verlangt;
  • DKV Luxemburg – Teil der LALUX-Gruppe, seit 1981 am Markt;
  • Foyer – der heimische Versicherer, dem zugleich das Expat-Geschäft Globality/Foyer Global Health gehört;
  • AXA – der lokale Arm des französischen Konzerns mit individueller Tarifierung.

Vor diesem Hintergrund lässt sich der Deal zwischen Foyer und Globality am besten als Konsolidierung am internationalen, auf Expatriates ausgerichteten Rand des Marktes verstehen – nicht als Umwälzung der alltäglichen Zusatzdeckung, die die CNS ergänzt. Die Marke DKV hat sich aus einem Segment zurückgezogen – das grenzüberschreitende Expat-Geschäft trägt nun die Farben von Foyer –, während sie im heimischen Zusatzmarkt, den die meisten Einwohner tatsächlich abschließen, der führende Name bleibt. Für die Versicherten ist die praktische Botschaft beruhigend unspektakulär: Das Unternehmen auf Ihrem Zusatzvertrag steht aller Wahrscheinlichkeit nach genau dort, wo es immer stand.

Häufig gefragt

Zieht sich DKV aus dem luxemburgischen Markt zurück?
Nein. DKV Luxembourg S.A. ist seit 1981 aktiv, gehört seit dem 31. März 2015 zur LALUX-Gruppe und gilt als Marktführer bei der privaten Zusatzkrankenversicherung. Für 2026 wird die Produktpalette weiter vertrieben; einen Rückzug belegen weder Aufsichts- noch Unternehmensmitteilungen.
Was genau hat Foyer übernommen?
Foyer übernahm 100 Prozent der Anteile an Globality S.A., dem früher als „DKV Globality“ bekannten Spezialisten für internationale Krankenversicherung (IPMI). Die Vereinbarung wurde am 10. März 2023 unterzeichnet und im Juli 2023 nach Zustimmung des CAA abgeschlossen.
Wer war die Verkäuferin von Globality?
Verkäuferin war die ERGO Reiseversicherung AG, ein Teil der ERGO Group AG, die wiederum zum deutschen Rückversicherer Munich Re gehört.
Welche Anbieter teilen sich den Zusatzmarkt in Luxemburg?
Im Wesentlichen vier Anbieter unter Aufsicht des CAA: die gemeinnützige Gegenseitigkeitskasse CMCM (ohne Gesundheitsfragebogen) sowie die privaten Versicherer DKV, Foyer und AXA.
Quellen(12)
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  12. 12Understanding the health system in Luxembourg: mutual insurers vs insurance companiesFoyer · foyer.lu

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