Planetare Verteidigung
Kilometergroßer Asteroid passiert die Erde – so nah wie seit dem Jahr 1600 nicht mehr
Der bis zu 1,6 Kilometer große Asteroid 1997 NC1 zieht am Samstagnachmittag in 2,56 Millionen Kilometern Abstand vorbei. Eine Gefahr besteht zu keinem Zeitpunkt.
Von Marc Weber · · 4 Min. Lesezeit

Es ist ein Ereignis, das Astronominnen und Astronomen seit Jahren im Kalender stehen haben – und das dennoch niemanden beunruhigen muss. An diesem Samstag, dem 27. Juni 2026, zieht ein bis zu 1,6 Kilometer großer erdnaher Asteroid an unserem Planeten vorbei. Den geringsten Abstand erreicht das Objekt (152637) 1997 NC1 um 11:14 Uhr koordinierter Weltzeit (UTC), das entspricht 13:14 Uhr in Luxemburg. Das geht aus den Daten des Near-Earth Object Coordination Centre der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hervor.
In diesem Moment trennen den Asteroiden exakt 2.559.461 Kilometer von der Erde – mit einer Unsicherheit von wenigen Kilometern, wie die ESA betont. Das sind rund 6,66 mittlere Erde-Mond-Distanzen oder etwa 1,59 Millionen Meilen: weit genug, um jede Bedrohung auszuschließen, und zugleich nah genug, um den kilometergroßen Brocken zu einem begehrten Ziel der weltweiten Instrumente zur planetaren Verteidigung zu machen.
Rekordnähe – und dennoch kein Risiko
Gemessen an erdnahen Begegnungen ist diese Passage bemerkenswert. ESA und unabhängige Fachleute beschreiben sie als die größte Annäherung des Asteroiden an die Erde seit etwa dem Jahr 1600; eine vergleichbare Begegnung wird erst wieder für 2133 erwartet. Trotz dieses Ausnahmecharakters ist die Bahn lückenlos vermessen: 1997 NC1 ist im Laufe von rund drei Jahrzehnten Beobachtung etwa 40 Mal an der Erde vorbeigeflogen. Seine Flugbahn ist deshalb mit hoher Präzision bekannt, und die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags ist praktisch null.
Fachleute ordnen das Objekt den Aten-Asteroiden zu – Körper, deren Bahn sie überwiegend näher zur Sonne hält als die Erde und die unseren Stern in rund 294 Tagen umrunden. Das Jet Propulsion Laboratory der NASA führt 1997 NC1 als potenziell gefährlichen Asteroiden, eine formale Kategorie, die sich allein aus Größe und Bahn ableitet und keine unmittelbare Gefahr bezeichnet. Die ESA schätzt den Durchmesser auf 750 bis 1.650 Meter. Diese große Spanne spiegelt wider, wie wenig über das Rückstrahlvermögen der Oberfläche bekannt ist; gemeinhin wird das Objekt als rund einen Kilometer breit beschrieben. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem 50- bis 60-Fachen jenes kleinen Gesteinskörpers, der 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte.
Gianluca Masi, Astrophysiker und Leiter des Virtual Telescope Project, der den Asteroiden bei seiner Annäherung fotografierte, fasste die Sicherheitsfrage knapp zusammen:
Selbstverständlich bestehen für unseren Planeten überhaupt keine Risiken.
Für Beobachterinnen und Beobachter am Himmel bleibt der Asteroid ein lichtschwaches Ziel. Mit einer Helligkeit von etwa Magnitude 10 ist er für das bloße Auge unsichtbar, lässt sich aber durch ein Amateurteleskop ab sechs Zoll (15 Zentimeter) Öffnung als sternartiger Punkt erkennen, der innerhalb weniger Minuten merklich vor den Hintergrundsternen wandert – am besten in den Nächten vom 26. bis 28. Juni.
Erstmals im Visier des Radars
Entdeckt wurde der Asteroid am 5. Juli 1997 durch das Near-Earth Asteroid Tracking der NASA auf dem Haleakala auf Hawaii; seither wird er optisch verfolgt. Der Vorbeiflug dieser Woche bringt jedoch etwas Neues: die ersten Radarbeobachtungen in der dokumentierten Geschichte des Objekts.
Das Goldstone Solar System Radar der NASA in der kalifornischen Mojave-Wüste sendet am 24., 25. und 27. Juni Radiowellen in Richtung des Asteroiden, die von dessen Oberfläche zurückgeworfen werden. Solche Echos schärfen die Schätzungen zu Größe, Form, Rotation und exakter Bahn – genau jene Lücken, die optische Beobachtungen offenlassen. Lance A. M. Benner, Radarwissenschaftler am JPL, beschrieb den Aufbau: „Dieses Objekt wurde zuvor nie mit Radar beobachtet. Wir nutzen die 34-Meter-Antenne DSS-26 als Sender (7190 MHz) und die 34-Meter-Antenne DSS-13 als Empfänger, um diesen Asteroiden am 24., 25. und 27. Juni zu beobachten."
Ziel sei es, so Benner, „einige Diskrepanzen hinsichtlich des Durchmessers, der Spektralklasse und der optischen Albedo" des Asteroiden zu klären – also genau jene Unsicherheiten, die seiner Größe eine so weite Spanne geben. Parallel zur Radararbeit haben robotische Teleskope den Vorbeiflug abgelichtet; das Virtual Telescope Project nahm ihn am 24. Juni aus der chilenischen Atacama-Wüste auf, als der Asteroid noch rund 3,5 Millionen Kilometer entfernt war und sich als heller Strich durch ein Sternenfeld zog.
Europas Blick auf den Himmel
Die Begegnung ist zugleich ein Fenster darauf, wie Europa jene Objekte überwacht, die sich die Erdumlaufbahn mit uns teilen. Das Near-Earth Object Coordination Centre der ESA, am Standort ESRIN im italienischen Frascati angesiedelt, veröffentlichte ein ausführliches Datenblatt zur engen Annäherung von 1997 NC1 und pflegt jene fortlaufende Risikoliste, die der planetaren Verteidigung des Kontinents zugrunde liegt. Das Zentrum gehört zum Programm Space Safety der ESA und untersteht dem Planetary Defence Office, das die europäische Beobachtung und Auswertung koordiniert und in die internationalen Warnnetze mit der NASA und Observatorien weltweit einspeist.
Dieser Aufwand ist eine Gemeinschaftsleistung der ESA-Mitgliedstaaten – Luxemburg gehört seit dem Beitritt als Vollmitglied 2005 dazu und trägt zur Finanzierung der gemeinsamen Programme bei. Keine einzelne nationale Einrichtung steht im Zentrum dieses Vorbeiflugs; es ist vielmehr das gebündelte Netz aus Teleskopen und Radaranlagen, von Hawaii über Kalifornien bis zu den Datenpulten in Frascati, das aus einem fernen Lichtpunkt einen präzise kartierten Besucher macht.
Für die Öffentlichkeit lautet die Botschaft beruhigend unspektakulär. Ein kilometergroßer Asteroid passiert die Erde so nah wie seit vier Jahrhunderten nicht mehr – und die Systeme, die solche Objekte aufspüren sollen, sahen ihn Jahrzehnte im Voraus kommen, verfolgten ihn auf dem gesamten Weg und bestätigten, dass es nie etwas zu fürchten gab. Wenn 1997 NC1 das nächste Mal so nah kommt, im Jahr 2133, werden diese Systeme noch schärfer sein – auch dank der Messungen, die an diesem Wochenende gesammelt werden.
Häufig gefragt
- Kann der Asteroid 1997 NC1 die Erde treffen?
- Nein. Die ESA und unabhängige Fachleute schließen jedes Einschlagrisiko aus; die Kollisionswahrscheinlichkeit ist praktisch null. Der geringste Abstand beträgt rund 2,56 Millionen Kilometer – etwa das 6,6-Fache der mittleren Entfernung zwischen Erde und Mond.
- Wie groß ist 1997 NC1?
- Die ESA schätzt den Durchmesser auf 750 bis 1.650 Meter; das Objekt wird gemeinhin als rund kilometergroß beschrieben. Die weite Spanne entsteht, weil das Rückstrahlvermögen der Oberfläche noch unsicher ist – eine der Unbekannten, die die aktuellen Radarmessungen klären sollen.
- Kann man den Asteroiden in Luxemburg sehen?
- Nicht mit bloßem Auge. Bei einer Helligkeit von etwa Magnitude 10 ist er nur durch ein Teleskop ab sechs Zoll (15 Zentimeter) Öffnung als langsam wandernder, sternartiger Punkt zu erkennen, am besten in den Nächten vom 26. bis 28. Juni.
- Welche Rolle spielt Luxemburg dabei?
- Luxemburg ist seit 2005 Vollmitglied der ESA und finanziert deren gemeinsame Programme mit. Dazu zählt das Programm Space Safety, das das Near-Earth Object Coordination Centre in Frascati betreibt. Eine eigene luxemburgische Überwachungsanlage gibt es nicht.
Quellen(6)
- 1Close approach of asteroid (152637) 1997 NC1European Space Agency · esa.int
- 2Close Approach Fact Sheet for (152637) 1997 NC1ESA NEO Coordination Centre · neo.ssa.esa.int
- 3Large asteroid to pass Earth safely on June 27EarthSky · earthsky.org
- 4Reasons to Approve of the June 27 Flyby of Asteroid 1997 NC1Universe Magazine · universemagazine.com
- 5Potentially Hazardous Asteroid (152637) 1997 NC1 close encounter: new image - 24 June 2026The Virtual Telescope Project 2.0 · virtualtelescope.eu
- 6Asteroid 152637 (1997 NC1) | Space ReferenceSpace Reference · spacereference.org
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